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28.07.2017

Beleidungen und Tränen: Zoff im Gerichtssaal

Richter und Schöffen haben keine leichte Aufgabe: Tathergänge bei Tötungsdelikten, Vergewaltigungen und – wie im Prozess gegen einen 26-jährigen Kurden am Donnerstag – teils gefährliche Körperverletzung mit Freiheitsberaubung in zwei Fällen (die PZ berichtete) müssen objektiv ermittelt werden. Dabei machen den Gerichten nicht nur spärliche Beweismittel oder gegensätzliche Zeugenaussagen das Leben schwer.

Solche Fälle sind für Geschädigte, Angeklagte und deren Verwandte immer hoch emotional. Vor dem Schöffengericht in Pforzheim gingen am Donnerstag bei dem 20-jährigen Opfer, dem 26-jährigen Täter sowie deren beiden kurdischen Familien zweimal die Gefühle durch. Drohungen und Beleidigungen flogen durch den Saal, Tränen flossen, zwischen den beiden Lagern wurde es hitzig. Um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen, forderte der Vorsitzende Richter Oliver Weik Unterstützung für die Justizbeamten an. Das erste Mal in seiner einjährigen Dienstzeit als Direktor des Pforzheimer Amtsgerichts, wie er betont. 90 Prozent der Prozesse liefen ruhig ab, so Weik weiter. Ausnahmen macht er bei Verfahren mit sogenannten Reichsbürgern aus. Ein Beispiel: „Bei einer Verhandlung wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung haben Sympathisanten im Zuschauerraum jede Aktion des Gerichts kommentiert.“ Der Direktor beobachtet zudem, dass bei der Jugend durchaus der Respekt vor den Gerichten schwindet. Der gute Brauch, sich vor dem Richter zu erheben, sei nicht mehr jedem bekannt. Weik berichtet von Baseballcaps, Kaugummis und Smartphones. Kleinigkeiten, so der Richter. Doch die Befürchtung ist angebracht, dass solches Verhalten der Grundstein für weit üblere Entgleisungen ist. kri