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S-Bahn in Pforzheim © Ketterl
Bahnstreik © Simon Walter
Der IC zwischen Pforzheim und Mühlacker fiel aus © Walter
14.10.2014

Bahnstreik-Ticker: Zugverkehr rollt wieder, aber Behinderungen bis zum Mittag

Nach dem 14-stündigen Streik der Lokführer ist der Bahnverkehr im Südwesten am Donnerstagmorgen wieder angelaufen. Vor allem im Fernverkehr und vereinzelt bei Regionalzügen müssten Reisende jedoch noch mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen, sagte ein Bahnsprecher in Stuttgart. Bis zum Nachmittag solle dann aber alles wieder planmäßig laufen. Während des bundesweiten Streiks fielen am Mittwoch im ganzen Land viele Verbindungen aus, in Stuttgart blieben die Bahnsteige der S-Bahn leer.

So fingen die Bahnprobleme am Mittwoch an: Die ersten Züge stehen bereits still - am Mittwochmorgen um kurz nach 9 Uhr warteten viele Fahrgäste in Pforzheim bereits vergebens auf den Intercity in Richtung Mühlacker. Zwar treten  die Lokführer erst um 14 Uhr bundesweit in den Streik. Doch Probleme gibt es schon früher.

Bildergalerie: Lokführer streiken: Szenen von Bahnhöfen der Region

Bildergalerie: Bundesweiter Bahnstreik legt Bahnverkehr lahm

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Im festgefahrenen Tarifkonflikt rief die Lokführergewerkschaft GDL ihre Mitglieder am Dienstagabend zu einem flächendeckenden 14-stündigen Ausstand auf - von 14.00 Uhr am Mittwoch bis 4.00 Uhr am Donnerstagmorgen. Bei der Bahn gilt im Fernverkehr wegen des angekündigten Lokführerstreiks am Mittwoch bereits von 0.00 Uhr an ein Ersatzfahrplan.  Betroffen sind der Fern- und Regionalverkehr ebenso wie S-Bahnen und der Güterverkehr.

Reisende könnten die am Mittwoch gültigen Zugverbindungen seit Dienstagabend auf der Website der Bahn über die normale Fahrplanauskunft abrufen, teilte der Konzern mit. Wo der Streik selbst zu Ausfällen und Verspätungen führt, wisse man aber erst zu Beginn des Arbeitskampfes um 14.00 Uhr, sagte ein Bahnsprecher. Erfahrungsgemäß sind auch nach dem Ende des Streiks noch erhebliche Einschränkungen möglich.

HIER geht es zu den Infos sowie der Fahrplanauskungt der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn verweigere inhaltliche Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), kritisierte der Vorsitzende Claus Weselsky - ein Vorwurf, den die Bahn erst am Dienstag zurückgewiesen hatte. «Die DB verlangt von uns tatsächlich, dass wird die Füße stillhalten, bis wir gesetzlich abgeschafft werden», sagte Weselsky, der auf ein Gesetz zur Tarifeinheit verwies, das die Bundesregierung plant.

Die Deutsche Bahn kritisierte den neuerlichen Streik als völlig unverständlich. Der Ausstand bringe beide Seiten in der Sache nicht weiter, teilte der Konzern mit. «Die GDL sollte verhandeln statt streiken.» Abermals wies die Bahn den Vorwurf zurück, sie wolle mit den Lokführern nicht über Inhalte verhandeln.

Erst in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche hatte ein neunstündiger Streik den Bahnverkehr gelähmt und auch tagsüber noch zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen geführt. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Geld und eine zwei Stunden kürzere Wochenarbeitszeit.

Die Lokführergewerkschaft will auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen sowie Disponenten verhandeln, die in den Leitzentralen Züge und Personal koordinieren. Dabei rivalisiert sie mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn will aber konkurrierende Tarifverträge verhindern, deshalb scheiterten bislang die Verhandlungen.

Weselsky betonte: «Der Arbeitgeber weiß, dass wir bereit sind, bei den inhaltlichen Verhandlungen auch Zugeständnisse zu machen.» Zuvor hatte der die Bahn am Dienstag nochmals scharf angegriffen. An die Gewerkschaftsmitglieder schrieb er: «Wir müssen gemeinsam erleben, wie das Management der DB in einer unglaublich perfiden Art Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um unsere berechtigten Forderungen zum Schutz vor Überlastung des Zugpersonals abzuschmettern.»

Die Lokführer würden «als unbotmäßige, nimmersatte und den sozialen Frieden des Landes bedrohende Separatisten in die Ecke gestellt», beklagte Weselsky. «Damit werden wir in der Tarifrunde 2014 ein für alle Mal Schluss machen.» Er fügte hinzu: «Der gezielte Versuch, euren Bundesvorsitzenden als Egomanen zu diskreditieren, geht gründlich in die Hose», schreibt er in einer Gewerkschaftszeitschrift.

Wie Reisende jetzt vorgehen sollten:

Schritt 1: Prüfen, ob der Zug tatsächlich ausfällt

Die Bahn hat einen Ersatzfahrplan aufgestellt, einige Verbindungen im Regional- und Fernverkehr können trotz des Streiks stattfinden. Bahngäste sollten deshalb nicht von vornherein zu Hause bleiben, sondern auf www.bahn.de in der Liveauskunft suchen, ob ihr Zug abfährt. Auch unter der kostenlosen Servicehotline, erreichbar unter 08000/99 66 33, erhalten Fahrgäste Informationen.

Schritt 2: Anderen Zug nutzen oder Fahrkarte erstatten lassen

Ist die eigene Verbindung nicht im Ersatzfahrplan, haben Fahrgäste zwei Möglichkeiten: Sie können gar nicht fahren oder mit anderen Zügen versuchen, ans Ziel zu kommen.

Die Deutsche Bahn bietet betroffenen Fahrgästen an, dass sie ihre Fahrkarte und Reservierung kostenlos erstatten lassen können. Möglich ist das zum Beispiel in den DB Reisezentren. Gäste mit Online-Tickets können sich das Geld auch über ein Internet-Formular kostenfrei erstatten lassen.

Wer trotz des Streiks versuchen will, an sein Ziel zu gelangen, darf den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall werde bei zuggebundenen Tickets - wie den Sparpreis-Angeboten, die Zugbindung aufgehoben.

 

Schritt 3: Bei Verspätung Geld erstatten lassen

Laut Gesetz bekommen Fahrgäste einen Teil ihres Fahrpreises zurück, wenn sich der Zug um mehr als 60 Minuten verspätet: Ab einer Stunde sind es 25 Prozent des Reisepreises, ab 120 Minuten 50 Prozent. Das gilt auch bei einem Streik. Die Bahn kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen.