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25.10.2015

Bauschlott: Erinnerungen an einen Volksaufstand

Neulingen-Bauschlott. Die Deutsch-Ungarische Gesellschaft (DUG) Pforzheim-Enzkreis erinnerte anlässlich des ungarischen Nationalfeiertags am 23. Oktober wieder in Bauschlott an den Aufstand von 1956 in Ungarn. Hierzu fand am Ungarndenkmal auf dem Dorfanger eine Feierstunde statt. Die würdevolle Eröffnung erfolgte durch ein Trompetensolo von Sascha Eisenhut aus Bad Liebenzell.

Für den erkrankten Präsidenten Dr. Joachim Rösch hielt seine Stellvetreterin Catalin Stiess die Gedenkrede, sie sagte, dass dieser Tag im Kalender der ungarischen Geschichte mit einem roten Stift vermerkt sei: „Ein kleines, unterdrücktes Land besiegte damals seine Furcht und erhob sich gegen die Sowjetunion, eine der stärksten militärischen Mächte der Welt.“ Wer diese Tage in Ungarn erlebt habe, für den seien sie unvergesslich.

Stiess schilderte die damaligen Ereignisse, die mit einer Solidaritätsbekundung mit dem gescheiterten polnischen Arbeiteraufstand begannen. Die Studenten in Ungarn haben damals demokratische Rechte und größere Freiheit verlangt. Doch der Staatsschutz habe auf die Menschen schießen lassen.

Die Soldaten der Kiliankaserne hätten jedoch ihre Gewehre abgegeben und Polizisten sich auf die Seite der Aufständischen gestellt. In den ersten beiden Tagen seien damals rund 250 junge Leute gefallen. Die sowjetischen Truppen hätten sich danach zum Schein zurückgezogen. „Für ein paar Tage wähnte sich das Land in Freiheit. Doch das Wunder blieb aus und auf Wunsch der ungarischen Regierung kehrte die Übermacht der Russen zurück und erstickte den Widerstand“, sagte die DUG-Vizepräsidentin. Als grausame Rache seien in der Folge 300 Menschen hingerichtet worden.

Blumenschmuck am Denkmal

In der Verpflichtung für diese Opfer, verbunden mit einer Schweigeminute, legte Stiess ein Gesteck mit Schleifen in den ungarischen und deutschen Nationalfarben am Mahnmal nieder. Zudem stellten Mitglieder zuvor Blumenschalen ab.

Beisitzerin Margot Velkopolszky trug das Gedicht „Der Grenzstein“ von einem unbekannten Verfasser vor, das auf den 23. Oktober 1956 hinweist. Dabei wurde daran erinnert, dass das in Bauschlott, wo im Schloss von 1953 bis 1956 das ungarische Gymnasium seinen Sitz hatte, vor neun Jahren aufgestellte Ehrenmal einst auch ein Grenzstein war.

Eva Mezei las aus einem nach dem Aufstand von 1956 herausgebrachten Buch ein Gedicht in ungarischer Sprache vor. Die zum Abschluss gemeinsam gesungene deutsche und ungarische Nationalhymne begleitete Eisenhut mit seiner Trompete.

Die Mitglieder hoffen, dass Präsident Joachim Rösch, der seit der Gründung im April 1998 der DUG mit Leib und Seele vorsteht, bald wieder gesund wird. Rösch ist für sein Engagement vielfach ausgezeichnet worden.