nach oben
Der letzte Einbruchsversuch hat seine Spuren am Südbahnhof-Kiosk in Neuenbürg hinterlassen: Das rechte Fenster wurde dabei eingeschlagen. Foto: Hegel
Der letzte Einbruchsversuch hat seine Spuren am Südbahnhof-Kiosk in Neuenbürg hinterlassen: Das rechte Fenster wurde dabei eingeschlagen. Foto: Hegel
13.06.2019

Besitzer fühlt sich von Polizei allein gelassen: 23 Einbrüche in sieben Jahren

Neuenbürg. Was für andere ein Schock ist, wird für Kiosk-Besitzer Andreas Kunze langsam traurige Routine. Am Freitag, 31. Mai, haben um 2.30 Uhr nachts wieder einmal Unbekannte bei ihm die Scheiben eingeschlagen. 23-mal haben Einbrecher schon ihr Glück bei ihm versucht, seit er 2011 den Schwarzwaldkiosk zwischen Südbahnhof und B 294 eröffnet hat.

Allein zwei Versuche waren es in diesem Jahr. Durch die Alarmanlage scheitern die Langfinger zwar schon seit Jahren, trotzdem ist der 50-Jährige wütend und fühlt sich allein gelassen.Die Polizei kontert mit einer doppelt so hohen Aufklärungsquote der Einbruchsdelikte im Enzkreis und rät, in solchen Fällen die kostenlose kriminalpolizeiliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Ruhig schlafen lässt Kunze diese Statistik freilich nicht. „Sobald ich im Bett liege, geht das Gedankenkarussell los“, erzählt der 50-Jährige, „dann frage ich mich: Habe ich auch überall abgeschlossen und alles eingeschaltet?“ In den ersten drei Jahren waren die Diebe dreimal erfolgreich. Gestohlen wurden bei jedem Beutezug Zigaretten im Wert von 10 000 Euro. Auf etwas anderes hatten es die Täter nie abgesehen. Es folgten Streits mit der Versicherung – für einen Teil des Schadens musste Kunze selbst aufkommen.

Um der Angreifer Herr zu werden, installierte er damals eine teure Alarmanlage an seinem Kioskhäuschen – und die wirkte. „Ein 120-Dezibel-Alarmsignal und eine Benachrichtigung auf mein Handy. Da suchen die schnell das Weite.“ Eingebrochen wird also nach wie vor, nur ohne Erfolg. Was bleibt, sind eingeschlagene Fenster, aufgebrochene Türen oder ein aufgerissenes Dach. Die Täter agieren nachts, nur einmal wurde er beim Abschließen nach Feierabend von einem Angreifer mit Haarspray attackiert. „Der wollte mir die Tageseinnahmen klauen, aber nach einem lauten Brüller ist er abgehauen.“

Kunze erzählt solche Dinge lakonisch – der Frust sitzt tief. „Es fehlt irgendwann die Lust, das Geschäft so weiterzuführen.“ Natürlich könne er von der Polizei nicht erwarten, dass sie 24 Stunden Streife vor dem Kiosk fährt. Trotzdem fühle er sich im Stich gelassen, weil so gar nichts passiere.

Gleichzeitig bewegen sich die Zahlen der Kriminalitätsstatistik in die richtige Richtung. Die Aufklärungsquote von Einbruchsdelikten konnte 2018 im Enzkreis von 12 auf 25 Prozent verdoppelt werden. Außerdem ging die Zahl der schweren Diebstähle aus Verkaufsräumen, unter die auch Kioske fallen, um 20 Prozent zurück. Die Polizei setzt in solchen Fällen aber vor allem auf Prävention. „Wir kommen kostenlos vor Ort vorbei und schauen, was man verbessern kann“, sagt Uwe Heintz von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Pforzheim. Der Kiosk am Südbahnhof sei leider ein „fast perfektes Einbruchsziel“. „Auf der Rückseite kommen nur Schienen und Industrie“, führt Heintz aus, „da kann man gefahrlos werkeln.“ Umso wichtiger sei es, auf sichtbare Abschreckung zu setzen. Sei es durch eine Vergitterung der Fenster, Sicherheitstüren oder eben eine Alarmanlage. „Das ist natürlich auch immer eine Kostenfrage.“ Doch wenn das ganze Herzblut in einen Laden gesteckt wurde, geht es meist um mehr als eine bloße Kosten-Nutzen-Rechnung. Andreas Kunze lässt sich deshalb nicht unterkriegen. „Ich mache trotz allem weiter“, sagt der 50-Jährige.