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„Dringenden Handlungsbedarf“ sieht Diplom-Meteorologe Karsten Schwanke beim Klimaschutz. Das erklärte der ARD-Wetterexperte bei einer Podiumsdiskussion zum Auftakt der Energie-Erlebnistage in Altensteig.
„Dringenden Handlungsbedarf“ sieht Diplom-Meteorologe Karsten Schwanke beim Klimaschutz. Das erklärte der ARD-Wetterexperte bei einer Podiumsdiskussion zum Auftakt der Energie-Erlebnistage in Altensteig.
18.09.2016

5. Energie-Erlebnistage des Regionalverbandes Nordschwarzwald gestartet

Altensteig. Brauchen wir mehr Windkraftwerke in Baden-Württemberg? Müssen die Stromnetze ausgebaut werden? Was unternimmt die Politik, um den Kohlendioxid-Ausstoß spürbar zu senken? Und was kostet die Energiewende? Zum Auftakt der 5. Energie-Erlebnistage des Regionalverbandes Nordschwarzwald mit 38 Veranstaltungen an 16 Orten diskutierten in Altensteig sechs Fachleute über das Thema Klimawandel und regenerative Energiegewinnung.

Welche Rolle beim Wetter der Wind und die Sonne spielen und welche Auswirkungen Klimaveränderungen haben, darüber hielt der Diplom-Meteorologe Karsten Schwanke einen hochinteressanten, mit Grafiken, Bildern und Videoaufnahmen illustrierten Vortrag. Haben die Tornados in Deutschland zugenommen? Über 400 solcher Phänomene seien in diesem Jahr beobachtet worden, informierte der ARD-Wettermoderator. Besonders schlimm getroffen habe es die Region um Hamburg, als eine Windhose in kürzester Zeit 1000 Bäume entwurzelte und einen Millionenschaden anrichtete.

Dass der Klimawandel nicht zu leugnen sei, verdeutlichte Schwanke an der Tatsache, dass die Temperaturen an allen bisherigen Monaten dieses Jahres höher gelegen hätten als in der Vergangenheit. Der Meeresspiegel sei im Südpazifik deutlich gestiegen. Wenn das Eis am Nordpol „weiter so schnell schmilzt“ sei es 2030 in den Sommermonaten ganz verschwunden, prophezeit der Meteorologe. Der trockenste Ort auf der Erde sei, entgegen landläufiger Meinung nicht die Sahara, sondern der Südpol. Dort habe man noch nie eine Regenwolke gesichtet.

Nasse Winter, trockene Sommer

Schwanke erwartet, dass die Hagelhäufigkeit im Südwesten Deutschlands zunimmt. Auch glaubt er, dass die Wintermonate in Deutschland regenreich ausfallen und die Sommermonate trocken und heiß werden. Den Politikern schrieb er ins Stammbuch, bei der Energiegewinnung „frischer und weiträumiger zu denken als bisher“. Ob es beim Klimawandel fünf vor Zwölf oder bereits fünf nach Zwölf sei, konnte der Meteorologe nicht mit Gewissheit sagen, auf jeden Fall „besteht dringender Handlungsbedarf“.

Land will weitere Windparks

Ministerialdirigent Karl Greißing vom baden-württembergischen Umweltministerium gab bekannt, dass die Landesregierung beabsichtige, weitere Windparks zu bauen. Joachim Knebel vom Karlsruher Institut für Technologie informierte über intelligente Energiesysteme. Andreas Renner von der EnBW erläuterte, wie man Strom von den Offshore-Anlagen in Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg transportiert. Dirk Büscher, Direktor des Regionalverbandes Nordschwarzwald, bedauerte, dass der Bau von Windkraftwerken bei der Bevölkerung zunehmend auf Widerstand stößt. Als Beispiel nannte er den geplanten Standort in Büchenbronn.

Ob das bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris verabschiedete Abkommen erreicht werden könne – die Frage beantwortete Altensteigs Stadtwerkleiter Günther Garbe positiv, „wenn man dafür genügend Geld in die Hand nimmt“.