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Die Unterstützung durch die 13-Jährige Ida Hieb (von links), Gitarrenschülerin von Johnny Rieger, kommt beim Publikum des Bluesfests genauso gut an wie Rieger und seine musikalischen Freunde Michael Jochum und Patrick Morio.   Zachmann
Die Unterstützung durch die 13-Jährige Ida Hieb (von links), Gitarrenschülerin von Johnny Rieger, kommt beim Publikum des Bluesfests genauso gut an wie Rieger und seine musikalischen Freunde Michael Jochum und Patrick Morio. Zachmann
04.10.2015

Beste Stimmung beim Bluesfest in der Kulturhalle

Nur gut, dass es Freunde gibt. Sonst hätten die Besucher des Remchinger Bluesfests am Samstagabend echt etwas verpasst, nachdem der Tour-Bus von Johnny Rieger und seinen Bandkollegen mitten auf der Strecke von der Südpfalz zur Kulturhalle stehen geblieben war – und das junge Blues-Trio „mit leeren Wein- und Schnapsflaschen und nur noch einem kleinen Päckchen Erdnüssen“ einen anderen Weg suchen musste.

Aber sie kamen dennoch an und sorgten für Stimmung.

„Bewegt Euch“

„Der Tag der Deutschen Einheit ist für die meisten ein bewegender Tag – also bewegt Euch“, fordern der knapp über 30-jährige Gitarrist und Sänger sowie Schlagzeuger Michael Jochum und Bassist Patrick Morio auf. „Ihr dürft schreien, denn ihr müsst bedenken: Wir sind auf jeden Fall unter uns!“ Ihr neuer Song „Break out“ hat die Stille im Publikum schnell gebrochen und getreu dem Motto des aktuellen Albums „Come closer“ lassen sich das die knapp über 100 Zuschauer kein zweites Mal sagen, klatschen in die Hände und können bald selbst mitsingen. Für tosenden Applaus sorgt Riegers 13-jährige Gitarren- und Gesangsschülerin Ida Hieb mit ihrem gekonnten Gastauftritt.

Während in der Pause die regionale Bluesband „Pickup the Harp“ im Foyer der Kulturhalle für Stimmung sorgt, machen sich Sängerin Meena Cryle und die „Chris Fillmore Band“ bereit für schlagkräftige Frauenpower gepaart mit einfühlsamen Männermelodien. „Griaß eich“, ruft die Frontfrau der österreichischen Gruppe, die sich schon in weiten Teilen Europas und der USA einen Namen gemacht hat, in den dunklen Zuschauerraum, „Ihr seid ein bisschen weit weg, dabei mag ich es gern, wenn ich euch anschauen kann!“ Mal mit Rock-, mal mit Country-Akzenten begleitet vom Multi-Instrumentalisten und Liedermacher Chris Fillmore, Bassistin Marlene Lacherstorfer und Schlagzeuger Franky Cortez bietet sie im ersten Song sogleich den eigenen Ehemann – „for free“. Wie ein Rohdiamant schleift sich ihre markante Stimme in die Herzen des Publikums, das selbst nach „Enough is enough“ noch nicht genug hat.

„Am Blues gefällt mir vor allem die Ausdrucksstärke, die Gefühle, die die Höhen und Tiefen des Lebens beschreiben“, sagt der Mann, der beim Gaildorfer Bluesfest und in Fachzeitschriften auf die beiden Bands aufmerksam geworden ist und sie in die Kulturhalle gebracht hat: Kuno Epple, Bassist der legendären regionalen Summerfield-Bluesband, hat mit seiner Ehefrau Ursula bereits zum elften Mal das Remchinger Bluesfest organisiert und einmal mehr bewiesen, dass diese Musikrichtung, die sich mitunter auf drei Akkorde reduzieren lässt, auch noch heute viel zu bieten hat. Musik verbindet – und so stellen sich Kuno Epple und die beiden Bands am Ende alle gemeinsam auf die Bühne und geben dem Publikum einen gefühlsvoll-ausdrucksstarken Abschied für den Nachhauseweg.