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Das Wandern ist des Schusters Lust: Der 83-jährige Hubert Augenstein aus Ellmendingen hat sich zu Fuß auf den Weg nach Berlin gemacht. Privat
Das Wandern ist des Schusters Lust: Der 83-jährige Hubert Augenstein aus Ellmendingen hat sich zu Fuß auf den Weg nach Berlin gemacht. Privat
24.08.2017

Auf Schusters Rappen von Ellmendingen nach Berlin

Über Fuß- und Radwege, Wiesen und Felder, aber immer mit dem Ziel vor Augen: So hat sich Hubert Augenstein aus Ellmendingen seinen Weg nach Berlin gebahnt. 710 Kilometer hat der 83-Jährige in fünf Wochen zurückgelegt. Sein Ziel: die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast in der deutschen Hauptstadt zu besuchen.

Die wohnt mit ihrer Familie selbst in Augensteins Nachbarort Dietlingen. Der Ellmendinger meint: „Wohnsitz und Arbeitsplatz können nicht so weit auseinanderliegen, dass man den Weg nicht zu Fuß zurücklegen könnte.“ Gesagt, getan. Um die Abgeordnete zu treffen hätte Augenstein allerdings gar nicht so weit laufen müssen: Derzeit ist Mast auf Wahlkampf im Enzkreis unterwegs und eher in ihrem Wohnort Dietlingen anzutreffen als in Berlin – so auch bei Augensteins Ankunft. Dass sie sich verpasst haben, mache aber nichts, meint der Ellmendinger: „Wir sehen uns spätestens beim Kelterner Weinfest wieder.“

Augenstein ist nicht zum ersten Mal auf unüblichem Weg nach Berlin gekommen: Vor ein paar Jahren nahm er die Strecke schon einmal mit dem Fahrrad auf sich. Das Radfahren gehe inzwischen aufgrund von Sehproblemen nicht mehr.

Auf seiner Wanderung nach Berlin machte der 83-Jährige auch einen Abstecher nach Treuenbrietzen in Brandenburg. Dort feierte er sein 60-jähriges Meisterjubiläum als Schuhmacher. „Dazu musste ich in die Sabinchenstadt“, erklärt Augenstein. Der Hintergrund: Ein altes Volkslied erzählt von der Dienstmagd Sabinchen, die sich mit einem Schuster aus Treuenbrietzen einlässt.

Augenstein wurde auf seiner Durchreise stets mit offenen Armen empfangen. Meist übernachtete er in Jugendherbergen. Hohe Ansprüche hat er nicht: „Hauptsache, ein Dach über dem Kopf.“ Augenstein ist wandererprobt, vor zwei Jahren etwa wanderte er eine ähnlich weite Strecke zu seinem Sohn nach Holland. Trotzdem soll die Reise nach Berlin die letzte sein, die der 83-Jährige zu Fuß gemacht hat – auch zuliebe seiner Kinder.

„Man tut, was man kann“, meint der Ellmendinger – und, dass Hubert Augenstein auch mit 83 Jahren noch einiges kann, hat er mit dem Gang in die Hauptstadt einmal mehr bewiesen.