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Geholfen, gekocht und gesammelt: Enza Scarafilo (vorne mit Los-Korb) freute sich über die Hilfsbereitschaft zahlreicher Gastronomen aus Neuenbürg. Foto: Molnar
Geholfen, gekocht und gesammelt: Enza Scarafilo (vorne mit Los-Korb) freute sich über die Hilfsbereitschaft zahlreicher Gastronomen aus Neuenbürg. Foto: Molnar
05.12.2016

Benefizfest in Neuenbürg zugunsten der Erdbebenopfer in Italien

Neuenbürg. Es duftete nach Maronen und Glühwein. An Stehtischen genossen Passanten einen Flammkuchen. Andere holten sich im Zelt Lasagne oder eine italienische Bratwurst. Auf dem Marktplatz in Neuenbürg fand am Samstag ein Benefizfest statt – zugunsten der Erdbebenopfer in Italien. Das Motto lautete „Speranza – Fede – Carita“ (Hoffnung – Glaube – Nächstenliebe). Acht örtliche Gastronomen beteiligten sich mit warmen, kostenlos belieferten Speisen, Geldspenden oder Brötchen. Auch die Stadt und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Ortsgruppe Neuenbürg, die die Schirmherrschaft übernahm, unterstützten die Privatinitiative.

„Mir tun die Menschen leid und ich wollte etwas tun“, sagte Enza Scarafilo, die die Idee zu der Aktion hatte. Die Neuenbürgerin stammt aus dem süditalienischen Apulien, lebt seit 40 Jahren in der Enzstadt. Doch die Liebe zur Heimat ist geblieben: Viele Verwandte leben noch dort, einmal im Jahr reist sie deshalb nach Italien. Amatrice, eine Gemeinde nordöstlich von Rom und etwas größer als Neuenbürg, kennt sie nur aus den Medien. Beim Erdbeben an Allerheiligen wurde diese stark getroffen. „Sie ist nicht mehr bewohnbar“, erzählte Scarafilo, deren Freunde und Familie ebenfalls mitanpackten.

Die Menschen hätten teils alles verloren, lebten in Zelten oder Wohnmobilen – und der Winter rücke näher. „Ich wollte zuerst einige Opfer aufnehmen“, so Scarafilo, doch ihr Mann Domenico habe ihr abgeraten, die Betroffenen wollten meist vor Ort bleiben. Ein Tag nach dem verheerenden Erdbeben ergriff die langjährige Mitarbeiterin der Rathausapotheke die Initiative, sprach gezielt italienische Restaurants, Cafés und auch deutsche Bistros und Bäckereien an. „Wo ich hin kam, standen mir die Türen offen“, zeigte sich Scarafilo noch immer von der sofortigen Hilfsbereitschaft begeistert. Nur positive Rückmeldungen habe sie erhalten – nicht nur von Italienern.

Das spornte die Initiatorin, die zum ersten Mal eine Solidaritätsveranstaltung organisierte, an, weiterzumachen. Innerhalb von vier Wochen war bereits alles geregelt, auch der Kontakt zu einem aus Amatrice stammenden Gas-tronom aus Weinheim war hergestellt. Dieser veranstalte ebenso Benefizveranstaltungen und wolle Anfang nächsten Jahres mit einer Gruppe aus Weinheim an den Unglücksort fliegen, um die Spenden an den Bürgermeister von Amatrice zu übergeben. „Da wollen wir uns beteiligen, eine bessere Anlaufstelle gibt es nicht“, so Scarafilo. Der Erlös komme so auf direktem Weg nach Italien und könne eingesetzt werden, wo er benötigt werde.

Bis zum 31. Dezember laufe die Neuenbürger Aktion, das Rote Kreuz hat ein Spendenkonto eingerichtet. „Das machen wir gern“, sagte die zweite Vorsitzende Rita Klee, zumal das DRK Erfahrungen mit solchen Veranstaltungen habe. Auch Giuseppe Alberti von der Pizzeria „da Pinuccio“ war sofort dabei: „Der Schaden in Italien ist groß.“ Viele Besucher, darunter einige Stadträte, kamen vorbei und lobten die Aktion. „Hier weiß man, dass das Geld ankommt“, sagte eine 75-Jährige. Und: „Das ist eine super Initiative“, so Karl-Heinz Mappus.

Wer spenden möchte: Weitere Infos unter neuenbuerg.drk-pforzheim.de

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