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Mächtig ragt die Flatterulme in den Himmel empor. Ihr Erscheinungsbild unterscheidet sich deutlich von den umliegenden Bäumen im Norden von Bauschlott. Naturschützer Gerhard Vögele mag dieses charakterstarke Exemplar ganz besonders.  Fotos: Marx 
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Markante Details gehören mit zur Neulinger Flatterulme. 
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Nicht von ungefähr bezeichnet man die festen Standbeine als Brettwurzeln. 

Baum des Jahres 2019: Hier ist die Flatterulme im Enzkreis zu finden

Pforzheim/Enzkreis. Die Flatterulme ist der Baum des Jahres 2019. Ein knorriges Exemplar dieser beeindruckenden Pflanze findet sich am Rand des Enzkreises auf Bauschlotter Markung. Durch den Forst ist Vogelexperte Gerhard Vögele vom Pforzheimer Sonnenberg auf das seltene Exemplar aufmerksam gemacht worden.

Seitdem hat ihn der Anblick der Flatterulme immer wieder aufs Neue fasziniert. Bäume sind zwar nicht das originäre Spezialisierungsgebiet des Vogelkundlers und Naturschutzbund-Aktivisten, gleichwohl wecken sie als Lebensraum für Vögel seine Neugierde.

Auch Rüster genannt

Die Flatterulme, auch Rüster oder Ulmus leavis genannt, ist selten geworden. Und das ist der Grund für das Kuratorium Baum des Jahres (KBJ) gewesen, ihn für 2019 in den Fokus des Interesses zu stellen. Sie wächst laut Vögele gerne an Flüssen und in Auwäldern und liebt einen feuchten Untergrund. Begradigte Flussläufe und trockengelegte Feuchtgebiete stellen das Überleben dieser Art auf eine harte Probe. Experten hoffen, dass die Flatterulme bei ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, beispielsweise in den Enzauen, stärker zum Zuge kommt.

Dass die Flatterulme in der Region nur vereinzelt anzutreffen ist, bestätigt der stellvertretende Leiter des Enzkreis-Forstamts, Andreas Roth. Sicherlich sei sie ganz vereinzelt in den Revieren vorhanden, aber den entsprechenden Überblick hätten die Förster vor Ort. Als Wirtschaftsbaum spiele die Ulme im Enzkreis keine Rolle.

Die Flatterulme ist gleichwohl eine Art Hoffnungsträger. Anders als die Berg- und Feldulme, zeigt sie sich widerstandsfähiger gegen Ulmensplintkäfer, wie der Obst- und Gartenbauexperte Bernhard Reisch vom Enzkreis-Landratsamt erläutert. Der Käfer bohre den Baum zwar an, der damit einhergehende Pilzbefall habe aber nicht die fatalen Folgen wie vor allem bei der Bergulme.

Tatsächlich hegen die Experten große Hoffnungen. Beim KBJ wird der Flatterulme das Potenzial zum „Rettungsfloß“ für die heimischen Ulmen zugesprochen. Und auch bei Klimaveränderungen weise der Baum resistente Charakteristika auf. Übrigens nicht nur für den Artenschutz, sondern auch als Stadtbaum. Die Pflanze ist in Parks mit Teichen und Seen anzutreffen. Man gibt ihr im Enzkreis auch eine Chance nach Baumaßnahmen bei der Straßenrandbepflanzung. Reisch berichtet, dass man einige resistente Exemplare zwischen Tiefenbronn und Wimsheim angesiedelt habe.

Das Erstaunliche: Als die Bäume ihr typisches Blüten- und Blätterwerk zeigten, hätten sich Bürger gemeldet und gefragt, um welche tollen Exemplare es sich dort handele. So selten sei die Flatterulme mittlerweile geworden. Diese Baumart sei bei vielen Zeitgenossen nicht mehr als heimische Baumart präsent.

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