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Unweit vom Waldweg zwischen Grunbach und Langenbrand liegt auf halber Strecke an der Abzweigung nach Engelsbrand am Sauerfeld ein forstwirtschaftlich besonders interessantes Randstreifenareal. Foto: Marx
Unweit vom Waldweg zwischen Grunbach und Langenbrand liegt auf halber Strecke an der Abzweigung nach Engelsbrand am Sauerfeld ein forstwirtschaftlich besonders interessantes Randstreifenareal. Foto: Marx
Am Parkplatz „7 Eichen“ am Ortsrand von Grunbach: Enzkreis-Forstamtschef Frieder Kurtz (links) und sein Stellvertreter Andreas Roth bei der Lagebesprechung. Foto: Marx
Am Parkplatz „7 Eichen“ am Ortsrand von Grunbach: Enzkreis-Forstamtschef Frieder Kurtz (links) und sein Stellvertreter Andreas Roth bei der Lagebesprechung. Foto: Marx
04.01.2017

Arbeit von Forstleuten wird von Waldbesuchern kritisch hinterfragt

Enzkreis. Die beiden Damen sind aufgebracht: Den Wald hier kenne man schon seit Jahrzehnten, aber in einem so schlimmen Zustand habe man den Forst noch nicht erlebt. Was die beiden Frauen, die ihre Hunde ausführen, an diesem trüben Wintermorgen im Distrikt Überrück bei Grunbach unweit des Parkplatzes „7 Eichen“ so erregt, sind gleich mehrere Dinge.

Die Rücke-gassen, also die Wege, auf denen das gefällte Holz auf die Hauptwege geschleppt wird, glichen fast schon ausgebauten Straßen, meinen sie: Alles sei voll mit Schotter, wird kritisiert. Und überhaupt: Man solle sich mal an anderer Stelle umsehen, wo man auf einem Areal praktisch alle Bäume gefällt habe, aber ausgerechnet die krummen, unansehnlichen Stämme habe stehen lassen. Dort sehe es aus wie Kraut und Rüben, schlichtweg eine Katastrophe, befinden die genervten Waldspaziergängerinnen, deren Hunde an den beiden Förstern aufgeregt hochspringen und die Kommunikation erschweren.

An diesem Tag haben die beiden Damen, ohne es zu wissen, zufälligerweise genau die Richtigen getroffen: die Führung des Enzkreis-Forstamts mit Leiter Frieder Kurtz und seinem Stellvertreter Andreas Roth, die mit der „Pforzheimer Zeitung“ auf einer Tagesexkursion unterwegs sind, um ausgewählte Projekte unter die Lupe zu nehmen. Den beiden Forstexperten ist die persönliche Ansprache durch kritische Bürger nicht neu. Es sei heutzutage völlig normal, dass man als Forstvertreter in Uniform eine Standpauke gehalten bekomme, so der Forstamtsleiter. In der Tat reagieren Kurtz und Roth ruhig auf die Vorwürfe und wollen erklären: Nur die Einmündungsbereiche der Rückegassen seien geschottert worden, um den Untergrund vor dem schweren Gerät zu schützen. Das diene dem Schutz der Natur. Und in zwei Jahren sei das Material kaum noch zu sehen, weil es überwachsen sein werde. Doch die Erläuterung scheint die Frauen nicht so recht zu überzeugen.

Immerhin: Die Sache mit dem nahezu abgeholzten Areal und den verbliebenen, schiefen Bäumen muss man sich tatsächlich angesehen haben, um zu verstehen, was sich die Förster mit ihrem Zukunftsblick für die Entwicklung des Forsts für die nächsten 100 Jahre bei ihrer Arbeit gedacht haben. Beim Gewann Sauerfeld ist die Optik zunächst gewöhnungsbedürftig. Ein Streifen zwischen Nadelwald und landwirtschaftlich genutzter Fläche wurde im Wesentlichen abgeholzt. Und einige größere Stämme wurden stehen gelassen, wobei in der Tat krumme Exemplare unter ihnen sind. Ein vormaliger Privatwaldbesitzer, so die Erklärung von Kurtz, habe dort vor vielen Jahrzehnten mit einer Aufforstung auf saurem Boden begonnen. Doch die dortigen Fichten, die praktisch nur noch dem Borkenkäfer zum Fraß dienten und zum Teil Rotfäule aufwiesen, hätten beseitigt werden müssen. Der Staat habe somit Verantwortung übernommen und das im Niedergang befindliche Areal grundlegend bearbeitet. Stehengelassen habe man im Sinne des Totholzkonzepts dagegen einige verbliebene, kräftige Stämme, etwa von Lärchen. Die vielen Holzstöcke auf dem ökologisch bedeutsamen Streifen wiesen darauf hin, dass man dort nun jede Menge seltene Baumarten und Sträucher gepflanzt habe. Zusammen mit einer Aufwertung der alten Brunnenstelle werde dieser Randstreifen eines Tages ein markantes Übergangsgebiet zwischen landwirtschaftlicher Fläche und Nadelwald darstellen und somit zu einem ökologisch wichtigen Traufgebiet avancieren.

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