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Das baden-württembergische Sozialministerium und die Kommunalen Landesverbände geben vorläufig grünes Licht für insgesamt 19 Modellprojekte aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Im Bereich Tourismus ist auch die Stadt Bad Wildbad dabei. 

Bad Wildbad wird Corona-Modellprojekt im Bereich Tourismus

Bad Wildbad/Stuttgart. Das baden-württembergische Sozialministerium und die Kommunalen Landesverbände geben vorläufig grünes Licht für insgesamt 19 Modellprojekte aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, um weitere Öffnungsschritte in Baden-Württemberg abzusichern. Die Vorhaben umfassen insbesondere die Bereiche Tourismus, Kultur, Kinder- und Jugendarbeit sowie den Sport. Mit dabei ist im Bereich Tourismus auch die Stadt Bad Widbad.

Das hat das Sozialministerium in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Demnach wurden die ausgewählten Projekte von den örtlichen Gesundheitsämtern vorab geprüft, von dort erfolgt dann auch die offizielle Zulassung. Die Durchführung der Projekte wird laut Ministerium wissenschaftlich eng begleitet.

Die Modellprojekte sind in zwei Kategorien aufgeteilt. Die Stadt Bad Wildbad gehört demnach zu den sogenannten Kurzläufern. Laut Sozialministerium sollen die Vorhaben bereits diese, spätestens aber kommende Woche starten. Zwischenberichte sollen dann nach 14 Tagen vorliegen. Auf deren Grundlage erfolge dann eine Bewertung der Ergebnisse. Bei einer unauffälligen Veränderung der Inzidenz, so das Ministerium, könne eine landesweite Ausweitung der Öffnungen erfolgen. Damit werde auch den weiteren vergleichbaren Anträgen, die auf Veranstaltungen ab Ende Juni zielen, eine Perspektive geboten.

Neben Bad Wildbad gehören auch die Städte Mengen, Sigmaringen, Bad Saulgau sowie Pfullendorf und der Hochschwarzwald Tourismus zu den Kurzläufer-Modellprojekten im Bereich Tourismus. Alle drei sollen parallel im Cluster stattfinden, einen engen Austausch setzt das Sozialministerium voraus.

Lockerungen auf dem Sommerberg in Sicht

Damit könnte es noch in den Pfingstferien auf dem Bad Wildbader Sommerberg auf der "Wildline", dem Baumwipfelpfad und im Abenteuerwald zu Lockerungen kommen. "Eigentlich wäre das erst mit dem dritten Öffnungsschritt Ende Juni möglich", so Stefanie Dickgiesser, Leiterin der Touristik in Bad Wildbad, vergangene Woche gegenüber der PZ.

Das Bad Wildbader Modellprojekt soll vom Mannheimer Institut für Public Health wissenschaftlich begleitet werden, so Dickgiesser weiter. Zusätzlich werde das Testangebot ausgedehnt und die örtlichen Infektionszahlen dürften nicht steigen. Die Touristik-Chefin zog der PZ gegenüber einen Vergleich mit der Öffnung des Europa Parks in Rust, der bereits im Pool der Modellprojekte ist.

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Nach der "Wildline": Öffnen in den Pfingstferien zwei weitere Attraktionen auf dem Sommerberg?

"Der Anteil von gut 50 Prozent aus dem Kulturbereich zeigt, wie dringend gerade diese Branche Öffnungsperspektiven braucht."

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne)

„Auch in Baden-Württemberg sinkt die Inzidenz und das Infektionsgeschehen nimmt ab. Deshalb sind weitere Modellprojekte möglich“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha bereits am Samstag in Stuttgart: "Die Auswahl ist uns natürlich nicht leichtgefallen, und ich bitte auch all jene um Verständnis, die mit ihren Vorhaben nicht zum Zug gekommen sind." Zentrale Kriterien seien neben einer engen wissenschaftlichen Begleitung auch eine zeitnahe Umsetzung gewesen, sodass die Erkenntnisse möglichst schnell vorlägen und am Ende alle Branchen davon profitierten.

Zeitnahe Durchführung wichtig

Gemeinsam mit den Kommunalen Landesverbänden hatte das Sozialministerium einen Aufruf gestartet und bis zum 20. Mai um Vorschläge für entsprechende Modellprojekte gebeten. Insgesamt 83 Anträge seien eingegangen, davon 39 im Bereich Kultur. „Der Anteil von gut 50 Prozent aus dem Kulturbereich zeigt, wie dringend gerade diese Branche Öffnungsperspektiven braucht. Dies haben wir bei unserer Projektauswahl ebenfalls berücksichtigt“, so Minister Lucha.

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Kriterien für die Auswahl waren neben der wissenschaftlichen Begleitung auch die Übertragbarkeit der Projekte auf den jeweiligen Lebens- und Branchenbereich, die Qualität von Test- und Hygienekonzepten sowie die digitale Kontaktpersonennachverfolgung und vor allem eine zeitnahe Durchführung. Grundvoraussetzung für alle Modellprojekte ist laut Sozialministerium auch weiterhin, dass die 7-Tages-Inzidenz im jeweiligen Stadt- oder Landkreis stabil unter 100 liegt und die Bundesnotbremse nicht in Kraft ist. Nähere Details zur Umsetzung der Projekte müssten in den kommenden Tagen aber noch zwischen dem Sozialministerium und den betroffenen Projektträgern abgestimmt werden.

Zwei Kategorien

In dem gemeinsamen Auswahlverfahren von Sozialministerium und Kommunalen Landesverbänden wurden die ausgewählten Modellprojekte laut Mitteilung zwei Kategorien zugeordnet:

  • Modellvorhaben, die bei entsprechenden Voraussetzungen gegebenenfalls nach etwa zwei Wochen in landesweite Öffnungen übertragen werden können (Kategorie 1)
  • Modellvorhaben, die bei entsprechenden Voraussetzungen gegebenenfalls nach etwa vier oder mehr Wochen in landesweite Öffnungen übertragen werden können (Kategorie 2)

Die Kommunalen Landesverbände begrüßen laut Mitteilung, dass das Land damit ihren Vorschlag zur Bildung von Modellkategorien aufgegriffen habe. So werde sichergestellt, dass die erreichten Erkenntnisgewinne perspektivisch auch schnellstmöglich auf landesweite Öffnungskonzepte übertragen werden können. Der Präsident des Gemeindetags, Steffen Jäger, das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Städtetags, Gudrun Heute-Bluhm, und der Hauptgeschäftsführer des Landkreistags, Alexis von Komorowski, sind sich daher in ihrer Bewertung einig: „Die Zahl von 83 Anträgen für das Erproben weiterer verantwortlicher Öffnungsschritte bestätigt ein weiteres Mal, dass die Städte, Gemeinden und Landkreise tatkräftig und innovativ zur bestmöglichen Pandemiebewältigung beitragen.“ Allerdings liege es bei so vielen Modellprojekten in der Natur der Sache, dass nicht alle Projekte berücksichtigt werden könnten.

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Die aktuell sehr positive Inzidenzentwicklung habe es dabei ermöglicht, mit dem Land Einvernehmen darüber zu erzielen, dass Stadt- und Landkreise mit einer stabilen 7-Tages-Inzidenz unter 50 rasch zusätzliche Öffnungsperspektiven erhalten sollen. Insbesondere soll die Corona-Verordnung – vorbehaltlich der Zustimmung der Ressorts - bereits zum 7. Juni dahingehend angepasst werden, dass die betreffenden Stadt- und Landkreise unmittelbar in die Öffnungsstufe 3 einsteigen können, ohne die vorhergehenden Öffnungsstufen durchlaufen zu müssen. Diese generelle Öffnungsperspektive biete zahlreichen eingereichten Modellvorhaben die Möglichkeit der regulären Umsetzung im Rahmen der Corona-Verordnung.

Die Verantwortlichen der ausgewählten Projekte sind laut Sozialministerium nun aufgefordert, nach zwei beziehungsweise vier Wochen einen Zwischenbericht vorzulegen. Auf dieser Basis werde das Sozialministerium dann kurzfristig über weitere Schritte entscheiden.

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Im Zusammenhang mit einem ersten Modellprojekt des Europaparks in Rust - gestartet am 21. Mai - sollen schon in den kommenden Tagen erste wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Damit wird laut Mitteilung den Freizeitparks im gesamten Land eine zeitnahe Öffnung Anfang Juni 2021 in Aussicht gestellt. Dieses Vorgehen soll letztlich auch als Vorbild für die Bewertung der übrigen, jetzt ausgewählten Modellvorhaben dienen. Bereits frühzeitig starten konnte laut Mitteilung beispielsweise auch ein Jugendprojekt aus dem Landkreis Emmendingen, das über Pfingsten Erkenntnisse für Jugendfreizeiten für die anstehenden Sommerferien liefern soll.

Außerdem sind laut Sozialministerium sogenannte Selbstläufer-Vorhaben identifiziert worden: Bei diesen wird davon ausgegangen, dass sie perspektivisch aufgrund des zu erwartenden abnehmenden Infektionsgeschehens und der damit einhergehenden Öffnungsschritte ohnehin durchgeführt werden können und nicht als Modell erprobt werden müssen. Sicherheitshalber wurden laut Mitteilung aber auch für diese Vorhaben bereits Vorratsbeschlüsse gefasst.