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Exakt 116 Gegner, darunter auch Bürger aus Friolzheim, machten nun vor dem Wimsheimer Rathaus mobil gegen das geplante Industriegebiet „Breitloh West II“. Organisiert sind mittlerweile aber nicht nur die Gegner, auch die Befürworter haben sich zusammengefunden und zwar in der Interessengemeinschaft für Wimsheim.
Exakt 116 Gegner, darunter auch Bürger aus Friolzheim, machten nun vor dem Wimsheimer Rathaus mobil gegen das geplante Industriegebiet „Breitloh West II“. Organisiert sind mittlerweile aber nicht nur die Gegner, auch die Befürworter haben sich zusammengefunden und zwar in der Interessengemeinschaft für Wimsheim.
06.02.2013

Aufregung in Wimsheim wegen geplanter Hafner-Ansiedlung

Wimsheim. Industriegebiet „Breitloh West II“ lässt in Wimsheim die Bürger aufhorchen: Mittlerweile stehen sich Gegner und Befürworter organisiert gegenüber.

Immerhin in einem sind sich die Wimsheimer einig: So viel Aufregung im Dorf gab’s selten. Der einstimmig im Gemeinderat gefasste Aufstellungsbeschluss für das eingeschränkte Industriegebiet „Breitloh West II“, wo sich das Pforzheimer Unternehmen C. Hafner ansiedeln will, sorgt für jede Menge Unruhe. Hatten sich zunächst die Kritiker in der Bürgerinitiative (BI) Wimsheim organisiert, haben sich nun auch die Befürworter in der Interessengemeinschaft (IG) für Wimsheim zusammengefunden. Aktiv sind beide Gruppierungen: Die BI startete jüngst die Verteilung eines Info-Flyers und begann mit einer Unterschriftenaktion, die IG setzte dagegen: mit einem Flugblatt und der Aufforderung, Verwaltung und Gemeinderat Solidarität zu bekunden.

Innerhalb nur weniger Wochen seit dem Aufstellungsbeschluss im Dezember provozierte das geplante Industriegebiet jede Menge bürgerschaftliches Engagement: das der Gegner ebenso wie das der Befürworter. Und so nahm es nicht Wunder, dass auf der Prunksitzung des Wimsheimer Carnevalsvereins Hurrassel das Thema Einzug hielt. Die Narren fanden ernste Worte. Büttenredner Richard Benzinger meinte: „Hafner kann kommen oder fort bleiben. Wichtig ist, dass es deshalb keinen Streit in Wimsheim gibt.“ Und schon im Dezember hatte eine Bürgerin am Rand der Ratssitzung befürchtet: „Es gibt Unfrieden und Streit und nur, damit man einen goldenen Zebrastreifen bekommt.“

Dieter Schlittenhardt von der IG ist ein deutlicher Befürworter von „Breitloh West II“ und kennt viele im Ort, die die Hafner-Ansiedlung unterstützen. Es gehe um den Austausch von Argumenten, aber keinesfalls darum, die gelebte, gute Nachbarschaft am Ort aus den Angeln zu heben. Wenn man tagsüber kontrovers diskutiert habe, müsse es möglich bleiben, abends auch gemütlich wieder bei einem Bierchen zusammenzusitzen. Schlittenhardts Fazit: „Bei uns sieht sich keiner als Gegner.“ Es gebe aber eben Wimsheimer mit unterschiedlicher Auffassung zu einem ganz speziellen Thema.

BI-Sprecherin Sandra Beck-Lankocz sieht ebenfalls keine Gefahr, dass sich die Wimsheimer Bürgerschaft hoffnungslos aufspaltet und unversöhnlich gegenübersteht. Es gehe um die Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber einem Industriegebiet in direkter Nähe zur Wohnbebauung. Man wolle zum Nachdenken anregen, aber keine Wimsheimer gegeneinander aufstacheln. „Am Ende des Tages leben wir alle wieder im selben Dorf“, ermunterte die BI-Sprecherin zum Wir-Gefühl unabhängig von der Einstellung zu „Breitloh West II“. Und auch den bekennenden Hafner-Befürworter, Bürgermeister Mario Weisbrich, nimmt sie in Schutz. Es gebe einige ganz wenige, die wilde Gerüchte über den Rathauschef verbreiteten. Davon distanziere sich die BI.

Bei der Unterschriftenaktion, sagt Sandra Beck-Lankocz, habe sie übrigens ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Eine Frau habe ihr den Vogel gezeigt, ein Mann habe anerkennend gemeint, im Dorf sei ja ein „richtiges Revolutiönle“ im Gange.

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