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Nicht trinken und fahren: Die Polizei setzt nach dem schweren Unfall in Friolzheim auf mehr Prävention. © dpa-Archiv
29.09.2010

17-Jähriges Unfallopfer: Zustand stabilisiert

NEUHAUSEN/HEIMSHEIM. Nach dem tragischen Unfall von vier Jugendlichen bei Heimsheim vom Sonntag intensiviert die Polizei ihr „Schutzengel“-Programm. Besonders an den Schulen in Neuhausen und Heimsheim – und auch besonders im persönlichen Umfeld der Verunglückten. Einer der Jugendlichen starb in Folge des Unfalls. Der Zustand des zweiten 17-Jährigen, der in Lebensgefahr schwebte, soll sich nach Polizeiangaben stabilisiert haben.

Bei dem Unglück, das am frühen Sonntagmorgen zwischen Heimsheim und Friolzheim einen 17-Jährigen das Leben gekostet hat, ist aus Sicht der Polizeidirektion Pforzheim alles zusammengekommen, was sie mit ihrer Präventionsarbeit verhindern will. Dass jemand fährt, obwohl er getrunken hat, dass andere trotzdem zu ihm ins Auto steigen, dass sich nach dem Stand der Ermittlungen nur einer der vier Insassen anschnallt – und in diesem Fall auch, dass der Fahrer gar keinen Führerschein hat und sich das Auto ohne Wissen der Eltern geschnappt hat. Die Polizei will schnell reagieren. Ihr „Schutzengel“-Programm soll möglichst bald in der Verbandsschule im Biet in der Heimatgemeinde der Verunglückten und in der Ludwig-Uhland-Schule Heimsheim, an der drei von ihnen ihren Abschluss gemacht hatten, vorgestellt werden.

Die Vorbereitungen laufen bereits, sagte Polizeisprecher Frank Otruba gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“. Möglichst schnell wolle die Polizei Jugendlichen aus der Gemeinde Neuhausen, aus der die Verunglückten stammen, und aus Heimsheim und Umgebung mit dem „Schutzengel“-Programm zeigen, wie sie Freunde wenn nötig davon abhalten können, gefährliche Fehler zu begehen. Es gehe vor allem darum, Stopp zu sagen, wenn etwas schief läuft. „Zum Beispiel hört man bei jungen Leuten oft Sprüche wie ‚nur Weicheier schnallen sich an‘ und wir möchten zeigen, wie man sich in solchen Situationen durchsetzen kann“, so Otruba. Im Gespräch mit den Schulen im persönlichen Umfeld der Verunglückten sollen auch Lehrer Hilfen bekommen, wie sie solche Themen den Schülern gegenüber angehen können.

Die vier 16- und 17-Jährigen waren in einem elterlichen Auto nach einer privaten Geburtstagsfeier unterwegs gewesen. Die genauen Umstände sind noch Gegenstand der Ermittlungen. Als der 17-jährige alkoholisierte Fahrer auf abschüssiger Strecke zwischen Heimsheim und Friolzheim die Kontrolle über das Auto verlor, erlitt der gleichaltrige Beifahrer Verletzungen, an denen er in der Nacht zum Montag starb. Ein weiterer 17-Jähriger, der nach PZ-Informationen zunächst im künstlichen Koma gelegen war, ist laut Polizei mittlerweile in einem stabilen Gesundheitszustand. Zwei weitere Jugendliche seien wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, so Otruba.

Ihr Unfall wühlt die Menschen in ihrer Heimatgemeinde genauso auf wie an ihrer ehemaligen Schule. Umso wichtiger ist aus Sicht der Polizei eine gezielte Aufklärungsarbeit. Andere Verkehrsteilnehmer hatten Beamte bereits bei Geschwindigkeitskontrollen direkt am Unglücksort zwischen Heimsheim und Friolzheim angesprochen. Nach schweren Unfällen warnt die Polizei regelmäßig auf solche Weise vor Gefahren. Die Landesstraße ist dort in einem so schlechten Zustand, dass die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer begrenzt wurde. Gegen den jungen Unfallfahrer hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs eingeleitet.