nach oben
Tagsüber dringt starker Verkehrslärm (rot bis blau) in Nieferns Wohngebiete, da besteht Handlungsbedarf. Zum Vergleich: 70 Dezibel sind so laut wie ein Staubsauger. Foto: BS Ingenieure
Tagsüber dringt starker Verkehrslärm (rot bis blau) in Nieferns Wohngebiete, da besteht Handlungsbedarf. Zum Vergleich: 70 Dezibel sind so laut wie ein Staubsauger. Foto: BS Ingenieure
In Öschelbronn ist es in der Hauptstraße laut. Bei der geplanten Fahrbahnerneuerung wird vielleicht ein Flüsterbelag eingebaut. Foto: BS Ingenieure
In Öschelbronn ist es in der Hauptstraße laut. Bei der geplanten Fahrbahnerneuerung wird vielleicht ein Flüsterbelag eingebaut. Foto: BS Ingenieure
25.05.2017

Bahn, Biker, Lkw: Lärm-Cocktail ergießt sich über Niefern

Niefern-Öschelbronn. Was für eine Lärmbelastung in Niefern: Ein heftiger Mix von Schallwellen strahlt in die Wohnhäuser. Täglich passieren auf der A8 rund 90.000 Fahrzeuge das Enztal. Auf der B10 bei Niefern sind pro Tag zwischen 19.000 und 25.000 Fahrer unterwegs. Auf der Hauptstraße durch Niefern dringt Verkehrslärm von 8000 bis 15.000 Autos zu den Wohnungen. Die Öschelbronner Ortsdurchfahrt benutzen täglich rund 4000 Fahrer. Die A8 wird von Ende 2018 an ausgebaut, aber wie kann die Gemeinde die Lärmwerte auf ihren Straßen in eigener Regie senken?

Klar ist: Es besteht Handlungsbedarf. Das zeigen die Karten mit Lärmwerten (siehe Grafiken). Im Gemeinderat hat Wolfgang Schröder vom Büro BS Ingenieure, das die Werte berechnet hat, Verringerungen der Geschwindigkeiten vorgeschlagen. Der Aktionsplan sieht in Nieferns Hauptstraße rund um die Uhr Tempo 30 statt 50 vor. In Öschelbronn sind nachts höchstens 30 Kilometer pro Stunde erlaubt. Die Bürger können nun die Lärmpläne vom 8. Juni bis zum 7. Juli im Bauamt des Nieferner Rathauses ansehen.

Zum Lärm-Cocktail, wie der CDU-Fraktionschef Udo Hummel den Schalldruck in Niefern empfindet, gehört aus Sicht des SPD-Gemeinderats Jürgen Aydt aber auch der Lärm, den die Züge ausstrahlen. Die Anwohner spürten nicht unterschiedliche Quellen, sondern die Lärmsumme, so Hummel. Aydt machte sich für Tempo 30 auch am Nieferner Enzberg und in der Eutinger Straße stark. Doch für solche Verbesserungen sei „allein die Bahn verantwortlich“, sagte Schröder. Doch jetzt tue sich etwas, sagte Bürgermeisterin Birgit Förster: „Die Bahn hat uns informiert, dass in unserem Abschnitt eine Lärmsanierung beginnt.“

Schläge durch Lastwagen

Erik Schweickert, Vorsitzender der FW/FDP-Fraktion, war enttäuscht von den Vorschlägen des Büros BS – so nötig die Tempoverminderung in den beiden Ortsdurchfahrten auch sei. „Das sind mir zu wenig dynamische Lösungen“, sagte Schweickert. Es gebe Probleme mit „Lastwagen, die regelrechte Schläge verursachen“ oder Kanaldeckel, die nicht richtig sitzen und beim Überfahren knallen. Infrage kämen auch Durchfahrtsverbote.

Und was ist mit Flüsterasphalt? Das Land habe die Behörden angewiesen, bei der Erneuerung von Fahrbahnen immer zu prüfen, ob ein lärmmindernder Belag eingebaut werden soll, sagte Schröder. Bei der geplanten Sanierung in Öschelbronn wäre das möglich.

Noch ein Problem: Motorradfahrer, die richtig Gas geben. Da sei Tempo 30 eine richtige Maßnahme, sagte Gemeinderat Volker Siedentopf (LMU), selbst ein Biker. Bei dieser Geschwindigkeit sei eine Maschine nicht mehr so laut. Kaum hatte er es gesagt, brauste am Nieferner Bürgerhaus ein Motorradfahrer vorbei – und schreckte die Ratsrunde auf.

Die Gemeinde will die Bürger über den Entwurf des Lärmplans informieren. Der Gemeinderat wird dann beschließen, wie Belastungen heruntergehen sollen.