nach oben
Für Harry Wörz läuft es im nunmehr dritten Strafverfahren gut, die Zeichen im Landgericht Mannheim stehen auf Freispruch.
Für Harry Wörz läuft es im nunmehr dritten Strafverfahren gut, die Zeichen im Landgericht Mannheim stehen auf Freispruch. © Ketterl
13.08.2009

Anwalt will möglichen Wörz-Freispruch anfechten

BIRKENFELD/MANNHEIM. Der Wörz-Prozess geht erst nach den Sommerferien weiter, doch die Weichen sind offensichtlich schon gestellt: Das Landgericht Mannheim steuert im dritten Strafverfahren gegen den Bauzeichner aus Gräfenhausen auf einen Freispruch hin. 2005 hatten Mannheimer Richter den heute 43-jährigen Angeklagten bereits freigesprochen – es gebe keine Beweise, dass er 1997 versucht habe, seine frühere Frau zu töten. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob dieses Urteil 2006 jedoch auf und ordnete ein erneutes Verfahren in Mannheim an.

Hohes Tempo durchgehalten

Seit dem Auftakt Ende April hat die Mannheimer Strafkammer unter ihrem Vorsitzenden Richter Rolf Glenz ein strammes Programm bewältigt. In den vergangenen drei Monaten befragten Glenz und Richterin Petra Beck an 22 Verhandlungstagen 80 Zeugen. Zum Vergleich: Das Karlsruher Gericht, das beim ersten Prozess den Bauzeichner 1998 zu elf Jahren Gefängnis verurteilte, war nach einer Woche fertig.

Von Tag zu Tag wurden im Mannheimer Gerichtssaal die Signale deutlicher, dass Glenz und Beck Harry Wörz glauben. Der Gräfenhausener sagt seit zwölf Jahren, er sei unschuldig. Die Ermittler hätten sich zu früh auf den Ex-Mann des Opfers, der damals 26-jährigen Polizistin Andrea Z., festgelegt, das ließen Glenz und Beck immer wieder unverblümt durchblicken – und die beiden Richter führten denn auch mehrere Kripobeamte regelrecht vor.

Der Pforzheimer Rechtsanwalt Michael Schilpp, der die Familie des Opfers vertritt und Wörz für schuldig hält, rechnet damit, dass die Kammer einen Freispruch verkünden wird. Ihn stört es, dass die Richter „das Gleiche machten, das sie der Polizei vorwarfen“, so Schilpp, „das Gericht legte sich frühzeitig fest.“ Für die Familie des Opfers sei das „ein Albtraum“, so Schilpp: „Zwölf Jahre nach der Tat gibt es noch immer kein rechtskräftiges Urteil.“

Das sehen Wörz und seine Freunde anders. Endlich nehme ein Gericht die Ermittlungen genau unter die Lupe, man gewinne wieder Vertrauen in die Justiz, schrieb eine Freundin von Wörz in seinem Internetforum.

Wie lange sich die Prozessspirale noch drehen wird, ist offen. Sollte das Landgericht Mannheim Harry Wörz freisprechen, werde er dieses Urteil „nicht akzeptieren und erneut beim Bundesgerichtshof anfechten“, kündigte Schilpp bereits an. Die Mannheimer Richter streben freilich ein wasserdichtes Urteil an, so genau und kritisch haben sie bisher alles geprüft.