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Zu einem Ammoniak-Austritt ist es am Dienstag in Nöttingen gekommen.
Zu einem Ammoniak-Austritt ist es am Dienstag in Nöttingen gekommen. © Ketterl
13.07.2011

Ammoniak-Unfall: Feuerwehr bis nachts im Einsatz

Erschöpft und müde fielen in der Nacht auf Mittwoch, irgendwann gegen 4 Uhr, die letzten Feuerwehrleute ins Bett. Ein harter und ungewöhnlicher Einsatz im Nöttinger Industriegebiet lag hinter ihnen. Hart, weil sie in Schutzanzügen stundenlang in einer stillgelegten Fabrikhalle des austretenden Ammoniaks Herr werden mussten. Ungewöhnlich, weil ein Chemie-Unfall nicht gerade zum Alltagsgeschäft gehört.

Das Auslüften der Halle dauerte bis in die frühen Morgenstunden.Dass das giftige Gas überhaupt austreten konnte, hängt mit dem Zerlegen großer Maschinen zusammen, die aus der Fabrikhalle abtransportiert werden sollten. Dort wurden einst Tiefkühlprodukte verpackt. Einer der beiden Arbeiter der Demontagefirma hatte in dem Gebäude an der Tullastraße, offensichtlich ohne nähere Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, eine Druckgasleitung abgeschnitten, aus der dann Ammoniak strömte. Feuerwehren aus Remchingen, Pforzheim, Karlsruhe und Illingen wurden in Bewegung gesetzt, Schutzanzüge aus Niefern-Öschelbronn beschafft und ein Lüfter aus Karlsruhe geholt.

In der Halle wurde laut Feuerwehr 200-mal mehr Ammoniak gemessen, als der Wert, der an einem Arbeitsplatz erlaubt ist. „Menschen ohne Schutzanzug wären in wenigen Sekunden tot gewesen“, ist der Remchinger Feuerwehrkommandant Marc Unger überzeugt. Dennoch soll den Arbeitern der Demontage-Firma angeblich nichts passiert sein. Laut Polizei bestand keine Gefahr für die Bevölkerung. Unger: „Während der Versuche, das Leck in der Halle zu beheben, blieb das Gebäude gasdicht.“ Trotzdem habe man mit Lautsprecher-Durchsagen und Radio-Warnungen die Bevölkerung über mögliche Gefahren informiert. Für Unger war es eine Materialschlacht.

Kreisbrandmeister Christian Spielvogel betont: „Es ist nichts nach draußen gedrungen.“ Mit einem Wasserschleier sei das Ammoniak gebunden worden und aus der Halle rausgedrückt worden. Erst dann habe man gegen 19.30 Uhr die Bewohner und noch beschäftigten Arbeiter an der Lailingstraße und an der Straße „Beim Schleichgraben“ auffordern müssen, ihre Häuser zu verlassen. Die Evakuierung und Absperrmaßnahmen sind laut Polizei gegen 21.30 Uhr aufgehoben worden. Unterschiedliche Informationen gibt es von Feuerwehr und Polizei über die Beseitigung der giftigen Substanz. Einig sind sich beide Seiten, dass das Ammoniak mit einem Wasserschleier gebunden und nach unten gedrückt wurde. Die Polizei sagt, dass vor der Halle Sand ausgelegt, das Ammoniak damit aufgefangen und mit diesem Sand zusammen entsorgt wurde. Der Kreisbrandmeister versichert stattdessen: „Das salmiakhaltige Wasser wurde, nach Absprache mit dem Klärwärter, in die Kanalisation eingeleitet, weil der ph-Wert mit 8,0 dies zulässt.“

Augenzeugen berichteten der PZ, dass zunächst mehrere Fahrer von Feuerwehrautos gar nicht wussten, wo sie hin sollten. Zunächst hätten viele Einsatzkräfte keine Schutzausrüstung getragen. Interessierte seien zuerst nicht weggeschickt worden. Der Kritik widerspricht der Kreisbrandmeister. Stattdessen lobt Spielvogel: „Die Zusammenarbeit zwischen der Berufsfeuerwehr Pforzheim und der Freiwilligen Feuerwehr Remchingen war sehr gut.“ tok/kn

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