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Trinken im Weinkeller des Weinguts Häußermann in Diefenbach auf die hohe Qualität ihrer 2015er Weine: Frank Jaggy vom gleichnamigen Weingut aus Ötisheim, Christoph Gutjahr, Vorsitzender der Weingenossenschaft Diefenbach und Christian Häußermann (von rechts). Schrader
Trinken im Weinkeller des Weinguts Häußermann in Diefenbach auf die hohe Qualität ihrer 2015er Weine: Frank Jaggy vom gleichnamigen Weingut aus Ötisheim, Christoph Gutjahr, Vorsitzender der Weingenossenschaft Diefenbach und Christian Häußermann (von rechts). Schrader
28.03.2016

Anstoßen auf tolle Aromen: Experten bescheinigen Weine hervorragende Qualität

Echte Schätze im Keller: So lautete die Einschätzung vieler Winzer im Enzkreis schon, als sie das Lesgut gerade geerntet und verarbeitet hatten. Ihre Vorfreude findet jetzt ein Echo bei den Experten des Deutschen Weininstituts (DWI).

„Herausragend gut“, seien die heimischen Weine des Jahrgangs 2015, urteilte jetzt der DWI-Sprecher Ernst Büscher im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Und die Vorfreude ist auch bei Expertinnen wie der Sommelière Natalie Lumpp groß, die erst in den nächsten Wochen bei den Weingütern den Jahrgang verkostet. Klar sei aber jetzt schon, dass der Sommer 2015 mit beständiger Hitze letztlich ideal gewesen sei. „Und unsere Winzer beweisen mittlerweile, dass sie mit heißen, trockenen Bedingungen gut umgehen können“, so Natalie Lumpp.

Tatsächlich hatte in den Weinbergen vieles zusammengepasst. Schädlinge wie die Kirschessigfliege waren in Schach gehalten worden und die Temperaturen sorgten für viel Süße in den Trauben. Das Resultat seien „tolle Mostgewichte und schöne Aromen“, resümiert Christian Häußermann vom gleichnamigen Weingut in Diefenbach. Dennoch hätte es generell mehr Niederschlag sein können, findet Christoph Gutjahr, Vorsitzender der Weingenossenschaft Diefenbach. Häußermann und Winzerkollege Frank Jaggy aus Ötisheim pflichten ihm bei. „Diejenigen, die während der Hitzewelle professionell bewässern konnten, haben deutlich mehr Ertrag.“ Mehr Regen hätte es zwar sein dürfen, sagt auch ein Winzer aus dem westlichen Enzkreis wie Jens Rüdiger. Aber der Sommer 2015 habe auch in Keltern Trauben beschert, „die wie gemalt waren.“ Und das spiegele sich auch in Qualität wider.

Tiefe und Charakter

Was Weinexpertin Lumpp erwartet, ist auf keinen Fall ein Wald-und-Wiesen-Konsumwein, wie er in Deutschland allzuoft dominiere. Weil die Kunden ihn gerne leicht und unkompliziert mögen. Von den 2015er Weinen erhofft sich die Sommelière dagegen Tiefe und Charakter. Einen Wein, der auch bei einem guten Essen geschmacklich besteht. Und so sieht für Natalie Lumpp die beste Art, Wein zu trinken, auch aus: in Gesellschaft, beispielsweise im Restaurant – jedenfalls am Esstisch. Die Realität sei in Deutschland aber zu gut 80 Prozent, dass Wein zu Hause im stillen Kämmerlein getrunken werde. Auf der Fernsehcouch etwa. Schade um die guten Tropfen, findet sie.

Den Trend zu leichten und fruchtigen Weinen kann Christian Häußermann in Teilen nachvollziehen. Ganz anders als während seiner Studienzeit, in der wie er erzählt schwere und hochprozentige Rotweine ein Hoch hatten, greift er am Abend inzwischen auch lieber zu leichteren Rebensäften. Ein Glas Rotwein mit 14 Prozent Umdrehungen könne er zwar noch wunderbar genießen, sagt er. Doch dann sei oft Schluss. „Schwere Weine können einem schneller widerstehen“, meint auch Frank Jaggy. Gerade wenn es nicht nur bei einem Gläschen bleiben soll, greifen Kunden gerne zu leichteren Exemplaren.

Besonders trockene Weine aus 2015 versuchen die Winzer daher, in ihrer Kraft etwas auszugleichen. Doch ob nun schwer oder leicht – sofern die Qualität stimmt, können sich die drei Winzer auf beinahe jeden Trend einstellen. Und die jüngeren Kunden, die oft auf gesüßte Konsumweine abfahren, könne man mit einem fruchtigen Weißwein aus der Region sicher ganz schnell überzeugen, meint Gutjahr augenzwinkernd.