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Edgar Augenstein freut sich riesig über den Besuch seines Vaters Hubert Augenstein (rechts). Der war die Strecke in die Niederlande gewandert, um auch im hohen Alter fit zu bleiben. Foto: Peter Dekkers/De Noordoostpolder
Edgar Augenstein freut sich riesig über den Besuch seines Vaters Hubert Augenstein (rechts). Der war die Strecke in die Niederlande gewandert, um auch im hohen Alter fit zu bleiben. Foto: Peter Dekkers/De Noordoostpolder © Foto: Peter Dekkers/De Noordoostpolder
21.09.2015

81-Jähriger legt zu Fuß 700 Kilometer zurück

Das wäre keine Schlagzeile wert, wenn der immer noch agile und rüstige Senior die 700 Kilometer von seiner Haustür in Ellmendingen bis nach Emmeloord (Noordoostpolder) am Ijsselmeer nicht zu Fuß unterwegs gewesen wäre. Dreieinhalb Wochen hat Augenstein für die Strecke entlang von Pfinz, Rhein und Ijssel benötigt.

Im Schnitt legte er 200 Kilometer pro Woche zurück, wobei die Tagesleistung deutlich variierte: Zwischen 30 und 50 Kilometer betrug das Pensum. Abhängig war das Vorankommen von den Streckenverhältnissen und dem Wetter, aber auch von den Übernachtungsmöglichkeiten. Zwar hatte der 81-Jährige ein Zelt dabei, doch eine Übernachtung in einer Jugendherberge war durchaus im Sinne des alten Herrn.

Der Anblick war außergewöhnlich, denn Augenstein führte einen Kinderwagen mit sich, in dem er alles für seinen langen Marsch verstaut hatte. Und doch konnte er nicht kistenweise Getränke mitnehmen und das, wie sich der aktive Senior gut erinnert, bei einer „saumäßigen Hitze“. Doch siehe da: Er traf auf viele Mitmenschen mit Herz, zahlreiche Autofahrer hielten an und offerierten dem rotgesichtigen, schwitzenden Wanderer aufmunternd Erfrischungen. Doch was trieb den Ellmendinger überhaupt zu dieser Leistung? Zweierlei: Zum einen besuchte er seinen in Emmeloord wohnenden Sohn Edgar Augenstein, der für die „German-Dutch Wind Tunnels“ arbeitet. Zum anderen sucht der mobile Rentner auch im vorangeschrittenen Alter immer noch die körperliche Herausforderung.

Auf die erneute Mitnahme des Kinderwagens musste der 81-Jährige bei der Rückfahrt übrigens verzichten. Die Bahn möge keine Kinderwägen, zumindest keine ohne Kinder, deshalb habe er ihn in Emmeloord zurücklassen müssen. In Arnheim sei ihm überdies mitgeteilt worden, dass die Verbindung in Karlsruhe wohl drei Minuten Verspätung habe. Doch auf die Bahn sei Verlass, grinst Augenstein beim Besuch der PZ-Redaktion: Aus den drei Minuten seien drei Stunden geworden, weil man in Düsseldorf aufgrund eines Schadens den Zug habe verlassen müssen. Das nächste Mal werde er sich deshalb wieder auf seine eigenen Füße verlassen.