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Operation bei der Regionalen Kliniken Holding, zu der die Krankenhäuser in Mühlacker und Neuenbürg gehören. Die Kliniken in der Region haben in den letzten Jahren viel in die medizinische Qualität investiert. Die Auswirkungen zeigen sich auch im Vergleich heutiger OP-Zahlen mit der AOK-Studie. Foto: privat
Operation bei der Regionalen Kliniken Holding, zu der die Krankenhäuser in Mühlacker und Neuenbürg gehören. Die Kliniken in der Region haben in den letzten Jahren viel in die medizinische Qualität investiert. Die Auswirkungen zeigen sich auch im Vergleich heutiger OP-Zahlen mit der AOK-Studie. Foto: privat
08.12.2017

AOK bewertet bei Studie auch verschiedene Kliniken in der Region

Enzkreis/Pforzheim. Komplizierte Operationen sollten nur Krankenhäuser durchführen, die gut darauf vorbereitet sind. Zu diesem Schluss kam jüngst die AOK in ihrem Qualitätsmonitor 2018. Die Krankenkassen-Studie zeigt, dass beispielsweise Krebspatienten einem höheren Sterblichkeitsrisiko ausgesetzt sind, wenn sie sich in einer Klinik mit geringen Fallzahlen operieren lassen. Aber auch bei Knie- und Hüftoperationen wurden OP-Erfolg und Heilungsverlauf bewertet.

Bundesweit wurden für die Studie von 1352 Krankenhäuser Daten aus dem Jahr 2015 ausgewertet. In der Region wurden die Enzkreis-Kliniken Mühlacker und Neuenbürg bewertet, in Pforzheim das Helios Klinikum, das Siloah-St. Trudpert und die Arcus-Klinik, sowie im näheren Umland die Sana-Kliniken Bad Wildbad, die Rechbergklinik Bretten, die Kliniken Calw, das Klinikum Langensteinbach, und das Krankenhaus Leonberg. Was Lungenkrebs-Operationen angeht, tauchen nur das Helios Klinikum und das Siloah in der Statistik auf.

Rechnerisch könnte laut AOK die Zahl der Todesfälle nach Lungenkrebs-OP von 361 auf 287 pro Jahr zurückgehen, wenn nur noch Kliniken ab einer Fallzahl von mindestens 108 Operationen jährlich die Eingriffe durchführen würden. Dazu gehörten im Studienzeitraum das Helios mit 19 Fällen und das Siloah mit 39 Fällen aber ganz klar nicht. Auf deutlich mehr als die geforderten 108 Eingriffe kamen 2015 in näherer Umgebung die Klinik Schillerhöhe Gerlingen (256) und die St. Vincentius Kliniken Karlsruhe (154).

„Krankenhäuser, die eine ausreichend hohe Fallzahl der entsprechenden Eingriffe vorweisen können, haben nachweislich bessere Ergebnisse“, bestätigt auch Helios-Sprecherin Silke Bentner, verweist aber auf die Weiterentwicklung in Pforzheim seit der Studie 2015, was zum Beispiel die Lungenkrebsbehandlung angeht: „Wir haben letztes Jahr eine eigene Klinik für Thoraxchirurgie etabliert, die auch im Netzwerk unseres zertifizierten onkologischen Zentrums arbeitet. Wir werden die genannten Fallzahlen voraussichtlich nächstes Jahr erfüllen. Darüber hinaus hat der verantwortliche Chirurg in seiner vorherigen Tätigkeit an der Universität Heidelberg die Fallzahlen jährlich deutlich überschritten.“ Gut versorgt sind die Bürger im Enzkreis und in Pforzheim laut Studie in Sachen Hüft- und Knieoperationen. So hat die Pforzheimer Arcus-Klinik im Berichtszeitraum von 2013 bis 2015 insgesamt 1018 Knie-Prothesen und 538 Hüft-Prothesen eingesetzt und zählt als „Standort mit überdurchschnittlicher Behandlungsqualität“. Dazu gehören die 20 Prozent der Kliniken mit einer geringen Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Ereignisse bei und nach der OP.

Zu den Standorten „mit durchschnittlicher Behandlungsqualität“, denen 60 Prozent aller Kliniken zugeordnet werden, gehören bei den Knie-OPs Mühlacker (106 Fälle), Neuenbürg (12) und Helios (50). Für das Siloah (50) fehlt eine Bewertung.

Bei den Hüft-OPs kommt Neuenbürg (33 Fälle) in die gleiche Kategorie, Mühlacker (143), Helios (45) und Siloah (33) finden sich bei den 20 Prozent der Kliniken „mit unterdurchschnittlicher Behandlungsqualität“ wieder. Allerdings erfolgte die Auswertung, noch bevor das Krankenhaus Neuenbürg Ende 2015 zum „Gelenkzentrum Nordschwarzwald“ ausgebaut wurde. Aber nicht nur deshalb mahnt Dominik Nusser, Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken, die Studie mit Vorsicht zu interpretieren: „Die Qualität zu messen, ist gut. Aber man muss auch daraus lernen können.“ Und das könne man aus den alten AOK-Zahlen nur schwer. Deshalb seien die Enzkreis-Kliniken auch im IQM-Netzwerk (Initiative Qualitätsmedizin). „Da erheben wir dieselben Abrechnungsdaten, werten sie aber aktuell aus und können auf Auffälligkeiten schnell reagieren“, sagt Nusser. So werde analysiert, ob ein strukturelles Problem in einer Behandlungssparte bestehe, oder ob individuelle Faktoren – wie Komplikationen durch eine Mehrfacherkrankung eines Patienten – statistische Ausschläge verursachen.

Auch für Helios-Sprecherin Silke Bentner greift die AOK-Studie bei der Bewertung der Gelenkoperationen zu kurz: „Neben der bisherigen Erfassung der Folgekomplikationen müssten auch die voroperativen Krankheiten eines Patienten in die Analyse mit einfließen.“ Anders lasse sich eine faire Beurteilung der chirurgischen Qualität nicht abgeben und ein Vergleich zwischen den Kliniken ziehen.