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11.02.2010

Befürworter einer Stadtbahn sehen sich bestärkt

ENZKREIS/PFORZHEIM. Auf der Suche nach der besten Lösung für eine Stadtbahn zwischen Ittersbach und Pforzheim gehen die Blicke zu den Erfahrungen anderer Städte. Heilbronn etwa schwört auf die Bahn durchs Zentrum.

Die jüngste Runde im Ringen um das beste Stadtbahnkonzept für die Region hatte die CDU am Wochenende eingeläutet. Bei einem Treffen in Keltern hatten sich Vertreter von Ortsverbänden aus dem westlichen Enzkreis und aus Pforzheim einhellig dafür stark gemacht, dass eine neue S-Bahn von Ittersbach her über den Arlinger und Brötzingen bis zum Pforzheimer Leopoldplatz fahren sollte . Eine Idee, für die auch die Seniorenunion Pforzheim/Enzkreis eintritt.

Deren Vorsitzender Wolfgang Mößner hat in den Tagen danach Argumente für die zentrale Trasse in anderen Städten gesucht: In der Nachbarschaft, in Bretten, aber auch in Heilbronn, einer Stadt in der Größenordnung Pforzheims. Im Blickpunkt steht dabei vor allem das Pforzheimer Ende der möglichen neuen S-Bahn-Trasse. Die Sicht der Enzkreis-Kommunen hatte zuletzt zum Beispiel Birkenfelds Bürgermeister Reiner Herrmann öffentlich im Gemeinderat verdeutlicht. „Wenn die Züge nicht mitten in die Stadt fahren, kann man das Buch ‚Neue S-Bahn‘ gleich wieder zuschlagen.“

Mößner schätzt das ähnlich ein. Über sein langjähriges Engagement in der Brettener Bäcker-Innung hat er Kontakte zum Handel in der Melanchthonstadt, deren Zentrum von den S-Bahn-Gleisen umgangen wird. Immer wieder höre er die Ansicht, es sei zu wenig Leben in der dortigen Innenstadt. Ein Grund dafür ist nach Mößners Einschätzung und Erfahrung, dass die Bahnen zu weit weg von der Mitte sind. Sein Gegenbeispiel ist Heilbronn. „Da fährt man mitten rein zum Rathaus oder zur Harmonie“, sagt er, „und dort ist Leben in der Innenstadt.“

Das sind persönliche Einschätzungen. Hört man sich aber in Heilbronn um, wird einem ein ähnliches Bild vermittelt. Ehe die Gleise 2001 vom Bahnhof mitten in die Stadt verlegt worden seien, habe es heftige Diskussionen um die Trassenführung und die Gestaltung gegeben, sagt Achim Ühlin von der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken. Der Bau selbst sei auch eine Belastung gewesen, aber „insgesamt hat sich die Stadtbahn aus unserer Sicht bewährt.“ Zum Beleg streicht er eine Zahl heraus: „2009 wurden auf der Innenstadtstrecke rund 5,1 Millionen Menschen befördert.“ Die Bahn habe mit begleitenden Projekten Flair in die Heilbronner Mitte gebracht und Leben für die Einkaufsstadt.

Das würde auch Martin Weiß von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken unterschreiben. Weiß berät Existenzgründer und erinnert sich gerne an die Zugkraft der Bahn. Mit den Gleisen sei viel bewegt worden. Das Bahnhofsumfeld sei umgestaltet worden. „Da haben sich schnell schöne Restaurants angesiedelt, Eiscafés, Boutiquen und anderes“, so Weiß. Insgesamt habe sich dadurch viel Positives für die Stadt ergeben. „Beim Einkaufen trifft man heute oft Leute aus Eppingen“, nennt er als Beispiel, „die sind früher eher nach Karlsruhe, aber seit die mit der S-Bahn mitten nach Heilbronn kommen, haben sich viele umorientiert.“
Die Stadt Heilbronn wird derzeit wie viele andere Kommunen von der Wirtschafts- und Finanzkrise gebeutelt. Trotzdem läuft derzeit die Planfeststellung für weitere vier Kilometer Gleise durch die Innenstadt.