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Da war die Welt für Angela Merkels Griechenland-Beauftragten Hans Joachim Fuchtel (links) noch in Ordnung. Anfang September schüttelte er noch dem griechischen Innenminister Evripides Stylianidis die Hand. Jetzt hat der Altensteiger Fuchtel mit einer unbedachten Äußerung eine handgreifliche Demonstration verursacht. © dpa
15.11.2012

Altensteiger Staatssekretär Fuchtel verärgert Griechen

Hans-Joachim Fuchtel (CDU) aus Altensteig, seit 1987 für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt im Bundestag, hat für einen Eklat am Rande eines Treffens deutscher und griechischer Bürgermeister im nordgriechischen Thessaloniki gesorgt. Schubsereien und fliegende Kaffeebecher trafen am Donnerstag jedoch nicht ihn, sondern den deutschen Generalkonsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier. Der hatte nicht, so Spiegel online, wie Fuchtel jeglichen Kontakt mit den Demonstranten vermieden und auch keinen Seiteneingang genutzt.

Bildergalerie: Hans-Joachim Fuchtel (CDU) verursacht Tumulte in Griechenland

Fuchtel, nicht nur als Staatssekretär im Arbeitsministerium und Beauftragter der Bundeskanzlerin für Griechenland ein (politisches) Schwergewicht, hatte wohl etwas zu dick aufgetragen, als er am Mittwoch in Thessaloniki erklärte, dass 1000 deutsche Arbeitnehmer die Arbeit von 3000 Griechen leisten würden. Als er bemerkte, dass er mit diesem Produktivitätsvergleich etwas daneben lag, ruderte Fuchtel zurück.

„Das Zitat haben einige griechische Medien so ausgelegt: Die Griechen sind faul“, so Merkels Sonderbeauftragter zur PZ. Gemeint gewesen sei aber, dass die griechische Verwaltung durch ihre vielen Instanzen eher ineffizient arbeite. „Dass der griechische Verwaltungsapparat aufgebläht ist, sagt aber nicht nur der Fuchtel, das sagt auch die OSZE.“ Inzwischen sei das Missverständnis aber geklärt. Und die griechische Presse beschäftige sich vielmehr mit der Frage, ob sein griechischer Spitzname nun „Fuchtelos“ oder doch eher „Fuchtelakis“ heißen müsse.

Dass die Griechen am Donnerstag nicht schon wieder ruhig gestellt gewesen sind, hat der CDU-Politiker aus dem Nordschwarzwald wahrscheinlich geahnt. Eine öffentliche Begegnung hatte er vermieden und in den Konferenzraum gelangte er nur über einen Seiteneingang. Doch Demonstranten versuchten, die Konferenzhalle zu stürmen, was ihnen aber nicht gelang. Die griechische Polizei hielt jedoch erfolgreich dagegen.

Die Lage entspannte sich am Nachmittag, verletzt wurde nach Krankenhausangaben niemand. Das Treffen der Kommunalpolitiker konnte stattfinden. „Ach was! Ich habe keinen getroffen, der sich besorgt geäußert hätte. Die Stimmung ist ganz hervorragend“, so Fuchtel gestern Abend gegenüber der PZ.

«Jeder hat das Recht zu demonstrieren», erklärte Hans-Joachim Fuchtel (CDU), Griechenland-Beauftragter der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem griechischen Staatsradio zufolge. Der griechische Innenminister Evripidis Stylianidis verurteilte die Gewalt. «Gewalttaten [...] gefährden jede Bemühung, das Land wieder auf die Beine zu stellen», sagte er im Fernsehen. Hoelscher-Obermaier führte die Ausschreitungen auf Missverständnisse am Vortag zurück – und meinte damit die unbedachten Äußerungen von Fuchtel.

Kurz vor ultimo konnte sich Griechenland am Donnerstag bei Privatanlegern ausreichend kurzfristige Finanzmittel besorgen, um eine schnelle Staatspleite abzuwenden. Athen nahm mit vier- und 13-wöchigen Schuldtiteln rund 940 Millionen Euro auf. Am Dienstag hatte das Land bereits kurzlaufende Papiere für 4,06 Milliarden Euro am Markt unterbringen können. Damit galt die zum Wochenende fällige Tilgung von fünf Milliarden Euro Schulden als gesichert.

Griechenland benötigt das Geld dringend, da sich die Auszahlung der seit Juni ausstehenden Hilfstranche aus dem zweiten Rettungspaket weiter verzögert. Bis zum kommenden Dienstag will die Eurogruppe nach Angaben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble klären, wie die neue Milliardenlücke im griechischen Haushalt geschlossen werden soll. «Wir brauchen eine Lösung, die für Griechenland ein Stück weit hält», sagte Schäuble am Donnerstag in Berlin beim Führungstreffen Wirtschaft der «Süddeutschen Zeitung». Er warnte jedoch vor übertriebenen Erwartungen. dpa/tok

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