nach oben
Am Pforzheimer Bahnhof stehen viele Züge still. © Ketterl
20.05.2015

Bahnchaos in der Region: Welche Züge fahren

Pforzheim/Enzkreis. Der Bahnstreik hinterlässt bereits seine Spuren in der Region: Am Vormittag sind in Pforzheim und Mühlacker keine Intercitys (IC) und Interregio-Expresse (IRE) gefahren. Die Regional-Expresse (RE) zwischen Karlsruhe und Stuttgart fahren ebenfalls nicht, die Bahn sorgt jedoch für Ersatzzüge.

Bildergalerie: Bahnstreik in der Region

Die Regionalbahnen (zum Beispiel nach Horb oder Tübingen) sind gestrichen. Worauf sich Fahrgäste verlassen können sind die S5 und S6 nach Vaihingen und Bad Wildbad, da die nicht vom Streik der GDL betroffen sind. Weitere Infos finden Sie hier.

Doch nicht nur Bahnreisende sind betroffen. Viele Passagiere steigen auf das Auto um, was sich im Verkehrsaufkommen niederschlägt. Längere Staus auf der A8 gab es im Berufsverkehr am Morgen, heute Abend müssen Pendler daher erneut mit Verkehrsbehinderungen rechnen.

Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken seit Mittwochmorgen um 2 Uhr auch wieder im Personenverkehr. Wann der Streik enden wird, hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) diesmal offen gelassen. Bereits am Dienstagnachmittag hatten die Lokführer der Güterzüge die Arbeit niedergelegt. Es ist der neunte Streik in diesem Tarifkonflikt seit Anfang September.

Dadurch fallen voraussichtlich etwa zwei Drittel der Fernzüge aus und je nach Region 40 bis 85 Prozent der Nahverkehrszüge. Sollten sich Bahn und GDL nicht am Verhandlungstisch wieder näher kommen, soll der Streik «etwas länger» dauern als Anfang Mai, hatte GDL-Chef Claus Weselsky angekündigt. Damals waren es knapp sechs Tage. Nun soll der Ausstand nach Ankündigungen der GDL über die Pfingstfeiertage andauern.

Nach Informationen der «Bild»-Zeitung (Mittwoch) soll der Deutsche Beamtenbund keine finanzielle Unterstützung für die GDL leisten. Grund sei, dass die GDL diesmal keinen entsprechenden Antrag gestellt habe.

Über einen Vermittlungsversuch gab es zunächst keine näheren Informationen. Bahn und GDL loteten bei einem Treffen in Frankfurt die rechtlichen Bedingungen einer möglichen Schlichtung aus. Als unabhängige Instanz nahm der frühere Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler teil. «Es ist Vertraulichkeit verabredet worden», sagte eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Die Gespräche sollten «kurzfristig fortgesetzt» werden.

Der Vorsitzende des Dachbverbands dbb-Beamtenbund, Klaus Dauderstädt, verteidigte den Streik. «Wir stehen hinter den Zielen der GDL», sagte er der «Nordwest-Zeitung» (Mittwoch). «Wenn man am Verhandlungstisch nicht weiterkommt, gehören immer zwei Seiten dazu.» Die Deutsche Bahn AG habe nicht genug dafür getan, schnell zu einer Einigung zu kommen.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann kritisierte den GDL-Chef indes erneut: Weselsky wolle augenscheinlich das Gesetz über die Tarifeinheit abwarten, «um dann im Zusammenhang mit dem schwelenden Konflikt gegen das Gesetz klagen zu können», sagte er dem «Tagesspiegel» (Mittwoch). Er instrumentalisiere die Beschäftigten und die Kunden der Bahn gegen das Gesetz. «Das geht zu weit, um es vorsichtig zu sagen», sagte Hoffmann.

Wirtschaftsverbände wiesen auf drohende Probleme durch den Ausstand hin. «Die Ankündigung eines unbefristeten Bahnstreiks ist pures Gift für das Krisenmanagement der Unternehmen», klagte der Bereichsleiter Gunnar Gburek vom Logistik-Bundesverband BME. Die Chemieindustrie - einer der wichtigsten Güterkunden der Bahn - überdenkt ihre Logistikkonzepte.