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Mit einer Gebirgstrage befreiten die Kinder den zu Übungszwecken Verunglückten aus seiner Lage und transportierten ihn wieder den Berg hinauf. Roller
Mit einer Gebirgstrage befreiten die Kinder den zu Übungszwecken Verunglückten aus seiner Lage und transportierten ihn wieder den Berg hinauf. Roller
27.08.2017

Bergretter für ein paar Stunden

„Die Rettung war ganz komfortabel“, meinte Mattan grinsend, nachdem er wieder von der Trage gestiegen war, mit der ihn Meilin, Tim, Luca und Jeremias ein paar Minuten zuvor noch den Berg hochgezogen hatten.

Der 13-Jährige begab sich freiwillig in die Rolle des Verunglückten, um sich anschließend von den Königsbach-Steiner Ferienprogramm-Kindern retten zu lassen. Bei der Übung bekamen vier von ihnen einen Einblick in die Arbeit der Pforzheimer Bergwacht-Ortsgruppe – inklusive einer Führung durch die Wache und einer Fahrt im Einsatzfahrzeug.

Das Szenario hatte sich Micha Mayer, der Leiter des Bergrettungsdiensts, ausgedacht: Ein Radfahrer, gespielt von Mattan, ist vom Weg abgekommen und etliche Meter weit den Berg hinunter gestürzt. „Das ist durchaus realistisch“, meinte Mayer, gerade jetzt im Sommer könne das schon mal passieren. Um ihn zu retten, mussten die Kinder anpacken – und zusammenarbeiten. Jeder hatte seine Aufgabe: Zwischen den Bäumen spannte der neunjährige Jeremias zusammen mit Bergretter Christan Hauff ein Geländerseil, unterdessen bereiteten Meilin, Tim und Luca unter Mayers Anleitung eine Gebirgstrage vor, die sie zu Mattan herunterließen. Unten angekommen, wurde der „Abgestürzte“ versorgt, sicher in der Trage untergebracht und innerhalb weniger Minuten wieder nach oben transportiert – mit Hilfe eines Flaschenzugs. Meilin kümmerte sich darum, dass Tim, Luca und Jeremias an einem Seil abgesichert waren, als sie den Hang hinabsteigen. Und später zog sie die Jungs zusammen mit den übrigen Helfern der Bergwacht wieder hoch.

Allerdings: „Das war ganz schön anstrengend“, meinte Meilin später, als sie sich zusammen mit den anderen Kindern bei einem Vesper in der Wache stärkte: „Aber es war echt interessant.“ Sie hatte sich für die Aktion angemeldet, um „mal zu erfahren, wie der Beruf so ist“. Schließlich sei Bergretter ja nicht irgendein Beruf.

So ähnlich ging es auch Luca: „Ich wollte das einfach mal ausprobieren.“ Der Zwölfjährige fand es toll, „dass die uns so viel haben machen lassen“. Das sah auch Jeremias so. Bei der Übung ist der Neunjährige zwar ein paar Mal hingefallen, aber das machte ihm nichts aus: „Ich bin ja weich gelandet.“

Die Kinder haben toll mitgemacht, lobte Mayer: „Am Anfang waren sie zwar noch etwas zurückhaltend, aber sie sind schnell aufgetaut.“ Seit mehr als 25 Jahren engagiert er sich schon ehrenamtlich bei der Bergwacht. 25 aktive Mitglieder hat die Pforzheimer Ortsgruppe, die für den Stadtkreis Pforzheim, den Enzkreis und den Kreis Calw zuständig ist. Und für Kaltenbronn, wo sie neben dem Skilift ihre Wache betreibt. Entgegen der landläufigen Meinung stimme es nicht, dass die Bergwacht nur am Berg tätig ist. Man helfe prinzipiell überall. „Es gibt nur sehr wenige Stellen, an die wir nicht hinkommen“, betonte Mayer.