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Hier wird unterrichtet: Bernhard Waibel (von links), Gerhard Beck, Katharina Waibel und Monika Jost Fütterer vom Asylverein.  Foto: Mayer-Reichard 

Asylverein Steinegg zieht eine positive Bilanz

Mittlerweile sind sie richtige Experten geworden, wenn es um die Frage geht: Wie organisiert man Unterstützung für Asylbewerber? Die Menschen vom Verein Bürgerverein und Verein zur Förderung interkultureller Verständigung in Steinegg sind seit über einem Jahr aktiv und ziehen eine positive Bilanz. „Das klappt alles wunderbar und wir erhalten auch Hilfe von anderen Organisationen“, sagen Katharina und Bernhard Waibel, Monika Jost-Fütterer und Gerhard Beck.

Ihre Aufgaben sind vielfältig, so vielfältig wie das Leben der Asylbewerber. Von Anfang an bietet der Verein – 140 Mitglieder, davon etwa 20 Aktive – Sprachunterricht an. Habe man anfangs alle Interessierten gemeinsam unterrichtet, werden die Asylbewerber nun nach Leistungsstand getrennt: Da gibt es die Gruppe derjenigen, die schnell lernen, dann die Gruppe, die einigermaßen gut vorwärts kommt und außerdem die Analphabeten, bei denen man bei den Grundlagen anfangen müsse. Keine leichte Aufgabe, meint Monika Jost-Fütterer. „Aber es macht großen Spaß.“ Ursprünglich fand der Unterricht im Haus von Katharina und Bernhard Waibel statt, die in direkter Nachbarschaft zum Heim wohnen. Inzwischen hat man einen Raum in der Asylunterkunft bezogen.

Eigentlich hätte Bernhard Waibel gerne zusätzlichen Unterricht angeboten. „Ich wollte die Asylbewerber auf unser Land hinführen, ihnen Land, Kultur und Wirtschaft erklären“, erzählt er. Die Pläne scheiterten, weil die Deutschkenntnisse für diese Art von Unterricht doch viel zu gering sind. Eine weitere Aufgabe des Vereins ist das Spenden sammeln. „Ich habe keine Hemmungen mehr, bei Firmen direkt nachzufragen“, meint Gerhard Beck. Da geht es dann um Blöcke und Stifte für den Unterricht oder um Fußbälle für die Kinder. Auch Spenden aus der Bevölkerung – sei es nun Kleidung, Kinderwagen, Dinge für den Haushalt oder Hygieneartikel – werden in einem großen Raum gesammelt und dann verteilt. Gerade bei Babysachen sei der Bedarf groß, schließlich haben bisher vier Familien aus dem Asylheim Nachwuchs bekommen. Möbel werden nur vermittelt, denn ihre Lagerung würde zu viel Platz in Anspruch nehmen. Außerdem begleiten die Aktiven auch manche Bewohner zu Behörden oder bei Arztbesuchen und planen wieder ein Asyl-Café. Auch andere Organisationen leisten wertvolle Hilfe, so die vier vom Verein. Sie nennen die evangelische Kirchengemeinde, Wolfgang Schmidt vom DRK oder auch Heinz Gerber vom Bauhof. „Wir sind hier in Steinegg gut vernetzt“, betonen sie. Mittlerweile würden auch Aktive aus anderen Orten anrufen, um sich bei ihnen Rat zu holen. Man merke, dass das Thema Asyl an Bedeutung gewinne. „Das wird sicher eine langfristige Aufgabe“, ist Bernhard Waibel überzeugt. Zu politischen Entwicklungen möchte sich der Verein nicht äußern. Für sie sei nicht demotivierend, wenn letztendlich Familien aus Steinegg Deutschland wieder verlassen müssen. Das Engagement und der Unterricht seien nicht umsonst, sind sie überzeugt: „Solange sie hier sind, helfen wir, die Zeit sinnvoll zu gestalten. Und sie können etwas Gutes für sich mitnehmen.“

Sabine Mayer-Reichard

Sabine Mayer-Reichard

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