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05.03.2009

24-jähriger JU-Kommunalpolitiker hortet Kinderpornos

ENZKREIS. Kinderpornos hat ein 24-Jähriger aus dem Heckengäu auf seinem PC gehabt. Der Mann ist kommunalpolitisch aktiv: Er sitzt im Jugendhilfeausschuss des Kreistags und ist Mitglied der Jungen Union.

Kommende Woche hat sich der 24-jährige Bankkaufmann vor dem Amtsgericht in Maulbronn zu verantworten. Er hat Einspruch gegen einen Strafbefehl in Höhe von 6000 Euro (120 Tagessätze zu 50 Euro) eingelegt. Die Ermittler waren dem Angeklagten nach Aussage der Staatsanwaltschaft Pforzheim auf die Spur gekommen, als sie bei einem ausländischen Anbieter von Kinderpornografie auf Kreditkartendaten stießen.

Der Rechner des 24-Jährigen wurde eingezogen. Darauf befinden sich elf Videos und zahlreiche Bilddateien, auf denen sexuelle Handlungen zwischen Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren und Erwachsenen zu sehen sind. Deshalb erging ein Strafbefehl, gegen den der 24-Jährige jetzt Einspruch eingelegt hat. Geldstrafen ab 90 Tagessätzen werden in das Führungszeugnis eingetragen. Ob der Angeklagte in der Hauptverhandlung am kommenden Dienstag einen Freispruch oder eine niedrigere Strafe erwirken will, ist derzeit nicht bekannt.

Mit Entsetzen reagierte am Donnerstag der Kreisverband Enzkreis/Pforzheim der CDU auf die Nachricht. Auch wenn der Ausgang des laufenden Verfahrens abzuwarten sei, sei festzustellen, „dass die Straftaten im Bereich der Kinderpornografie besonders schwere und abscheuliche Handlungen darstellen, die es mit der ganzen Härte des Gesetzes zu ahnden gilt“, erklärte der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Mappus in einer Pressemitteilung. Gerade für eine Partei, die sich den christlichen Grundwerten in besonderem Maße verpflichtet fühle, sei eine solche Verhaltensweise in keiner Weise tolerierbar. Werde der 24-Jährige schuldig gesprochen, „muss er im Blick auf das Selbstverständnis unserer Partei umgehend persönliche Konsequenzen ziehen.“

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende des 180 Mitglieder zählenden JU-Kreisverbandes, Jacques Grießmayer. Der angeklagte 24-Jährige war erster Vorsitzender des 2006 gegründeten JU-Verbandes Heckengäu, trat aber nach einer Wiederwahl nicht mehr an. Seither ist er nur noch einfaches Mitglied. In den Jugendhilfeausschuss, in dem neben den gewählten Kreisräten auch Verbandsvertreter sitzen, wurde er als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Jugendzentrums-Initiativen Enzkreis entsandt. An der Sitzung am Donnerstag nachmittag nahm er allerdings nicht teil. Für den Fall einer Verurteilung geht Landrat Karl Röckinger davon aus, dass der 24-Jährige sein Mandat niederlegt. Andernfalls habe der Kreistag auch die Möglichkeit, ihn von seiner Tätigkeit zu entbinden.