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Warnschilder beim Warten auf den Ausbau in Conweiler. Foto: Seibel, Archiv
Warnschilder beim Warten auf den Ausbau in Conweiler. Foto: Seibel, Archiv
29.07.2016

Autofahrer und ihr Gespür für Asphalt

Pech gehabt, liebe Straßenbau-Verantwortlichen des Landes. Buchstäblich Pech gehabt. Denn was den Autofahrern in Conweiler in den vergangenen Wochen immer wieder an den Reifen oder am Unterboden klebte und was den Anwohnern auf die Grundstücke geschleudert wurde, war Bitumen. Der Name für das Erdöl-Produkt, das auch in der Natur vorkommt, kommt vom lateinisches Wort für „Erdpech“.

Und genau diese Masse, die zum Einsatz kommt, wenn beispielsweise Löcher in einer Straße geflickt werden müssen, sorgt dafür, dass dem Verkehrsministerium des Landes ein Problem wieder an der Backe klebt, das der Grüne Ressortchef Winfried Hermann eigentlich mit einem klaren Konzept angepackt hatte: die notorisch kaputten Landesstraßen.

Plötzlich war alles wieder da: Politiker, die an eine völlig kaputte Fahrbahn eilen (im Fall von Conweiler war das die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast), Kommunalpolitiker, die Briefe nach Stuttgart schreiben wie zuletzt Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg und Landrat Karl Röckinger. Und natürlich Bürger, die den Kopf schütteln über eine Straße, die so stark von Flicken übersät ist, dass sie an den ganz heißen Tagen schlicht geschmolzen ist.

Als Hermann vor etwas über fünf Jahren ins Amt kam, wollte er den Stau der Landesstraßen, die auf dringende Sanierung warten, mit einer klaren Prioritätenliste abarbeiten. Dafür hat er durchaus Lob erhalten. Nur: Der Stau ist gigantisch. Größer als jeder Stau, den man auf der A8 rings um Pforzheim täglich erlebt. Selbst das wegen einer Baustelle derzeit chaotische Leonberger Dreieck ist kein Vergleich zur Aufgabe für die Straßenexperten des Landes. Das merkt man, wenn man die Leute im Enzkreis und in Pforzheim nach ihrer Meinung über die Straßen fragt, die täglich dort unterwegs sind: die ganz normalen Autofahrer. Fragt man sie nach auffallend kaputten Strecken, dann nennen sie mit Abstand am häufigsten die Landesstraßen.

Das Land hat also noch einiges zu tun, bis der alte Spruch ein Fall fürs Museum wird, den beispielsweise Landrat Röckinger und sein Stellvertreter Wolfgang Herz immer wieder gerne selbstbewusst ins Feld geführt haben: „Die Leute spüren es durch ihren Autositz, ob sie gerade auf einer Kreisstraße fahren oder auf einer Landesstraße.“ Im ersten Fall, hieß das immer, läuft alles glatt, im zweiten Fall rumpelt’s. Die Autofahrer erleben das bis heute so. Obwohl das Land zuletzt viel saniert hat. Zu einer Strecke am Betzenbuckel bei Heimsheim, die von den PZ-Lesern schlechte Noten erhalten hat, rollen die Bagger zum Beispiel schon am kommenden Montag. Bereits Geschichte sind notorische Holperpisten wie die Landesstraße zwischen Grunbach und Unterreichbach, auf deren Schlaglöcher die Bürgermeister Bastian Rosenau und Carsten Lachenauer einst Protest-Golf gespielt hatten.

Es tut sich also was. Doch an allem klebt seit kurzem nun zäh und schmutzig das aufgeweichte Bitumen der Ortsdurchfahrt Conweiler. Einfach Pech.