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Der Golfclub „golfforyou“ würde gerne einen Brunnen anlegen. Archiv foto: Moritz 

Auch Ölbronn-Dürrn will den neuen Golf-Brunnen nicht

Ölbronn-Dürrn. Im April hatte sich bereits der Neulinger Gemeinderat dafür ausgesprochen, gegenüber dem Landratsamt eine ablehnende Stellungnahme zum geplanten Bau eines Bewässerungsbrunnens für den Golfplatz „golfyouup“ abzugeben. Nun fasste der Rat im Nachbarort Ölbronn-Dürrner einen ähnlichen Beschluss, aber nicht einhellig.

Es gab drei Gegenstimmen, als das Gremium die Verwaltung beauftragte, eine Stellungnahme zu erarbeiten, aus der hervorgeht, dass man dem Vorhaben ablehnend gegenübersteht.

Im Wesentlichen geht es um einen Antrag für eine Brunnenbohrung im Gewann „Zainen Hag“ auf Dürrner Gemarkung. Vorgenommen soll die Grundwasserentnahme für die Bewässerung des Golfplatzes „golfyouup“. Der Gemeinderat war sich nicht ganz einig, was er von dem Vorhaben halten soll. Björn Dost (Aktive Bürger) verstand das Anliegen des Golfplatzes, war aber grundsätzlich der Meinung, dass Brunnen „in der heutigen Zeit“ nicht mehr in private Hände gehören. Golfplätze sollten aus seiner Sicht wie andere Einrichtungen auch ihr Wasser über die öffentliche Wasserversorgung bekommen. Fraktionskollege Hans-Dieter Deuß schlug vor, unter Bezugnahme auf den hydrogeologischen Teil des Strukturgutachtens für die Wasserversorgung darauf hinzuweisen, dass die Gemeinde einen eigenen Tiefbrunnen realisieren will.

Ein Vorschlag, der mehrheitlich so beschlossen wurde. Uwe Kiefer (FWV) dagegen sah genau da die Möglichkeit, Synergieeffekte zu nutzen und wollte das Vorhaben deswegen „nicht prinzipiell ablehnen“: Er hielt es für denkbar, dass die Gemeinde einen Tiefbrunnen zusammen mit dem Golfplatzbetreiber realisiert, den dann beide nutzen könnten. Bürgermeister Norbert Holme betonte, es sei noch nichts entschieden.

Genug Wasser vorhanden

Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer spürbarer und könnten in Zukunft auch die Wasserversorgung betreffen. Um vorbereitet zu sein, lässt Ölbronn-Dürrn für seine Wasserversorgung ein Strukturgutachten erstellen.

Der hydrogeologische Teil liegt inzwischen vor und wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Geologe Manfred Schneider vorgestellt. Das Ergebnis: Eine vorrangige Nutzung der ortsnahen Wasservorkommen wäre bei gleichzeitiger Erhöhung der Versorgungssicherheit möglich. Priorität hat für ihn, die Fördermenge im Tiefbrunnen Lückenbronn zu erhöhen. Ein Brunnen, der laut Schneider „super ausgebaut“ ist. Aktuell werden dort aus dem Keuper rund 100 000 Kubikmeter pro Jahr gefördert, erlaubt wären aber 200.000. Schneider hält diese Steigerung für möglich, sagte aber auch: Bevor man Änderungen oder Stresstests an dem Brunnen vornimmt, sollte eine Redundanz vorhanden sein.

Eine Verbindungsleitung zwischen Ölbronn und Dürrn würde aus seiner Sicht mehr Versorgungssicherheit bringen. Eine zusätzliche Grundwassererschließung hält Schneider über einen Muschelkalkbrunnen für möglich. Die Grundwasserhöffigkeit im oberen Muschelkalk sei lokal nachgewiesen. Aber das sei mit einem hohen Aufwand verbunden, etwa für Standorterkundung und Erschließungsmaßnahmen.

Schneider machte den Ratsmitgliedern keine Illusionen: „Die nächsten zehn Jahre passiert nichts.“ Aber Fördergelder wären dafür möglich. Der Geologe erklärte, dass auf das Gemeindegebiet pro Jahr rund 14 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr fallen, von denen 2,8 Millionen für die Grundwasserneubildung übrigbleiben. „Wir haben nicht zu wenig Wasser, aber wir müssen das Wasser auch fördern können.“ Björn Dost (Aktive Bürger) drängte darauf, sich schnellstmöglich mit der Verbindungsleitung zu beschäftigen. Fraktionskollege Hans-Dieter Deuß sagte, diese habe man bisher immer nur aus Kostengründen zurückgestellt. Aus seiner Sicht hat der Lückenbronner Brunnen einen zu hohen Nitratgehalt. Dieser liegt bei 18 Milligramm pro Liter – und damit laut Schneider aber noch unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Deuß sieht die höchste Priorität darin, die Eigenwasserversorgung aus einem Tiefbrunnen in Angriff zu nehmen. Auf 100 Jahre gesehen, sei für beide Ortsteile nur das Tiefengrundwasser sicher. Aktuell läuft die Versorgung im Ortsteil Ölbronn über Eigenwasser, in Dürrn über die Bodenseewasserversorgung. Der wasserwirtschaftliche Teil des Strukturgutachtens steht noch aus.