760_0900_56394_.jpg
Kämpfen gemeinsam gegen Windkraft vor der eigenen Haustür (von links): Betroffener Konrad Saum, Naturschützer Harry Neumann, Christel Olivier und Heinz Hummel von der Bürgerinitiative „Gegenwind“-Straubenhardt sowie Ingenieur Detlef Ahlborn. Falk

Aktion Gegenwind nimmt wieder Fahrt auf

Es war in letzter Zeit etwas ruhiger geworden um die Straubenhardter Windkraftgegner. Mit einer großen Informationsveranstaltung in der Schwabentorhalle im Neuenbürger Ortsteil Dennach zeigte die Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind“ jedoch wieder, dass sie noch immer überzeugt gegen die elf im Straubenhardter Gemeindewald geplanten Windkraftanlagen kämpft.

„Das Thema Energiewende besteht nur aus Ideologien“, sagte BI-Vorsitzender Heinz Hummel. Und er beklagte: „Die Gemeinde Straubenhardt will sich auf die Schulter klopfen und stellt den Nachbarn die Windkraftanlagen vor die Haustür.“ Von den zahlreichen Zuhörern erntete Hummel viel Applaus.

Von den Straubenhardter Plänen sehen sich auch viele Dennacher betroffen. Hummel betonte den guten Zusammenhalt der Bürgerinitiative: „Wir sind der Schönschwätzerei der Politik immer sachlich begegnet.“ Jetzt war auch die zweite Offenlegungsphase der Windkraftpläne zu Ende gegangen. Die Bürgerinitiative habe erneut von ihrem Recht des Einspruchs Gebrauch gemacht und ein 46-seitiges Schreiben eingereicht, so Hummel.

Die drei geladenen Referenten in der Schwabentorhalle stützten die Ansicht der Windkraftgegner und sprachen die zwei wichtigsten Themen für die Initiative an: das Windaufkommen und den Naturschutz. Detlef Ahlborn ist zweiter Vorsitzender des Verbandes „Vernunftkraft“, ein Zusammenschluss aller Bürgerinitiativen gegen Windkraft in ganz Deutschland. Er kritisierte die von der Politik angestrebte Energiewende und die Regierung in Baden-Württemberg. „Es ist eine physikalische Unmöglichkeit, aus Braunkohle und Kernkraft gleichzeitig auszusteigen“, ist Ahlborn überzeugt.

Ein großes Problem sieht er in der „bisher ungelösten Frage der Stromspeicherung“. Für den Ingenieur ist die Energiewende „schon lange gescheitert“.

Harry Neumann, ehemaliger Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Rheinland-Pfalz (BUND), sprach die Gefährdung von Landschaft und Tieren an. Neumann ist heute Vorsitzender der „Naturschutz-Initiative“. Er mahnte, die Energiewende zu beenden: „Sonst wird aus Wertschöpfung eine Schöpfung ohne Wert.“

Durch Windräder besonders bedroht sind für Neumann der Rotmilan und die Fledermaus – deren Schutz sich auch die Straubenhardter BI seit Beginn auf die Fahne schreibt.

Mit Konrad Saum hatten die Kritiker um Heinz Hummel einen direkt Betroffenen nach Dennach eingeladen. Der Landwirt aus Sankt Peter im Hochschwarzwald hatte vor 16 Jahren den Bau von Windkraftanlagen auf seinem Grundstück erlaubt. Dafür habe er 50 000 Euro im Jahr erhalten. „Nach ein paar Jahren habe ich eingesehen, dass das der größte Quatsch war“, so Saum. Seit einiger Zeit bemerke er eine erhöhte Krankheits- und Sterberate bei den Tieren auf seinem Hof. Den Grund dafür sieht er im Infraschall, erzeugt von den Windrädern vor seiner Haustür. „Ich spreche inzwischen offen darüber, damit andere nicht den gleichen Fehler machen wie ich.“ Auch Saum selbst hat mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen – eine Angst, die auch viele Mitglieder der Straubenhardter Bürgerinitiative antreibt. „Das Thema Naturschutz darf auch emotional sein“, zeigte sich „Gegenwind“-Mitglied Christel Olivier überzeugt. Die Straubenhardter Windkraftgegner machten deutlich, dass sie noch lange nicht ans Aufgeben denken.