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Der Diakonieverband Nordschwarzwald wird im Jugendhilfe-Ausschuss des Calwer Kreistags mit dem Siegel „Aktiv im Kinderschutz“ ausgezeichnet. Im Bild zu sehen (von links): Wolfgang Borkenstein (Kreisjugendring), Elfriede Stephan (Bereichsleiterin Diakonie Nordschwarzwald), Natalia Maschke und Stefanie Oster (Vertreterinnen der Kitas), Landrat Helmut Riegger und Bernd Schlanderer (Geschäftsführer Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald). Foto: Landratsamt

Bei Jugendhilfe setzt Calw auf Spezialangebot

Kreis Calw. Über die Entwicklungen in der Jugendhilfe hat der für diese Themen zuständige Ausschuss des Kreistags Calw diskutiert.

Das Landratsamt setze weiter verstärkt auf ambulante Unterstützung, sagte Sozialdezernent Norbert Weiser. Kaum verwunderlich, dass die Fallzahlen in diesem Bereich steigen – etwa bei der sozialpädagogischen Familienhilfe sowie beim Erziehungsbeistand und bei Betreuungskräften. „Wann immer es pädagogisch vertretbar ist, greifen wir wie schon in den vergangenen Jahren zu ambulanten Angeboten“, sagte Weiser. Auffallend sei jedoch, wie oft Kinder in Not vorläufig aus den Familien herausgeholt werden müssen: „Im Jahr 2018 hat sich die Zahl gefährdeter Kinder verdoppelt.“ In rund der Hälfte aller Fälle litten Kinder unter Vernachlässigung, wie die PZ bereits berichtete.

Für das große Paket der Hilfen gibt der Landkreis Calw viel Geld aus. Heimerziehung, betreute Wohnformen und Familientherapie schlugen 2018 mit rund 4,7 Millionen Euro zu Buche. 2017 waren es noch rund vier Millionen Euro, vor fast einem Jahrzehnt noch 2,8 Millionen Euro. Teuer ist laut Dezernent Weiser die Vollzeitpflege mit knapp 1,5 Millionen Euro – die Fälle nehmen zwar kaum zu, aber die Kosten für ganz besondere therapeutischen Angebote würden von Jahr zu Jahr immer stärker angehoben, sagte Weiser. Für die Tagespflege habe die Kreisverwaltung im vergangenen Jahr knapp 1,6 Millionen Euro aufgewendet.

Zum Vergleich: Im Jahr 2010 kam dieser Etatposten noch mit 120 000 Euro aus. Der Kreis habe sein Modell für die Eltern der betreuten Kinder und für die Tagesmütter Zug um Zug verbessert. „Die Tagespflege ist eine tragende Säule in Städten und Gemeinden“, sagte Weiser.

Kräftig gestiegen sind die Ausgaben beim Unterhaltsvorschuss. Mitte 2017 hatte die Bundesregierung den Anspruch ausgeweitet. Seither umfasst das Gesetz Kinder, bis sie volljährig sind. Früher übernahmen die Behörden Unterhaltsleistungen, wenn ein Elternteil seinen Verpflichtungen nicht nachkam, nur für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr. Die Zahl der Fälle, für die der Kreis einspringt, erhöhte sich von 1236 im Jahr 2016 vor der Reform auf nunmehr 1842.

Der Diakonieverband Nordschwarzwald wurde im Jugendhilfe-Ausschuss des Calwer Kreistags mit dem Siegel „Aktiv im Kinderschutz“ ausgezeichnet.