nach oben
23.12.2013

Asyl-Flugblatt sorgt in Steinegg für Wirbel

Neuhausen-Steinegg. Rund 50 Asylbewerber will der Enzkreis künftig im kleinen Neuhausener Ortsteil Steinegg unterbringen – im früheren Altenpflegeheim St. Josef. Die Pläne waren erstmals vor elf Tagen in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats Neuhausen hinterfragt worden.

Kurz darauf ebnete der Kreistag den Weg für den Kauf der ehemaligen Senioreneinrichtung von der katholischen Kirchengemeinde. Am Wochenende steckten dann anonyme Flugblätter in Steinegger Briefkästen, in denen Kritiker der Kreispläne zu einer Bürgerversammlung am 27. Dezember um 19 Uhr im Steinegger Pallottisaal aufrufen. Sie bemängeln, die Kaufverhandlungen für die Immobilie seien im Geheimen geführt worden, die Pläne würden in dieser Größenordnung das kleine Steinegg überfordern. Als Ziele wurden ausgegeben, den Verkauf des ehemaligen Altenheims noch zu verhindern und stattdessen Geld zusammenzulegen, um das Gebäude selbst zu kaufen, um beispielsweise ein „Haus der Vereine und Jugend“ dort einzurichten.

Bürgermeister Oliver Korz hatte bereits am 13. Dezember darauf hingewiesen, dass das Thema im Gemeinderat diskutiert werde, wenn es um baurechtliche Fragen gehe. Und Landrat-Stellvertreter Wolfgang Herz will beobachten, wie in Steinegg diskutiert wird. Für sachliche Gespräche sei der Enzkreis offen. Am Ziel, Flüchtlinge dort unterzubringen, werde man festhalten. Wie das im Einzelnen und mit Blick auf das Umfeld vor Ort geschehen könne, da sei man noch ganz am Anfang der Überlegungen. Räumliche Möglichkeiten für eine Betreuung der Asylbewerber etwa durch einen Hausmeister seien in Steinegg gegeben. Der finanzielle Spielraum dafür sei ebenfalls größer geworden.

In Steinegg gibt es auch Bürger, die sich am Zeitpunkt und am Ton des Kritiker-Flugblatts stoßen. Einen solchen Vorstoß kurz vor Weihnachten versteht beispielsweise Wolfgang Schmidt nicht: „Maria und Josef waren schließlich auch Flüchtlinge“, sagt er. Auch Szenarien der Flugblattschreiber, die von „katastrophalen Folgen“ der Asyl-Pläne für Steinegg sprechen und Risiken für „unsere Sicherheit, unser Eigentum sowie das Ansehen unseres Dorfes“ und Immobilienwertverlust in den Raum stellen, findet Schmidt überzogen. Er hofft auf eine sachliche Debatte im Ort über die Details der Flüchtlingsunterbringung und erinnert an Asylbewerber, die vor Jahren in Containern in seiner Nachbarschaft ohne großes Aufhebens gelebt hätten.

Leserkommentare (0)