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03.12.2015

Arnbach: Holzstaub-Explosion verhindert

Neuenbürg-Arnbach. „Das war eine Operation am offenen Herzen. Da mussten wir sehr sachte rangehen“, sagt Manfred Wankmüller, Kommandant der Feuerwehr Neuenbürg. Der Patient war eine Schreinerei an der Klingstraße im Neuenbürger Stadtteil Arnbach, das Herz war ein Bunker für Holzspäne und Staub, die an den Holzbearbeitungsmaschinen entstehen und über eine Absauganlage in den Betonraum unter der Produktionshalle geblasen werden. Ein Schwelbrand in diesem Spänesilo drohte zu einer gefährlichen Holzstaubexplosion zu führen. Die Operation am Donnerstag dauerte von der Alarmierung um 2.51 Uhr bis zum vergleichsweise glücklichen Ende um 11.45 Uhr.

Bildergalerie: Brand in einer Schreinerei in Arnbach

Mit fünf Fahrzeugen und 36 Mann waren die Feuerwehren aus Neuenbürg, Arnbach und Waldrennach zur Schreinerei geeilt. Dort sahen sie dichten Rauch in den Betriebsräumen und im Dachgeschoss des Wohngebäudes. „Wir hatten Null Sicht“, sagt Wankmüller. Da kein offensichtliches Feuer, kein Brandherd auf den ersten Blick zu erkennen war, mussten mehrere Erkundungstrupps der großen Hitze und der mangelnden Ortskenntnis wegen vorsichtig auf Händen und Knien durch den dichten Qualm ins Gebäudeinnere kriechen, um den Brandort zu lokalisieren. Eine mit der Wärmebildkamera entdeckte und extrem heiße Tür gab den ersten Hinweis: Im Spänebunker muss das Unglück seinen Anfang genommen haben.

Und dann hieß es: Ruhe bewahren. Wie Wankmüller gegenüber PZ-news erklärte, dürfe man eine so große Menge Holzspäne nebst entsprechendem Holzstaub nicht einfach ablöschen. Der dabei aufgewirbelte Staub könnte sich bei den hohen Temperaturen schlagartig entzünden - und die Explosion hätte sich mit Druckwelle und Feuerwalze im Nu im ganzen Gebäude ausbreiten können. Allein schon ein schnelles Öffnen der Türe zum Spänesilo hätte durch den Luftzug und die plötzliche Sauerstoffzugabe zu einer Holzstaubexplosion führen können. So musste die zuvor durch Wasser gekühlte Tür behutsam geöffnet werden, zuerst nur einen schmalen Spalt weit, dann langsam Zentimeter für Zentimeter. Ein schweißtreibender Job in heißer, dunkler Umgebung – für den Feuerwehrmann, der mit Fingerspitzengefühl und einer gewissen Portion Kaltblütigkeit die Türe öffnen muss, und für den sichernden Kollegen hinter ihm, der im Notfall mit dem mitgenommenen Wasserschlauch den Rückweg freilöschen muss.

„Das war saubere Arbeit“, lobte Kommandant Wankmüller. Auch beim nächsten Schritt hieß es noch nicht „Wasser marsch“. Wasser hätte nur die Oberfläche des Span-Staub-Gemisches gelöscht und dabei alles zu einer dicken Schicht verbacken, unter der es munter weiter geglimmt und gequalmt hätte. So setzten die mit Atemschutz arbeitenden Feuerwehrmänner nur Kohlendioxid ein, um die offensichtlichen Glutnester zu löschen. Doch so lange die Holzrestemasse in dem Bunker lagerte, bestand zu jeder Zeit die Gefahr eines erneuten Aufflammens. Deshalb hatte Wankmüller in der Zwischenzeit den Kommandant der Straubenhardter Feuerwehr, Martin Irion, angerufen, um einen Ort zu finden, an dem man den Inhalt des Schreinerei-Silos auslagern könnte. Irion gelang es zur besten Schlafenszeit, das Straubenhardter Fernheizwerk zur Annahme der Späne zu bewegen. Gleichzeitig telefonierte sich der Disponent in der Integrierten Leitstelle in Pforzheim die Finger wund, um ein Unternehmen zu finden, dass diese große Menge an Spänen und Staub absaugen und fortfahren konnte. So rückte am frühen Morgen ein schweres Spezialfahrzeug aus dem südpfälzischen Jockgrim an, um die 30 Kubikmeter Problemmasse aus dem heißen Bunker abzusaugen und nach Straubenhardt zu fahren, wo sie im Fernheizwerk verbrannt werden.

Nachdem die Schreinerei durchlüftet war, konnten die Schäden besichtigt werden. Weil der Seniorchef nachts zufällig aufstehen musste und den Brandgeruch bemerkte, konnte der Schwelbrand vergleichsweise rasch eingedämmt und der Sachschaden begrenzt werden. Die Heizungsanlage dürfte etwas abbekommen haben, vielleicht auch die Absauganlage, aber größere Maschinenschäden soll es keine gegeben haben. Einzig die Kaffeemaschine der Seniorchefin könnte heißgelaufen sein, denn sie versorgte die teilweise bis 11.45 Uhr eingesetzten Retter mit Kaffee, Tee und belegten Brötchen. Für die meisten Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren begann danach dann noch der ganz normale Alltag an ihren Arbeitsplätzen.

In der Brandnacht vor Ort war auch das Deutsche Rote Kreuz mit einem Rettungswagen und den ehrenamtlichen „Helfern vor Ort“ des DRK-Ortsvereins Neuenbürg. Verletzt wurde zum Glück niemand. Jetzt liegt es an den Brandspezialisten der Polizei, die Brandursache zu klären.

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