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Einstieg mit Rollstuhl unmöglich: Für Sabine Meier mit Ehemann René (rechts) sind heute die Stufen in Niefern zu hoch, wie sie im September zeigten. Der FDP-Politiker Erik Schweickert macht sich für die rasche Anhebung des Bahnsteigs stark – auf 55 Zentimeter wie in der Region zuletzt üblich. Doch die Bahn will mehr.Foto: Tilo Keller, Archiv
Einstieg mit Rollstuhl unmöglich: Für Sabine Meier mit Ehemann René (rechts) sind heute die Stufen in Niefern zu hoch, wie sie im September zeigten. Der FDP-Politiker Erik Schweickert macht sich für die rasche Anhebung des Bahnsteigs stark – auf 55 Zentimeter wie in der Region zuletzt üblich. Doch die Bahn will mehr.Foto: Tilo Keller, Archiv
26.03.2017

Bahnsteighöhen: Hickhack zwischen Land und Deutscher Bahn geht weiter

Niefern-Öschelbronn/Enzkreis. Das Verwirrspiel geht weiter: Die Haltestellen der Bahnlinie von Karlsruhe über Pforzheim nach Stuttgart sind durchweg 55 Zentimeter hoch oder werden wie zurzeit in Pforzheim und Mühlacker auf diese Höhe über den Gleisen ausgebaut. Doch in Niefern will die Deutsche Bahn offensichtlich nach wie vor für ein Unikum sorgen. Dort sollen die Bahnsteige auf 76 Zentimeter angehoben werden. Theoretisch könnte im Nieferner Bahnhof, in dem nur der Regional-Express (RE) und die S-Bahn halten, dann ein Intercity-Express (ICE) Station machen.

Das Land wundert sich

Über diese Umbaupläne wundert sich auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Schon vor rund 25 Jahren habe sich das Land mit der Bahn auf eine einheitliche Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern geeinigt. Das erlaube Fahrgästen, stufenfrei in Nahverkehrszüge einzusteigen, aber auch in den künftig fahrenden Doppelstock-Intercity von Karlsruhe über Stuttgart nach Nürnberg, teilte Hermann dem Landtagsabgeordneten Erik Schweickert jetzt mit.

Die Festlegung der Bahn auf ICE-geeignete 76 Zentimeter hohe Bahnsteige sei für das Land nicht nachvollziehbar, so Hermann. Außerdem hätten die bereits auf rund einen halben Meter umgebauten Haltestellen in Pforzheim und im Enzkreis Bestandsschutz.

Doch warum beharrt die Bahn auf einer Bahnsteighöhe, die man in Niefern nicht benötigt und gegen die sich die Gemeinde Niefern-Öschelbronn wehrt, weil sie nicht zur derzeit laufenden Sanierung des historischen Bahnhofgebäudes passt? Hintergrund ist die Eisenbahnbetriebsordnung, die eine Soll-Vorschrift enthält, bundesweit Bahnsteige auf 76 Zentimeter umzurüsten, wie die PZ bereits über den Sonderfall Niefern berichtete. Die Deutsche Bahn lege diese Vorgabe stringent aus, so Landesminister Hermann. Das gefährde nun die geplanten Modernisierungen. Die Verkehrsminister der Länder würden deshalb auf ihrer nächsten Konferenz dieses Problem besprechen.

Aus Sicht von Schweickert wächst sich der Fall Niefern inzwischen „zu einer Bahnposse aus, die immer neue Blüten treibt“. Das Gerangel zwischen dem Land, das an der Höhe von 55 Zentimetern festhält, mit dem Bundesverkehrsministerium und der Bahn verstehe niemand mehr. Der Streit betreffe jetzt zufällig den Bahnhof in Niefern, da die dortige Haltestelle als nächstes auf der Ausbauliste steht. Schweickert, auch Gemeinderat in Niefern-Öschelbronn und Kreisrat, befürchtet jedoch, dass sich „dieses Problem auch bei allen anderen anvisierten Bahnhofsausbauten im Enzkreis wiederholt“ – wie in Wilferdingen-Singen, Königsbach, Bilfingen, Ersingen Bahnhof, Ispringen, Eutingen, Enzberg, Mühlacker Rößlesweg, Illingen, Ötisheim, Maulbronn West und in Knittlingen-Kleinvillars.

„Das ewige Hin und Her“ des Landes, des Bundes und der Bahn bedeute für die Gemeinden im Enzkreis „im wahrsten Sinne ein Auf und Ab“, sagt der FDP-Politiker. Hermanns Aussage, bestehende Bahnsteige hätten Bestandsschutz, sei keine Erleichterung. Denn noch gebe es „keinen abgestimmten roten Faden“ zwischen Land und Bund für Bahnsteighöhen. Der Landesminister solle rasch auf eine Einigung mit Bund und Bahn hinwirken – damit die Gemeinden im Enzkreis Planungssicherheit haben und der barrierefreie Ausbau sich nicht verzögert.