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Ob Kater Spikey weiß, was sein Herrchen Mario Ludwig über ihn in seinem jüngsten Tierbuch geschrieben hat? Foto: privat
10.08.2018

Katzenfreund und Dosenöffner Mario Ludwig: „Bloß kein Pfotenschlag zu viel“ - Mit Leserfotos

Der Karlsruher Biologe, Naturbuchautor und PZ-Kolumnist Mario Ludwig ist (noch) nicht auf den Hund gekommen. Dafür ist er Sklave seiner beiden Katzen. Dass er damit trotzdem glücklich und zufrieden leben kann, hat er in seinem jüngsten Buch „Mein Leben als Dosenöffner“ beschrieben.

PZ: Herr Ludwig, Ihre Frau Katharina hat 1999 die erste gemeinsame Familienkatze farblich passend zum Teppichboden ausgesucht. Durften sich seitdem Ihr Einrichtungsstil und die dominanten Wohnfarben entscheidend ändern?

Mario Ludwig: Nein, ganz im Gegenteil. Katzen sind sehr konservativ. Katzen würden alle CDU wählen. Katzen mögen keine Veränderungen. Ein umgestellter Sessel – da wird empört miaut. Ein neues Sofa – eine Katastrophe!

PZ: Gab es einen Moment, wo sie gedacht haben, dass die Katzen jetzt bestimmen, wie es bei Ihnen daheim aussieht?

Mario Ludwig: Im Prinzip kommt dieser Moment alle Jahre wieder an Weihnachten, wenn die Katzen den Weihnachtsbaum derart verwüsten, dass man glaubt, hier sei ein Tornado durchgepflügt. Da gibt es bei denen einen Wettbewerb: Wer klettert am schnellsten auf die Spitze? Mit – mittlerweile unzerbrechlichen – Weihnachtsbaumkugeln können Katzen übrigens prima Fußball spielen.

PZ: „Mein Leben als Dosenöffner“ – der Titel ihres Buches deutet ja schon an, in was für einem untergeordneten Verhältnis Sie zu ihrer Katze stehen. Stört Sie das nicht, im eigenen Heim fremdbestimmt leben zu müssen?

Mario Ludwig: Nein überhaupt nicht. Sie kennen ja vielleicht den Spruch: „Hunde haben Herrchen und Frauchen. Katzen haben gut ausgebildetes Personal.“ Wobei die Betonung auf „gut ausgebildet“ liegt. Meine Katzen wickeln mich locker um den Finger, beziehungsweise um die Kralle, die haben das einfach drauf. Und, das werden jetzt viele Menschen nicht verstehen: Ich genieße das auch manchmal, nicht das letzte Wort zu haben. Meine Frau sieht das freilich bei mir ein bisschen anders.

PZ: Spüren Ihre Katzen, dass Sie ein Buch über sie geschrieben haben?

Mario Ludwig: Manchmal habe ich den Verdacht, dass das so ist. Spikey schaut mich manchmal so komisch an, so als wäre er der Meinung, ihm stünden als Hauptperson des Buches jetzt Prozente vom Honorar in Form von Katzenleckerlies zu. Lachs in feiner Sauce wäre so sein Ding.

PZ: Hunde sind ihrem Herrchen hündisch ergeben. Aber wie stark menschenfixiert sind eigentlich Katzen?

Mario Ludwig: Wir Menschen sind schon mehr als nur schnöde Dosenöffner: Unsere Katzen lieben uns auch. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Man hat einmal in einem Experiment Katzen zwei Stunden in einen völlig leeren Raum gesperrt und ihnen dann drei Wahlmöglichkeiten gelassen: Sie konnten zu ihrem menschlichen Dosenöffner, zu einem gefüllten Futternapf oder zu Spielzeug gehen. Und die meisten Katzen haben sich tatsächlich für ihre Dosenöffner entschieden. Wobei ich da bei meinem verfressenen Kater Spikey nicht so ganz sicher gewesen wäre.

PZ: Als promovierter Biologe können Sie bestimmt tiergerecht mit ihren Katzen kommunizieren. Aber nützt das überhaupt etwas?

Mario Ludwig: Tiergerecht kommunizieren? Eher nicht. Ich bediene mich da, wie jeder andere Katzenbesitzer auch, vergeblich der menschlichen Sprache. Aufforderungen wie zum Beispiel „Nimm jetzt sofort wieder die tote Maus von meinem Kopfkissen weg“ wollen meine Miezen keineswegs Folge leisten. Geschenk ist schließlich Geschenk.

PZ: Mal abgesehen von toten Mäusen vor der Haustüre und vom Katzenfell gegen diverse Zipperlein, was bringen Katzen dem Menschen eigentlich an positiven, nützlichen Dingen?

Mario Ludwig: Von Katzen können wir zwei Dinge lernen. Erstens: Einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Katzen denken in erster, zweiter und dritter Linie erst einmal an sich selbst. Und zweitens: Wir können von Katzen eine entspannte Lässigkeit lernen. Katzen sind echte Minimalisten. Bloß kein Pfotenschlag zu viel, heißt hier die Devise. Das kann man gut bei meinem Kater Spikey sehen. Der fängt seine Mäuse nicht selbst, sondern nimmt sie anderen Katzen weg.

PZ: Sorry, aber abschließend wird es noch einmal etwas persönlich. Sie haben keine Kinder. Können Katzen da ein Ersatz sein?

Mario Ludwig: Diese Frage bekommt man als kinderloses Ehepaar im fortgeschrittenen Alter und mit zwei überaus verwöhnten Katzen ziemlich oft gestellt. Und ziemlich oft schwingt in dieser Frage eine ganz gehörige Portion Mitleid mit. Meine Antwort ist immer die gleiche: „Kein Kind kann meine Katzen ersetzen.“ Das ist dann gleich immer das Ende aller Diskussionen.

Zahl zum Thema:

13,7 Millionen Katzen gab es 2017 in Deutschland. Das sind doppelt so viele wie im Jahr 2000. Da kann der angeblich beste Freund des Menschen, der Hund, nicht mithalten. Von denen gibt es nämlich nur 9,2 Millionen in Deutschland.

Das Buch:

Mario Ludwig ist promovierter Biologe und daher von Berufs wegen zu einem nüchternen Blick auf die Tierwelt verpflichtet. Für ihn ist die Fauna jedoch ein Füllhorn an Skurrilem und Aufregendem, Absurdem und Weltrekorden. Diese animalische Welt hat er schon in über 20 Büchern dargestellt. Stets mit einer gehörigen Prise Humor. Das kennt man aus seinen Kolumnen im Magazin der PZ. Mit seinem Buch „Genial gebaut“ landete er auf der Spiegel-Bestsellerliste. In seinem jüngsten Werk „Mein Leben als Dosenöffner“ erzählt Ludwig aus seinem Alltag als Katzenbesitzer. Die 36 amüsanten Kurzgeschichten werden ergänzt durch wissenschaftliche Erkenntnisse und unterhaltsame Illustrationen.

Mario Ludwig, „Mein Leben als Dosenöffner“, Verlag wbg Theiss, Darmstadt, 2018, 176 Seiten mit 19 Zeichnungen von Monika Steidl, 18 Euro

Mario Ludwig wurde 1957 als Sohn eines Biologieprofessors in Heidelberg geboren. Er studierte dort Biologie und Sportwissenschaften und arbeitete am Zoologischen Institut der Universität Heidelberg. 1993 begann seine Karriere als Sachbuchautor. Ludwig ist häufig Gast in TV-Talkshows und wird auch als Dozent und Vortragsredner gefragt. Seit 1998 lebt er in Karlsruhe.

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