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Angela und Frank Seiler aus Straubenhardt lieben das Reiseland Nepal, appellieren im PZ-Forum aber auch für einen achtsamen Umgang der Besucher mit Menschen und Natur am Himalaya. Das Ärztepaar engagiert sich mit medizinischen und sozialen Hilfsprojekten in dem bitterarmen Land. Foto: Moritz
Angela und Frank Seiler aus Straubenhardt lieben das Reiseland Nepal, appellieren im PZ-Forum aber auch für einen achtsamen Umgang der Besucher mit Menschen und Natur am Himalaya. Das Ärztepaar engagiert sich mit medizinischen und sozialen Hilfsprojekten in dem bitterarmen Land. Foto: Moritz
09.06.2019

Angela und Frank Seiler im PZ-Forum über Reisen ans Dach der Welt

Straubenhardt/Pforzheim. Die Bilder des beschwerlichen Aufstiegs aus der Hitze der subtropischen Flusstäler Nepals hinauf zum Larke Pass auf 5100 Meter nahe den mächtigen Eisgipfeln des Manaslu-Massivs sind eindrucksvoll. In diesen hohen Himalaya-Regionen treffen die Straubenhardter Angela und Frank Seiler mit ihren nepalesischen Begleitern Ishna und Nanda nur wenigen Touristen.

An die Kontrastbilder, die zuletzt von der tödlichen Warteschlange auf dem Gipfelgrat des Mount Everest um die Welt gingen, erinnerte im PZ-Forum der bald 95-jährige Ekkehard Stoltze: „Diese Karawane auf den höchsten Berg der Erde – das ist furchtbar.“ Es ist dieser Zwiespalt, den Angela und Frank Seiler sowohl in ihrem Vortrag als auch im Film ihrer Umrundung des Manaslu, des weltweit achthöchsten Gipfels, immer thematisieren. Die beiden Ärzte, die sich mit ihrem Verein seit Jahren auch mit medizinischen und sozialen Hilfsprojekten in dem bettelarmen Himalaya-Staat engagieren, lieben selbst das Wandern in einer Region voller landschaftlicher Extreme – aber sie registrieren auch sensibel, wie die Reisenden das Land verändern. Und die Menschen gleich mit. Es gebe Trekking-Touristen, die für gute Bilder Kinder beispielsweise mit westlichen Geschenken anlocken. „Dann sieht man die Kleinen, wie sie Süßigkeiten mitsamt dem Papier essen oder versuchen, sie wie Nüsse aufzuknacken“, erzählen die Seilers.

Die Straubenhardter plädieren für eine Art Verhaltenskodex für Reisende. Er sollte sich an dem orientieren, was man am Dach der Welt fürs eigene Leben lernen könne: „Achtsamkeit für Natur und Menschen“, wie es in ihrem Film „Begegnungen am Manaslu“ heißt. Man wachse persönlich am meisten, wenn man sich auf das langsame Tempo des Wanderns einlasse, auf die sehr körperliche Erfahrung der Natur und auf die alltäglichen Begegnungen mit den Bewohnern der Bergregionen auf Augenhöhe. „Nepals Menschen sind kein lebendes Idyll“, heißt es im Film. Keine malerischen Bildmotive. Auf der anderen Seite sei das arme Nepal stark auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen, sagt Angela Seiler. Wichtig wäre den Straubenhardtern, dass von diesem Geld mehr in den Bergregionen selbst ankommt. Eine Art Kurtaxe könne helfen, sagen sie. Doch es gebe keine ganz einfachen Lösungen.

Im PZ-Forum sind Bilder zu sehen, wie sie sich das achtsame Reisen vorstellen. Sie lassen sich auf die Menschen ein, denen sie begegnen. Einer Frau zum Beispiel, die ihnen Unterkunft bietet und die ihre kleine Herberge samt einer Landwirtschaft mit einfachsten Mitteln ganz alleine am Laufen hält. Der Ehemann habe sie sitzen lassen. Und doch schaffe sie es, ihren drei Kindern Schulbildung im fernen Kathmandu zu ermöglichen. Eine Ausnahme. Eine frische Handverletzung bringt die Frau in Nöte. Glück für sie, dass zwei Ärzte zu Gast sind.

Medizinische Hilfe war der Ausgangspunkt für den Verein Nepalhilfe Straubenhardt. Die Seilers setzten bewusst an den Strukturen der Gesundheitsversorgung in den Himalaya-Regionen an. Auch das jüngste Projekt, ein Kinderheim, das Mädchen Bildung ermöglichen soll, wird mit einem nepalesischen Partnerverein umgesetzt.

Das Bild von Nepal, das da im PZ-Forum vermittelt wird, sei sehr realistisch, sagt eine Besucherin, die das wissen muss. Anita Thapa ist Nepalesin, hat in Kathmandu ein Wirtschaftsstudium absolviert und lebt seit drei Jahren in Kieselbronn.