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Sorgenkind: Die oft überlastete Kreuzung von Regelbaumstraße und L 562 wird nun doch nicht dieses Jahr in einen Doppelkreisel umgebaut. Weil die Verkehrsflut bald durch die neue Westtangente wachsen wird, will der Enzkreis keine neue Großbaustelle aufmachen. Stattdessen steckt man 420.000 Euro in provisorische Linksabbiegespuren und in Ampeln. Erfahrung sammelte man damit 2017 während der B10-Sperrung (im Bild). Baustellenampeln sollten damals das Umleitungschaos lindern. Foto: Pick, Archiv

Angst vor dem Verkehrschaos: Westtangente bremst Kreiselpläne bei Keltern und Birkenfeld aus

Birkenfeld/Keltern/Enzkreis. Die Kreuzung, an der sich die Regelbaumstraße zwischen Birkenfeld und Ersinger Kreuz und die Landesstraße zwischen Keltern und Pforzheim treffen, ist ein Sorgenkind und Unfallschwerpunkt. Auf der Regelbaumstraße sind an Werktagen durchschnittlich rund 13.000 Fahrzeuge täglich unterwegs, noch mal 10.400 sind es auf der Landesstraße.

Zu Stoßzeiten ist das heute oft schon zu viel für die Kreuzung mit ihren schwierigen Linksabbiegerströmen. Ein Doppelkreisel sollte ab diesem Jahr an ihre Stelle kommen und die Staufalle beseitigen. Doch diese Pläne liegen für voraussichtlich fünf Jahre auf Eis. Der Enzkreis will das Chaos nicht durch eine Baustelle verschärfen, wenn die Öffnung des ersten Abschnitts der Pforzheimer Westtangente ab April noch viel mehr Autos zu der Kreuzung führt.

Bei manchen Kreisräten im Umwelt- und Verkehrsausschuss löste das Aussetzen der Kreiselpläne sorgenvolles Kopfschütteln aus. Und die vorgesehene Zwischenlösung mit provisorischen Linksabbiegerspuren und Ampeln macht etwa Reiner Herrmann (Freie Wähler) Bauchschmerzen. „Geht das nicht ohne Ampeln?“, fragte er und fürchtet lange Rückstaus nicht nur in Richtung Birkenfeld.

Sorgen-Kreuzung nahe der Westtangente

Richtig sauer reagierte der Grüne Joachim Wildenmann. Er habe schon früh Verkehrsprognosen mit Blick auf die Westtangente eingefordert. Wolfgang Herz, der Erste Landesbeamte des Enzkreises, hatte zwar darauf verwiesen, dass das Regierungspräsidium erst spät die Hochrechnungen vorgelegt habe: Demnach kommen auf die Sorgen-Kreuzung im Nachmittagsberufsverkehr bis zu 1300 Autos mehr zu – pro Stunde. Im Morgenverkehr wären es in der Spitze stündlich immerhin 750 Autos mehr. Doch auch ohne diese genauen Werte hätte man mit einer starken Zunahme rechnen müssen, schimpfte Wildenmann. Dass man jetzt eine Notlösung brauche, sei eine „Verschwendung von Steuergeld“. Rund 420.000 Euro soll das Provisorium nämlich kosten. Die Hälfte davon würde laut Kreisverwaltung das Land tragen.

Herz hatte für die Verwaltung für die Lösung geworben. Sie sei wegen des starken, erwarteten Verkehrs nötig. Aber: Wenn die Westtangente im nächsten Abschnitt weiter bis ins Enztal gebaut werde, würde das die Kreuzung entlasten. Derzeit stehen vier bis fünf Jahre Bauzeit für die Strecke im Raum, die einen Tunnel durch den Arlinger nötig macht. Danach könnten die ersehnten Kreisel kommen.

Das überzeugte schließlich die große Mehrheit. Nur zwei weitere Räte stimmten wie Wildenmann mit Nein. Hans Vester (SPD) hatte schon in der Debatte wohl für viele gesprochen, als er wegen der Aussicht auf die mittelfristige Besserung Zustimmung zu der Zwischenlösung signalisierte. Allerdings machte er klar, dass eine harte Zeit auf Verkehrsteilnehmer zukommt, die den Weg über diesen Verkehrsknoten nehmen müssen. Deshalb komme man ja an Ampeln nicht vorbei, sagte Herz.