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Petra Roth in der Backstube der Bäckerei „Reinhardt“ in Knittlingen. Sie ist im dritten Ausbildungsjahr. Röckinger
Petra Roth in der Backstube der Bäckerei „Reinhardt“ in Knittlingen. Sie ist im dritten Ausbildungsjahr. Röckinger
27.11.2015

Azubi des Monats November: Ein kreativer Kopf in der Backstube

Petra Roth ist Auszubildende bei der Bäckerei „Reinhardt“ in Knittlingen. Wenn ihre Freundinnen abends ins Kino gehen, dann schläft Petra. Ihre Uhren ticken anders. An die Nachtarbeit musste sich die 17-Jährige aber erst einmal gewöhnen. Die „Pforzheimer Zeitung“ stellt die junge Frau vor.

Es ist dunkel und kalt. In den Häusern in Knittlingen sind die Rollläden heruntergelassen. Überall Stille. Nur in einem Gebäude brennt Licht. Der herrliche Duft frischer Backwaren breitet sich aus. Während die meisten Menschen noch unter der Decke kauern und sich im Land der Träume befinden, hat für Petra Roth der Arbeitstag schon längst begonnen. Seit zwei Jahren arbeitet und lernt die 17-Jährige bei der Bäckerei „Reinhardt“ in Knittlingen. Damit hat sich die junge Frau aus Hohenklingen einen Kindheitstraum erfüllt. Bereits als kleines Mädchen backte sie mit der Mutter und der Oma fleißig Plätzchen und Kuchen. „Mit meiner Großmutter habe ich immer Kirschplotzer gemacht, die waren lecker und die Herstellung hat mir so viel Freude bereitet“, erzählt die Auszubildende mit leuchtenden Augen.

Die ungewöhnliche Arbeitszeit ist für Petra mittlerweile kein Problem mehr. Unter der Woche beginnt ihre Arbeitszeit bereits um 3 Uhr nachts. Dann klingelt um 2.30 Uhr ihr Wecker. Zu Beginn ihrer Ausbildung fiel ihr das frühe Aufstehen noch schwer. Doch das ist Vergangenheit. Lange Zeit braucht sie nicht, um sich zu richten. „Schminken tu ich mich nicht, ich arbeite schließlich in einem Handwerksberuf. Bei der Hitze würde die Schminke sowieso verlaufen“, sagt sie. Freitags muss Petra sogar noch früher ran. Bereits um Mitternacht fängt das siebenköpfige Team in der Backstube in Knittlingen die Arbeit an. Dann werden Brote geformt, Baguettes in den Ofen geschoben, süße Plunder glasiert oder Bretzeln geschlungen. Schließlich wollen die Kunden das Wochenende mit leckeren Brötchen auf dem Frühstückstisch begrüßen. Für den guten Geschmack und die Qualität gibt die 17-Jährige alles. Doch diese Leidenschaft fordert auch ihre Opfer. Wenn sich die Freundinnen abends verabreden, schläft die 17-Jährige zumeist. Zeit für die Liebsten bleibt dann häufig nur zur Mittagszeit, wenn die Freunde von der Schule nach Hause kommen.

Trotz der Nachtarbeit ist Petra auch im Privatleben sehr engagiert. Regelmäßig spielt sie im Mundharmonika-Orchester Knittlingen und übt auch daheim fleißig das Instrument. Zu Hause warten, neben den Eltern und den zwei Schwestern auch Hasen und Hühner auf Petra, die im örtlichen Kleintierzüchterverein Mitglied ist. Familie bedeutet der angehenden Bäckerin viel. „Ich bin ein Familienmensch und freue mich immer, wenn ich im Kreise meiner Liebsten sein kann“, berichtet die 17-Jährige, während sie ein Brot in den Ofen schiebt. Der Familienzusammenhalt bei den Roths ist groß. Jede Nacht wird sie von ihren Eltern oder von der Schwester von Hohenklingen nach Knittlingen zur Backstube gefahren.

Sonntags organisiert Petra die Kinderkirche. Dann wird gebastelt, gespielt und gesungen. „Ich arbeite sehr gerne mit Kindern. Regelmäßig backe ich auch mit ihnen. Die Bäckerei ,Reinhardt’ bietet solche Backstunden für die Kleinsten an“, erzählt sie stolz.

Schwierige Suche nach Azubis

Stolz ist auch Petras Ausbilder Sebastian Keßler. Mit der 17-Jährigen hätte die Bäckerei einen großen Fang gemacht, bericht der 29-Jährige zufrieden. Besonders ihre Motivation und ihre Eigenständigkeit seien ausgezeichnet. „Petra macht einen super Job. Sie ist freundlich, arbeitet gut im Team und sieht das Geschäft. Man braucht ihr nicht viel erklären. Sie weiß sofort, wo es was zu tun gibt“, sagt Keßler, der im Prüfungsausschuss sitzt und Gesellenprüfungen abnimmt.

Der 29-Jährige kennt die Probleme des Bäckerhandwerks daher genau. Immer weniger junge Menschen interessieren sich für eine Bäcker-Ausbildung. Dieser Trend treibt Kessler die Sorgenfalten auf die Stirn. Den Kopf in den Sand stecken, möchte er deswegen nicht. „Unsere Bäckerei tut viel, damit wir auch in Zukunft junge Menschen mit unserer Arbeit faszinieren können“, sagt er optimistisch. „In Zeiten von Billig-Bäckern großen Ketten und Discountern ist es enorm wichtig, dass wir den Kunden tolle Qualität liefern und wir den Menschen zeigen, wie sehr wir die Nahrung und unsere Produkte wertschätzen“, ergänzt er.

Abschlussprüfungen warten auf Petra

Die Bäckerei „Reinhardt“ wurde 1988 von Bäckermeister und Betriebsinhaber Martin Reinhardt gegründet. Mittlerweile arbeiten insgesamt 25 Mitarbeiter in den drei Verkaufsstellen, in der Backstube und in der Konditorei, in der auch Petra fleißig mithilft. „Hier kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich bekomme nicht genug vom Backen. Das freut auch meine Freunde, die zum Geburtstag immer von mir einen leckeren Kuchen bekommen“, erzählt die 17-Jährige schmunzelnd.

Im Mai und Juni stehen für die Alfons-Kern-Schülerin die Abschlussprüfungen an. Um bei diesen gut abzuschließen, will sich die lebensfrohe Petra in nächster Zeit voll reinhängen und die Lehrbücher verschlingen. Auch in Zukunft möchte sie der Knittlinger Bäckerei treu bleiben. Ansonsten hat die heimatverbundene 17-Jährige keine besonderen Wünsche. Sie ist glücklich und das merkt man ihr sichtlich an. „Ich nehm das Leben, wie es kommt“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht