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Wolfgang Herz (links) und Michael Schmidt.
Wolfgang Herz (links) und Michael Schmidt. © Ketterl
11.11.2015

Asyl: Wie lebt Göbrichen mit der Zelt-Unterkunft?

Das winterfeste Zelt, in das 80 Asylbewerber einziehen sollen, steht schon auf einem Teil des Parkplatzes unterhalb der Büchighalle. Rund 200 Meter weiter oben, auf dem hell erleuchteten Sportplatz oberhalb der Halle, trainieren an diesem Dienstagabend die Kinder der F-Jugend des FV 08 Göbrichen.

Die Situation, an der vorbei die Besucher zur Bürgerversammlung strömen, zeigt das Spannungsfeld, in dem hinterher zweieinhalb Stunden lang darüber diskutiert wird, wie die Flüchtlinge dort notfallmäßig untergebracht werden und was das für den Ort bedeutet.

Rund 160 Stühle sind anfangs aufgestellt, zügig werden weitere hereingetragen. Denn am Ende sind über 400 Bürger da, die meisten aus dem 2200-Einwohner-Teilort Neulingens selbst. Sie sitzen auch auf Schwebebänken oder auf dem Boden entlang der Hallenwände, stehen rechts und links des Eingangs. Das große Interesse überrasche ihn nicht, meint Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt, aber es freue ihn, damit so viele Bürger wie möglich aus erster Hand Informationen über die Notunterkunft mit nach Hause nehmen könnten.

Die Göbricher diskutieren sehr sachlich und intensiv mit Schmidt und mit Landratstellvertreter Wolfgang Herz. Wo deutlicher Ärger anklingt, entzündet der sich vor allem daran, dass die Menschen von den Unterkunftsplänen praktisch überfahren wurden. Herz und Schmidt legen zwar dar, dass das derzeit für den Enzkreis und die Gemeinden selbst nicht anders sei – doch glücklich macht das die Bürger nicht. Dennoch richten viele Fragesteller das Augenmerk schon sehr detailliert auf die Frage, wie der Umgang mit den Flüchtlingen im Alltag sein werde. Dass ein Neulinger Festplatz als Zeltstandort betroffen sei, solle nicht das Aus für Feste bedeuten, so Bürgermeister Schmidt. Die Fußballer und andere Vereine sollten mit möglichst wenigen Einschränkungen weiter aktiv sein. Das sei der Vorteil der Zeltlösung gegenüber der Belegung von Hallen wie zuletzt in Gräfenhausen oder Niefern, so Herz. Auch der Spielplatz neben dem Zelt soll ein Spielplatz auch für die Göbricher Kinder bleiben.

Dass Neuankömmlinge sich an die örtlichen Regeln halten müssten, wie ein Bürger fordert, unterstreicht Schmidt. Darauf werde genau geachtet. Anders als in der Bauschlotter Dreschhalle, wo seit Monaten 80 Flüchtlinge leben, sei in Göbrichen zudem von Anfang an ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr vorgesehen. Eine Anwohnerin drängt darauf, dass die Security etwa bei Lärmbeschwerden erreichbar sein müsse.

Nicht allen Bürgern genügen die Antworten. Herz und Schmidt ärgern sich selbst über politische Rahmenbedingungen, die manche Aussagen unsicher machen. Zum Beispiel darüber, wie lange die Notunterkunft gebraucht wird und welche Menschen genau einziehen. Schmidt betont, er gehe davon aus, dass das Zelt an der Büchighalle nicht zwei Jahre stehen bleibe. Möglichst schnell müsse man an besseren Lösungen arbeiten. Herz betont, der Enzkreis sei dabei. Applaus erhält aber auch ein Mann, der den Flüchtlingen in Bauschlott seit Monaten ehrenamtlich hilft. Das Miteinander sei durchaus gut zu gestalten, meint er.