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Voll in Aktion: PZ-Multimediamanager Marc Dietz hält die Übungen der Polizisten mit der Videokamera fest.  Ulbrich
Voll in Aktion: PZ-Multimediamanager Marc Dietz hält die Übungen der Polizisten mit der Videokamera fest. Ulbrich
PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich darf einen Streifenwagen fahren.  Dietz
PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich darf einen Streifenwagen fahren. Dietz
24.06.2011

Adrenalin pur: Blaulicht-TV auf Verfolgungsfahrt

Blaulicht-TV: Pforzheimer Polizisten trainieren Einsatzfahrten. Mit quietschenden Reifen und heulenden Motoren geht es durch den Parcours.

Es stinkt nach verbranntem Gummi. Reifen quietschen, immer wieder heulen die Motoren. Ab und zu durchdringt ein dumpfes Klopfen die Luft: Dann hat wieder ein Polizeiauto eines der Hütchen umgefahren, die den Parcours begrenzen, in dem die Polizeibeamten Einsatzfahrten trainieren sollen. Wir sind auf einem ehemaligen Kasernengelände in Nagold. Günter Kuhnle, Polizeihauptkommissar aus Mühlacker, leitet das Einsatztraining für zehn Beamte der Polizeidirektion Pforzheim. Im Training liegt dieses Mal der Fokus auf Verfolgungsfahrten.

Und schon geht es los: Ich sitze auf der Rückbank in einem Polizei-Passat, während meine „Kollegen“ Thomas Roller und Jürgen Kleinheinz vom Polizeirevier Neuenbürg einen Mercedes durch den Parcours jagen. Mit Vollgas wird der Motor des Automatik-betriebenen Passats zum Heulen gebracht. Vor jeder Kurve tritt Roller auf die Bremse, um nur eine Sekunde später wieder voll zu beschleunigen – schließlich will er den voraus fahrenden Wagen einholen. Mir ist schlecht. Auf der Rückbank rüttelt es mich hin und her, ohne dass ich sehen kann, warum. In jeder Kurve schneidet sich der Gurt in meinen Hals. Trotzdem vertraue ich dem Gurt nicht und halte mich mit schwitzenden Händen am Türgriff fest.

Es folgt eine lange, gerade Strecke. Zeit, um durchzuatmen. Doch die nächste Kurve kommt und ich werde wieder gegen die Tür gedrückt. Mir ist es noch schlechter, während die beiden Polizisten vorne miteinander reden, als würden sie beim Feierabendbier in einem Biergarten sitzen – ganz entspannt eben.

Und genau darum geht es laut Kuhnle in dem Training: „Die Beamten sollen Sicherheit bekommen, denn der Adrenalinspiegel steigt bei Verfolgungsfahrten von ganz alleine.“ Genauso wie das Training mit der Pistole gehöre auch das Training mit dem Streifenwagen zur Arbeit als Polizist¨– schließlich sei dieser vor allem für die Streifenpolizisten der Hauptarbeitsplatz.

Einsatztrainer Kuhnle erklärt, worauf es bei einer Verfolgungsfahrt ankommt. „Egal, wie schnell man ist, wenn der andere wirklich abhauen will, kommt man trotz rasanter Fahrten nicht wirklich näher an ihn ran.“ Es gehe also hauptsächlich darum, am dem Fliehenden dran zu bleiben und auf Verstärkung zu warten.

Meine beiden Kollegen auf Zeit sind sehr motiviert und haben den voraus fahrenden Wagen fast eingeholt. Die Verfolgungsfahrt ist zu Ende. Mit wackeligen Knien steige ich aus dem Fahrzeug. Und kriege den Zündschlüssel angeboten, um selbst einmal hinter dem Steuer eines Streifenwagens zu sitzen und auf nasser Fahrbahn eine Vollbremsung hinzulegen. Erst nach einigen Versuchen traue ich mich, das Bremspedal wirklich ganz durchzudrücken, schließlich haben ich ja noch die wiesen Worte der Polizisten im Ohr: „Auf einer ebenen Fläche ohne Hindernissen kann so ein Auto nie umfallen.“

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