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Fast jährlich zu Gast im Kreisarchiv bei Konstantin Huber (links) ist John Diefenbach, der über seine Vorfahren und das Leben im deutschen Südwesten forscht. Foto: Privat
Fast jährlich zu Gast im Kreisarchiv bei Konstantin Huber (links) ist John Diefenbach, der über seine Vorfahren und das Leben im deutschen Südwesten forscht. Foto: Privat
19.07.2018

Amerikaner auf Spuren seiner Vorfahren in der Region

Enzkreis. Sein Name ist Diefenbach. John Diefenbach. Er lebt in den USA, doch seine Vorfahren stammen aus Illingen, Mönsheim und Friolzheim Gemeinsam mit seiner Frau Terry kam John in den vergangenen Jahren mehrfach zu uns“, erzählt Konstantin Huber, Leiter des Kreisarchivs: „Er ist nicht nur an seiner eigenen Familie interessiert, sondern forscht auch über Lebensumstände und wirtschaftliche Grundlagen in Württemberg in früheren Jahrhunderten.“

Diefenbach selbst sagt, er verstehe nun viel besser, warum Menschen auswanderten und welchen Einfluss die Emigration auf ihr Leben in Amerika hatte. Als Beispiel nennt er die Realteilung im deutschen Südwesten und sieht darin einen Grund für die Auswanderung seiner Vorfahren: „Mein Ur-Ur-Ur-Großvater besaß und bewirtschaftete in Mönsheim 79 einzelne Flurstücke mit einer Gesamtfläche von 13 Hektar. Als er in New York ankam, konnte er 101 Hektar auf zwei benachbarten Grundstücken kaufen.“ Diefenbachs direkte Vorfahren wanderten 1829 aus Ditzingen und Illingen aus. Sie kamen kurz nach der Fertigstellung des Erie-Kanals im Norden des Staates New York an, reisten auf dem Kanal nach Westen, und als die Eisenbahn nach 1850 neue Möglichkeiten eröffnete, zogen sie weiter nach Chicago. Ein Teil der Familie war bereits Anfang des 19. Jahrhunderts emigriert – das belegt ein Paket Briefe, das der Forscher im Mönsheimer Archiv fand: Die „Cousins“, wie Diefenbach sie nennt, waren mit Anwälten und Verwaltern in Deutschland in Kontakt geblieben und suchten ihren Teil des Erbes, das ihr Vater hinterlassen hatte. Die offenbar früheste Gruppe wanderte bereits 1751 nach Amerika aus.

John Diefenbach lobt besonders die Arbeit von Heike Sartorius, die das Archiv im Rathaus von Mönsheim inventarisierte und ihn auf für ihn relevante Dokumente aufmerksam gemacht habe. „Wir hatten das Glück, dass eines der großen Archive in Stuttgart uns 2012 nach Pforzheim schickte“, so Diefenbach. Seitdem sei er fast jedes Jahr in Deutschland und besucht das Archiv im Landratsamt.

„Ironischerweise hat meine Forschung in Deutschland mein Verständnis der amerikanischen Geschichte erheblich erweitert“, sagt Diefenbach – und das, obwohl er selbst kein Deutsch spricht. Er habe sich ganz auf die Archivmitarbeiter und die Deutschkenntnisse seiner Frau verlassen. Sie ist asiatischer Abstammung, lernte aber als Kind Deutsch von einem Nachbarn, eines Veteranen der deutschen Gesandtschaft in Tsingtau. Mit anderen Worten, so Diefenbach, helfe eine Asiatin ihm, dem Mann mit dem deutschen Namen und dem deutschen Aussehen, den Weg seiner deutschen Vorfahren zu verfolgen.