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Reiner Herrmann
Reiner Herrmann
Helmut Sickmüller
Helmut Sickmüller
Theo Schaubel
Theo Schaubel
Wolfgang Oechsle
Wolfgang Oechsle
03.07.2016

Auf neuen Dienstwegen: Was kommt für einen Bürgermeister nach seinem Amt?

Langweilig wird es Jürgen Kurz sicher nicht, wenn er nicht mehr Bürgermeister von Niefern-Öschelbronn ist. Als Vorsitzender des Regionalverbands Nordschwarzwald und Kreisrat hat er doch noch einiges zu tun. Hinzu kommt natürlich sein großes Hobby: der Sport. Sollte er trotzdem nicht wissen, was er mit all der vielen Freizeit plötzlich anfangen soll, kann sich Kurz an früheren Kollegen orientieren. Mit der PZ haben einige über ihr Leben danach gesprochen.

Aus dem Amt ins Ehrenamt ging es für Helmut Sickmüller. 32 Jahre war er Bürgermeister von Wurmberg, heute ist er beim Badischen Fußballverband Vizepräsident, Fairplay- und Integrationsbeauftragter. Und beim Badischen Sportbund vertritt er 51 Fachverbände. Klischeehaft könnte man vom rastlosen Ruheständler sprechen. Sickmüller beschreibt es selbst anders: „Ich brauche einfach etwas Sinnvolles zu tun. Für mich wäre nichts schlimmer gewesen, als nach der Zeit als Ortsoberhaupt plötzlich nichts mehr zu tun.“ Ein großer Vorteil heute: „Ich kann auch Termine unter der Woche und am Vormittag wahrnehmen.“ So bleibt unterm Strich doch noch einiges an freier Zeit. Die verbringt Sickmüller gerne mit der Familie, viel öfter als früher besucht er auch seine Schwester in der Nähe von Heidelberg. Sein großer Wunsch: 2018 will er bei der Fußball-WM in Russland ein Spiel in Moskau sehen. „Dort war ich noch nicht.“

Gerne auf Reisen ist auch Reiner Herrmann. In diesem Sommer soll es wieder in die USA gehen – zu seinem Sohn. Dafür feilt der ehemalige Bürgermeister von Birkenfeld seit seinem Eintritt in den Ruhestand 2011 an der Volkshochschule an seinem Englisch. „Ich will mich doch verständigen können. Außerdem bleibe ich so geistig fit.“ Seine Gehirnzellen hält er zudem mit Lesen auf Trab; am liebsten auf der Liege in der eigens dafür eingerichteten Ecke im Garten. Dort kann er heute gerne mal zwei, drei Stunden verweilen. In seinen 24 Jahren als Rathauschef war das nur selten möglich. „Oft hab ich samstags schnell den Rasen gemäht und bin dann weiter zum nächsten Termin. Heute mähe ich einfach mal unter der Woche.“ Zusammen mit Frau Iris ist er in verschiedenen Vereinen aktiv, macht regelmäßig Gymnastik, geht wandern oder nimmt sein Amt als Kreis- und Regionalrat wahr. „Aber alles mit weniger Stress.“ Wer mit ihm spricht, erlebt tatsächlich einen losgelösten Reiner Herrmann – vielleicht, weil er sich schon ein, zwei Jahre vor seinem Dienstende mit der Zeit danach beschäftigt hat. „Das hat es mir erleichtert, mich von den Aufgaben frei zu machen und diese mit großem Vertrauen an meinen Nachfolger abzugeben.“

Gewaltig empfand Theo Schaubel den Einschnitt, als nach 24 Jahren als Bürgermeister von Neuenbürg diese Zeit für ihn vorbei war. „Ich habe mir immer vorgenommen, mich darauf vorzubereiten, aber vor lauter Arbeit blieb dafür keine Zeit.“ In der ersten Zeit haben er und seine Frau überlegt, umzuziehen, woanders neu anzufangen. „Aber wir leben gerne hier, haben ein Haus, unsere Kinder und Enkel sind nicht weit.“ Inzwischen genießt er seinen Ruhestand und auch die Tatsache, dass er heute zu Veranstaltungen in der Stadt darf, aber nicht mehr muss. „Mir nimmt heute keiner übel, wenn ich mal nicht komme.“ Während sich um die Kommunalpolitik seit vielen Jahren nun sein Sohn Matthias in der Funktion als Gemeinderat kümmert, widmet sich Schaubel senior der Vergangenheit. Derzeit dokumentiert der letzte noch lebende Alt-Bürgermeister der Gemeinde alles, was er über seine Vorgänger weiß und im Archiv findet. „Die Erinnerung aufrecht zu erhalten, sehe ich als meine Pflicht.“

Verpflichtet sieht sich Wolfgang Oechsle nach seiner 37-jährigen Amtszeit als Bürgermeister immer noch als mündiger Bürger der Gemeinde Remchingen. So wundert es nicht, dass er sich bei strittigen Themen in der Kommunalpolitik zu Wort meldet. „Es gibt Kollegen, die sich im Ruhestand komplett raushalten. Das muss jeder für sich entscheiden.“ Zuweilen, gibt er zu, lade er sich aber auch zu viel neue Betätigungsfelder auf. So sei es schon in seiner Amtszeit gewesen. „Wer ernsthaft als Bürgermeister für seine Gemeinde etwas bewirken will, stellt vieles hinten an. Ich war da oft sehr ehrgeizig, zulasten der Familie.“ Er bedauert, bei verschiedenen Ereignissen wie Einschulung, Sportwettkämpfen oder Festen nicht dabei gewesen zu sein. Zum Ausgleich gibt es heute Urlaube in der Großfamilie mit den drei Kindern und deren Kindern.