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09.07.2017

Anwohner schreiben offenen Brief zu Plänen der Gemeinde Straubenhardt

Zukünftige Nachbarn in Sorge. In Conweiler könnten vier Gebäude für sozialen Wohnungsbau entstehen.

Straubenhardt-Conweiler. Offen und transparent wollte Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg mit den Plänen für einen sozialen Wohnungsbau in der Gemeinde umgehen. Deshalb holte er noch vor der öffentlichen Bekanntgabe die fünf Familien aus dem Wagenweg, die als direkte Nachbarn zur Max-Planck-Straße in Conweiler – einem möglichen Standort – betroffen wären, ins Boot und weihte sie mit dem Investor, der Leonberger Stiftung „Hoffnungsträger“, in die Überlegungen ein: Entstehen könnten vier sogenannte „Hoffnungshäuser“ für 80 bis 90 Personen. Darin würden sowohl Asylsuchende mit Bleiberecht eine Anschlussunterbringung, als auch sozialschwache Menschen einen Platz finden (PZ berichtete).

„Wir sind noch ganz am Anfang des Prozesses“, sagte Helge Viehweg damals auf PZ-Nachfrage, entschieden sei noch nichts. Für Karin Serr-Büttner und ihre Nachbarn aus dem Wagenweg ist dieser Eindruck aber entstanden. „Das war eine heftige Veranstaltung für uns alle“, erinnert sie sich an die Bekanntgabe: „Wir waren völlig unvorbereitet.“ Als die Familie damals das Grundstück gekauft hätte, sei sie nebenan von Gewerbetreibenden, die nicht viel Lärm verursachten, ausgegangen.

Serr-Büttner und die Anderen sind überzeugt: Integration kann am Ortsrand nicht gelingen. Vor der Unterbringung der Flüchtlinge wolle man sich nicht verschließen, aber die Art, wie es in der Max-Planck-Straße verwirklicht werden könnte, kritisieren sie: „Uns wurde nicht beantwortet, wie groß der Bedarf an Anschlussunterbringungen überhaupt ist.“

Das könne man zum jetzigen Zeitpunkt eben auch noch gar nicht sagen, stellt Rathauschef Viehweg klar. Ginge man von einer Quote von 1,5 Prozent der Straubenhardter aus, müsste die Gemeinde Platz für rund 150 Menschen schaffen: „Die Flüchtlingsbewegung hört aber nicht einfach auf, zudem müssen wir den Familiennachzug berücksichtigen.“

Beidseitiges Unverständnis

Serr-Büttner und die Anderen fürchten eine „Ghettobildung“ in ihrem Wohngebiet. „Unbegründet“, sagt Viehweg: „Wir sind da, wo das Leben spielt“, Integration sei an dem Standort gut möglich. Die Angst der Anwohner beruht auch auf dem Gerücht, in den „Hoffnungshäusern“ sollten 150 Menschen einen Platz finden. „Davon war nie die Rede“, stellt der Rathauschef klar: Unterkommen sollen 80 bis 90 Personen.

In ihrem offenen Brief an den Gemeinderat nennen die fünf Familien Alternativen, etwa das Feuerwehrhaus in Conweiler, das wegen der Zentralisierung aller Abteilungen bald leerstehen würde. „Das passiert 2019, wir brauchen aber jetzt Lösungen“, sagt Viehweg. Man suche händeringend nach Räumen: „Wir kaufen aber auch nicht alles“, stellt er klar.

Im Gemeinderat steht demnächst die Beratung des Projekts auf der Tagesordnung. Ist das Gremium dafür, würde die Änderung des Bebauungsplans folgen. Und die sei ein langwieriger Prozess, bei dem wiederum die Bürger ihre Einwände einbringen könnten: „Wir machen das nicht Hoppla-Hopp, das ist keine reine Formsache“, so Viehweg.

Enttäuschter Bürgermeister

Die Anwohner im Wagenweg spielen mit dem Gedanken, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Bis zur Diskussion der Pläne im Gemeinderat wollen sie ihre Bedenken weiter verbreiten.

Rathauschef Viehweg ist enttäuscht: Trotz der Transparenz machten die Anwohner nun die Pferde scheu – grundlos, in seinen Augen. „Als ich den offenen Brief gelesen habe, konnte ich nur den Kopf schütteln“, sagt Viehweg: „Ich habe die Unruhe kommen sehen, dabei sind das alles bisher nur Überlegungen – nicht mehr, nicht weniger.“