760_0900_52576_.jpg
Ein ausgeschlachteter BMW: So ähnlich haben wohl viele Fahrzeuge ausgesehen, aus denen die Navigationsgeräte gestohlen wurden.  Foto: PZ-Archiv 

Auf BMW-Navis spezialisierte Autoknacker schlagen in Bauschlott zu

Neulingen-Bauschlott/Enzkreis/Pforzheim. BMW-Besitzer ohne eigene und sicher abschließbare Garage haben es in unserer Region seit etwa 2014 besonders schwer. Sie müssen scheinbar dauerhaft damit rechnen, dass irgendwann aus ihrem am Straßenrand geparkten Auto das Navigationsgerät entwendet wird. Obwohl erst vor etwa einem Jahr eine fünfköpfige, auf BMW spezialisierte und in Pforzheim und dem Enzkreis aktiv gewordene Autoknackerbande zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt wurde, ist die Serie an Autoaufbrüchen nicht beendet worden. Jetzt hat es in der Nacht zum Montag drei BMW- und einen Mercedes-Fahrer getrofffen.

Am Lärchenweg, am Starenweg, an der Rebhuhnstraße und an der Schloßstraße haben die offenbar spezialisierten Autoknacker zugeschlagen. Die Täter drangen gewaltsam in drei BMW und in einen Mercedes ein und bauten fachgerecht die Navigationsgeräte aus. In drei Fällen wurde ein Seitenfenster eingeschlagen, bei einem Auto konnten die Täter das Funksignal des Keyless-Go-Schlüsselsystems abfangen und zum gewaltlosen Öffnen der Autotür nutzen.

Der Diebstahlschaden beträgt über 10.000 Euro. Zeugenhinweise werden an den Polizeiposten Kieselbronn, Telefon (07231) 1542970, erbeten. 

Wie eine Karlsruher Polizeisprecherin bestätigte, dürfe man auch im Falle der Neulinger Taten von einer vor allem auf BMW-Navis spezialisierten Bande ausgehen. Wohl nichts anders war es vor rund sechs Wochen im Mühlacker Wohngebiet Stöckach. Dort wurden gleich auf einen Schlag sieben Fahrzeuge aufgebrochen. Die vor einem Jahr verurteilte Band hatte sogar zweimal ein Mühlacker Autohaus heimgesucht und dort fette Beute gemacht. Früher wurden übrigens auch öfter einmal Lenkräder oder Airbags ausgebaut. Die heutzutage bevorzugt gestohlenen Navis würde das organisierte Verbrechen vor allem auf osteuropäischen Märkten versilbern. Dabei könnte das ein oder andere Beutestück auch auf direkte Bestellung entwendet worden sein. Dabei seien wohl mehrere unterschiedliche Banden am Werk, so die Polizeisprecherin. 

Ein bisschen Licht ins Dunkel dieser Autoknackerszene brachte ein Prozess zum Jahresanfang 2016 vor dem Schöffengericht in Pforzheim. Fünf Männern wurde vorgeworfen, im Zeitraum zwischen Dezember 2014 und Juli 2015 nicht n ur in Pforzheim und im Enzkreis, sondern auch in benachbarten Land- und Stadtkreisen Lenkräder, Airbags und andere Autoteile aus Autos der Marken BMW und Mercedes entwendet zu haben. Nach neun Verhandlungstagen verurteilte der Vorsitzende Richter Andreas Heidrich im März 2016 die fünf Männer wegen Bandendiebstahls, schweren Diebstahls und gewerbsmäßiger Hehlerei zu vier Jahren und zehn Monaten, drei Jahren und zehn Monaten und zwei Jahren Haftstrafe sowie neun Monaten auf Bewährung und einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Die zwei Bewährungsstrafen begründeten sich auf die Vorstrafenfreiheit der Männer.

Doch wer dachte, dass die Besitzer von BMW (betroffen sind vor allem die 5er-Modelle, aber auch die 7er-Reihe und die Geländewagen) und einiger Mercedes-Modelle nun aufatmen könnten, wurde nach der Verurteilung schnell eines Besseren belehrt. In der Region um Pforzheim gab es bald wieder die nächsten Autoknacker-Fälle wie zuletzt in Neulingen-Bauschlott.

Autoknacker: Wer klaut wann und wie?

Immer wieder werden in der Region Autos aufgebrochen, die Lenkräder geklaut, Navigationsgeräte ausgebaut oder die Fahrzeuge verschwinden komplett. Erst vor rund sechs Wochen war das Mühlacker Wohngebiet Stöckach betroffen, als in einer Nacht gleich sieben Fahrzeuge aufgebrochen wurden. In Neulingen-Bauschlott waren es gerade in der Nacht auf den Montag vier BWM und ein Mercedes, aus denen die Navifationsgeräte gestohlen wurden.

Wer steckt hinter den Taten?

Laut Ralf Minet, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe, sind für die Autoaufbrüche in der gesamten Region meist osteuropäische Banden verantwortlich. „Das sind Profis, die genau wissen, was sie tun. Sie schlagen schnell und zielstrebig zu und bringen die Beute schnell außer Landes.“ Dort, so Minet, werde diese dann über Händler oder das Internet weiterverhökert.

Wo sind die Schwerpunkte?

Von konkreten Schwerpunkten zu sprechen, sei schwierig, sagt Minet. Denn die Banden zögen „heuschreckenartig“ durch die Lande und schlügen mal hier, mal dort zu. Anders als bei Wohnungseinbrüchen, bei denen die Zahl in den Herbst- und Wintermonaten besonders hoch sei, hätten die Autoknacker zudem das ganze Jahr über Konjunktur.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Meistens handelt es sich um hochwertige Modelle der Marken BMW oder Mercedes.

Wie gehen die Diebe vor?

Zunächst werden Straßenzüge oder abgelegene Autohäuser ausgekundschaftet, dann wird – häufig in der Nacht – zugeschlagen. Wie Polizeisprecher Minet betont, seien die Täter in Gruppen unterwegs, einige stehen Wache, einige knacken die Autos und montieren Navigationsgeräte und Lenkräder ab. Wenn Scheiben eingeschlagen werden, geschieht dies meistens so, dass die Diebe diese vorher abdämmen, um weniger Lärm zu verursachen.

Weshalb versuchen die Banden nicht, die Autos zu klauen?

Auch dies kommt vor, jedoch seltener. Kleinteile lassen sich leichter ins Ausland schaffen, zudem können moderne Fahrzeuge nicht mehr ohne weiteres kurzgeschlossen werden. Es gibt jedoch auch Einbrecher, die es gezielt auf Fahrzeuge abgesehen haben. Diese brechen dazu in die Häuser ein, stehlen den Schlüssel und fahren mit dem Auto davon. Insbesondere Fahrzeuge, deren Wert im sechsstelligen Bereich liegt, seien von dieser Vorgehensweise betroffen.

Was ist zu tun, wenn man Täter ertappt?

Auf keinen Fall den Helden spielen, warnt Minet. Man wisse nie, wie aggressiv die Verbrecher seien, im schlimmsten Fall bestehe Lebensgefahr. Stattdessen solle man sofort die Polizei verständigen und – falls die Täter fliehen – möglichst genau beobachten, wie die Täter aussehen und wohin sie sich entfernen.

Wie ist die Aufklärungsquote?

Wie bei Einbruchsdelikten üblich, ist diese nicht hoch. Zwar versucht die Polizei mithilfe von Computerexperten insbesondere den Hintermännern, die die Ware verkaufen, auf die Schliche zu kommen. Doch dies gestaltet sich schwierig. „Dabei ist jeder Einbruch einer zu viel“, betont Minet. --- max

 

Weitere Artikel mit BMW-Autoaufbrüchen in der Region: 

-BMW-Autoknackerbande schlägt in Birkenfeld und Pforzheim mehrfach zu

-Serie von BMW-Knackern geht weiter: 18.000 Euro Schaden

-Haftstrafe für Autoknacker nach Aufbruchserie

-Gerichtsverfahren: Bande scharf auf Mercedes und BMW

-Autoknacker-Serie: Etliche Navis und Lenkräder gestohlen

-Ankläger fordert Haft für Serien-Autoknacker

-Erneut BMW-Navis geklaut: 30.000 Euro Schaden

-Schon wieder sind BMW bevorzugte Ziele von Autoaufbrechern

-Auf BMW-Navigationsgeräte spezialisierte Bande schlägt wieder in Region zu

Autoknacker erbeuten Autogrammkarten von Flippers-Sänger Malolepski

Autoknacker haben nach Informationen der «Bild»-Zeitung Anfang April 2016 in Leipzig die Scheibe eines Tourbusses eingeschlagen und hunderte Autogrammkarten von Flippers-Sänger Olaf Malolepski (70) mitgehen lassen.

Der Schlagerstar («Die rote Sonne von Barbados») vermisst dem Bericht zufolge auch ein blaues Glitzersakko und rote Lackschuhe. «Ich hatte mir gerade neue italienische Designerschuhe gekauft...Alles weg», sagte der Musiker. Die Polizei fahnde nach den Tätern. dpa