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19.05.2008

Acht Unfalltote in 20 Wochen - Das Sterben auf den Straßen geht weiter

2008 könnte ein rabenschwarzes Jahr werden und auf einen traurigen Rekord zusteuern. „Wir haben dieses Jahr bis zum heutigen Tage schon acht Verkehrstote zu beklagen.“ Diese Bilanz des Pforzheimer Polizeisprechers Wolfgang Schick klingt umso bedenklicher, wenn man berücksichtigt, dass es 2007 nur sieben Unfalltote in Pforzheim und im Enzkreis gab. Achtes Opfer war am vergangenen Freitag ein 21-jähriger Ötisheimer, der nach einer langen Schleudertour gegen einen Baum prallte und nur noch tot geborgen werden konnte.

Allein im ersten Monat des Jahres gab es bereits fünf Unfalltote im Bereich der Polizeidirektion Pforzheim. Der erschreckender Januar-Trend wurde zwar gebremst, doch den siebten Verkehrstoten gab es bereits nach 70 Tagen des Jahres. Allerdings: In den 80er-Jahren lag der Jahresschnitt noch bei 37 Toten, in den 70er-Jahren gar bei rund 60 Verkehrstoten pro Jahr. Und: 1973 gab es in Pforzheim und im Enzkreis nur fast 83.000 Kraftfahrzeuge, während es jetzt schon über 215.000 sind.

Nicht von ungefähr spricht Polizeisprecher Schick bei der Todesbilanz des Jahres 2007 von einem „historischen Tiefstand“, der einem bundesweiten Trend zu immer weniger tödlichen Verkehrsunfällen entspreche. Und er sieht in der relativen Häufigkeit der Unfälle mit Todesfolge in diesem Jahr eher einen zufälligen Effekt. Grund zur Besorgnis geben die Zahlen jedoch allemal.

Im Blickpunkt stehen dabei die 18- bis 24-jährigen Autofahrer und das seit Jahren gleiche Unfallursachen-Muster: zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol- oder Drogeneinfluss und ein fataler Gruppenzwang, der zum Beispiel zu riskanten Überholmanövern provoziert. Diese Altersgruppe, so Wolfgang Schick, würde „nur acht Prozent der Gesamtbevölkerung“ ausmachen, wäre aber „mit 22 Prozent an allen Unfällen mit schweren Folgen beteiligt“.

Hinzu komme, so Schick, dass die jungen Raser nicht nur zu schnell fahren, sondern zum Beispiel nach dem Besuch einer weit entfernten Disco und der langen Fahrt oft übermüdet seien. Alkohol und Drogen würden sehr oft eine Rolle spielen. Dass bei den Unfällen, die zumeist am Wochenende passieren, nicht selten gleich mehrere Personen teilweise schwer verletzt werden, liege ebenfalls an einer Eigenheit der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen: Sie fahren kleine Autos, die meistens mit Freunden voll besetzt sind. 2007 gab es 307 schwerverletzte Unfallopfer, mehr als in den beiden Jahren zuvor.

Was kann die Polizei dagegen tun? Ein Mittel sind Geschwindigkeitskontrollen sofort nach einem tödlichen Unfall und in der Nähe des Unfallorts. „Jeder, der hier vorbeifährt, weiß sofort, warum“, sagt Schick. Ergänzend zur klassischen Verkehrsüberwachung sieht er die Entschärfung von Gefahrenstellen als wichtiges Hilfsmittel. So manche „Todeskreuzung“ früherer Jahre ist nach Umbauten inzwischen aus der Liste der größten Unfalllschwerpunkte gestrichen.

Etwa 600 Veranstaltungen zur Prävention, bei denen rund 20.000 Menschen aus der Region erreicht wurden, habe die Pforzheimer Polizei im vergangenen Jahr absolviert. Die Wirkung auf die Hauptzielgruppe sei aber schwer einzuschätzen. Da begrüßt es Wolfgang Schick, dass in diesem Jahr die Sanktionen für Raser und Drängler mit saftigen Bußgeldern deutlich verschärft werden sollen: „Auch das ist ein Beitrag zur Verkehrserziehung.“