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Ein faustgroßes Einschussloch klafft in der gläsernen Tür.
Ein faustgroßes Einschussloch klafft in der gläsernen Tür. © Walter
Zwei Orte, ein Aufreger: In Illingen schoss ein Mann durch einen Türspalt und traf seine Tochter ins Bein. Foto: Walter
Zwei Orte, ein Aufreger: In Illingen schoss ein Mann durch einen Türspalt und traf seine Tochter ins Bein. Foto: Walter
In Niefern lässt er sich am nächsten Morgen widerstandslos festnehmen. Foto: Walter
In Niefern lässt er sich am nächsten Morgen widerstandslos festnehmen. Foto: Walter
26.07.2016

Aufatmen in Illingen und Niefern: Tatverdächtiger nach Schüssen gefasst

Illingen/Niefern-Öschelbronn. „Willkommen“, steht unter der Deko-Biene an der Tür eines Illinger Hauses. Doch direkt daneben hat ein 64-jähriger Mann seine Spuren hinterlassen, der hier genau dies nicht mehr war: Willkommen. Ein faustgroßes Einschussloch klafft in der gläsernen Tür, daneben ist eine rote Flüssigkeit – wohl Blut – angetrocknet. Und auch ein Fenster hat einen der mindestens drei Schüsse abbekommen.

„Ich habe gerade Fernsehen geschaut, als ich plötzlich Schüsse gehört habe“, erinnert sich Horst Gutjahr, einer der Anwohner an die Erlebnisse am Sonntagabend um 23.20 Uhr. Beunruhigt waren viele Nachbarn davon freilich noch nicht: „Ich dachte, dass da mal wieder jemand Silvesterknaller zündet“, sagt eine Frau. Und ein Paar glaubte „dass die Geräusche von Jugendlichen kommen, die in der Talaue oft Party machen“.

Doch was sich nur wenig später vor den Fenstern der Anwohner abspielte, hatte mit feiernden Kindern nichts mehr zu tun: Drei Rettungs- und ein Notarztwagen rasen heran, Anwohner zählen mindestens zehn Polizeifahrzeuge. „Zuerst kamen normale Polizisten in Uniform, etwa zehn Minuten dann noch welche in voller Montur“, berichtet einer. Was das heißt, präzisiert sein Nachbar: „Ganz in schwarz, mit Helm, Schutzweste, teils das Gewehr im Anschlag“, sagt Achim Schanzer. Die Schilderung wird von mehreren Anwohnern bestätigt.

Der Grund für den Einsatz: Der bewaffnete Familienvater war auf der Flucht, nachdem er nach Angaben der Familie seine Tochter durch einen Türspalt hindurch ins Bein geschossen hatte. Rettungskräfte brachten die 28-Jährige ins Krankenhaus, wo sie am Montag operiert wurde. Während sie am Tatort versorgt wurde, begann die Suche nach ihrem Vater. Die Polizei leuchtete Teile der Straße aus, durchkämmte Gärten, auch mindestens eine Wohnung.

Doch der aus Litauen stammende Mann bleibt verschwunden – fast neun Stunden lang. Dann, so schildert es eine Bekannte der Familie, ruft er seine schwer verletzte Tochter an: „Weil er sich selbst nicht gut auf Deutsch ausdrücken kann, hat er sie angerufen, ihr gesagt, wo er ist – und, dass die Polizei ihn holen soll.“ Wahrscheinlich habe der Mann da noch gar nicht gewusst, dass er die 28-Jährige angeschossen hat.

Am folgenden Montag ließ er sich schließlich widerstandslos gegen 8.30 Uhr vor dem REWE-Markt in Niefern-Vorort festnehmen.

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Mehr dazu: Illingen: Vater schießt durch Tür – Tochter schwer verletzt