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„Glück auf, der Steiger kommt“: Mit Klang und Licht bringt Jürgen Göbel Besuchern der Grube Frischglück die unterirdische Zauberwelt nahe. Die Grube ist Felsspalten wie dieser entlang entstanden, den sogenannten Erzgängen. Heute kann man sie zwischen April und Oktober besuchen. Foto: Ketterl
„Glück auf, der Steiger kommt“: Mit Klang und Licht bringt Jürgen Göbel Besuchern der Grube Frischglück die unterirdische Zauberwelt nahe. Die Grube ist Felsspalten wie dieser entlang entstanden, den sogenannten Erzgängen. Heute kann man sie zwischen April und Oktober besuchen. Foto: Ketterl
Schwarze Glasköpfe aus Eisenerz, weißer Baryt: Die Schätze der Grube. Foto: Ketterl
Schwarze Glasköpfe aus Eisenerz, weißer Baryt: Die Schätze der Grube. Foto: Ketterl
Ganz schön tief: 40 Meter geht es im Tagschacht hinab. Hier sind Saboteure eingestiegen. Die Verbindung zur Grube wurde nun blockiert. Foto: Ketterl
Ganz schön tief: 40 Meter geht es im Tagschacht hinab. Hier sind Saboteure eingestiegen. Die Verbindung zur Grube wurde nun blockiert. Foto: Ketterl
11.01.2019

Attacken auf ein Bergbaujuwel: Unbekannte dringen in Neuenbürger Grube Frischglück ein

Neuenbürg. Die Neuenbürger Grube Frischglück, wo bis ins 19. Jahrhundert hinein Eisenerz abgebaut wurde, wird mit viel Engagement von Freiwilligen für die Öffentlichkeit erhalten. Umso größer ist deren Zorn, dass Unbekannte seit einiger Zeit in abgesperrte Bereiche eindringen und zuletzt die Wasserversorgung der Einrichtung angegriffen haben. Die PZ hat sich das vor Ort zeigen lassen.

Die eisernen Tore sind fest verschlossen. An den Sandstein-Einfassungen hängen Eiszapfen. Der Schnee vor dem Eingangsportal zur früheren Erzgrube, dem heutigen Besucherbergwerk Frischglück über Neuenbürg, ist unberührt. Im Winter gehört die Grube den Fledermäusen, die tief im Berg schlafen. Die einzigen, die normalerweise durch die abgesicherten Erzgänge streifen, sind Männer wie Jürgen Göbel von der Frischglück-Arge Bergbau. Einmal monatlich kontrollieren die Ehrenamtlichen die öffentlichen Bereiche der Grube auf ihre Sicherheit. Warum sie das so genau nehmen, sieht man nach wenigen Schritten in den Zugangsschacht. Jürgen Göbel stampft fest auf Stahlgitter, die ein Loch im Boden absichern: Rund 25 Meter weit geht es an dieser Stelle hinab.

Umso größer ist der Ärger des Mannes, der zwischen Anfang April und Ende Oktober den Besucherbetrieb organisiert, dass sich zuletzt immer wieder Unbekannnte in abgesperrten Gängen herumtrieben. Wie gefährlich das ist, lässt ein Blick in den Tagesschacht nehmen, den die Eindringlinge als Einstieg in eine Grube in Nachbarschaft der Frischglück genutzt haben. Wo Göbel in die Tiefe blickt, geht es rund 40 Meter nach unten. Senkrecht. Drei Viertel der Strecke kann man über Leitern schaffen, „die letzten zehn Meter aber muss man sich abseilen“, sagt der Neuenbürger. Er geht davon aus, dass die Unbekannten, die schon seit rund fünf Jahren immer mal wieder mit Sabotageakten aufgefallen waren, sich in den Gruben gut auskennen. Bis vor Kurzem haben die Helfer die Schäden selbst behoben, Schlösser ausgetauscht. Jetzt aber haben sie die Polizei eingeschaltet. Denn die Einstiege über den Tagschacht, den man nur erreicht, wenn man in das Sicherungshäuschen einbricht, führten die Täter zu dem Regenspeicher, der die Wasserversorgung fürs Besucherbergwerk sichert. 18 000 Liter fasst der kleine, unterirdische Stausee. Zwei Mal haben die Täter das Wasser abgelassen und die Gruben geflutet. Die Folgen für Filter und Leitungen sind noch nicht ausgelotet. Ohne Wasser aber kein Besucherverkehr.

Aus dem Tagschacht dampft es an diesem Morgen. Das hat mit der Feuchtigkeit im Berg zu tun – und mit den konstanten sechs bis acht Grad im Innern. Kühl fühlt sich das im Sommer an, nun, im Vergleich mit der Winterkälte draußen, ist es mild.

Bei Göbels Kontrollgang im Besucherstollen schlägt einem dennoch kalte Luft entgegen. „Das ist der Wetterzug“, erklärt er. Weg ist der nur kurz in einem Querschlag, in dem man noch Spuren sieht, wo vor rund 200 Jahren Bergleute hier Eisenerz und Schwerspat vom Sandstein geschlagen haben. Der Schwerspat oder Baryt funkelt an den Wänden, wo Licht darauf fällt. Daneben glänzt es grüngolden. Auch ein Mineral? „Das ist Moos“, sagt Göbel. Es überlebt dort, obwohl im Winterhalbjahr so gut wie kein Licht hier hinfällt. Es ist eine Zauberwelt. Die Frischglück-Helfer wollen sie erlebbar halten. Deshalb kämpfen sie jetzt gemeinsam mit der Polizei gegen die Eindringlinge. Gegen die Saboteure genauso wie gegen Einbrecher, die immer mal wieder selbst Mineralien aus dem Fels schlagen wollen.

Hinweise auf Eindringlinge ans Polizeirevier Neuenbürg: (0 70 82) 7 91 20.