nach oben
13.05.2008

Betrüger kochen ihr eigenes Süppchen mit falschen Töpfen

NORDSCHWARZWALD. Topf ist nicht gleich Topf. Und nicht immer erwirbt man bei einem günstigen Kauf das Produkt einer bestimmten Marke, unter deren Name es verkauft wird. Diese Erfahrung machte jüngst eine Schömbergerin.

Annette Klauser aus Schömberg kocht gern und ist seit Jahren mit einem Topf-Set der Marke AMC sehr zufrieden. Aus diesem Grund griff sie auch zu, als ihr und einer Kollegin vor kurzem beim Spätdienst im Calwer Krankenhaus ein Vertreter ein Topf-Set dieser Marke anbot. „Er kam ins Krankenhaus und erklärte, dass er für Krankenhaus-Personal einen speziellen Preis habe“, erinnert sich die Schömbergerin.

Seriös ausgesehen

Und da durch eine Garantiekarte und einen Firmenstempel mit Anschrift und Telefonnummer alles seriös ausgesehen habe, schien ihr der Kauf eines Topf-Sets mit fünf Töpfen und einer Pfanne bei einem Preis von 200 Euro ein wahres Schnäppchen. Neben einem Kochbuch lag dem Set auch ein Foto und eine Beschreibung zu der Firma und ihren rund 5000 Mitarbeitern bei. „Diese Topf-Sets kosten ja sonst sehr viel mehr. Und da ich so zufrieden bin, wollte ich diese Töpfe meiner Tochter geben“, erzählt Annette Klauser.

Die Tochter allerdings war nach den ersten Einsätzen der Töpfe gar nicht so begeistert wie die Mutter. „Die Temperaturanzeige im Deckel ging nicht und die Griffe wurden auf der Kochstelle heiß, obwohl die Töpfe laut Betriebsanleitung sogar für den Backofen gedacht sind“, beschreibt die Schömbergerin die Mängel der vermeintlichen Markenware. Als sie dieses Manko reklamieren wollte, stellte Annette Klauser jedoch fest, dass es die holländische Vertriebsfirma Emmerich Elten so nicht gibt und auch bei der Handynummer niemand dran ging.

Topf-Betrugsmasche ist bekannt

Ein Anruf bei der Firma AMC bestätigte ihr, dass Betrügereien unter deren Markennamen immer wieder vorkommen. „Das ist nicht der erste Fall, dass unsere Produkte nachgeahmt werden“, erklärt Ilona Berg, bei AMC für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Besonders beliebt seien Kofferraum-Verkäufe auf Autobahnparkplätzen. „Auch zweite Wahl gibt es bei uns nicht. Unsere Töpfe werden ähnlich wie Tupperware nur über den Party- oder Heimverkauf mit entsprechender Vorführung vertrieben“, betont die AMC-Sprecherin. Das günstigste Set kostet übrigens 1100 Euro.

Die Internet-Recherche von Annette Klausers Mann ergab, dass es noch mehr Käufer in ganz Deutschland gibt, die sich betrogen fühlen, so die Schömbergerin. Aus diesem Grund will sie auch bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstatten und damit möglicherweise andere vor einem Schaden bewahren. Der akzentfrei deutschsprechende Händler habe ihr gesagt, dass er nach dem Calwer Krankenhaus weitere Kliniken anfahren wolle. Allerdings ist beispielsweise in der Landesklinik in Hirsau nichts von einem solchen Vertreter oder Händler bekannt.

Keine Reisegewerbekarte

Dagegen hat sich bei der Polizei Calw im Februar ein Mann gemeldet und von einem ähnlichen Vorfall berichtet. „Dessen Nachbar hat wohl ein Messer-Set gekauft, fühlte sich aber nicht betrogen. Nur dem Mann kam die beobachteten Haustürgeschäfte komisch vor, weshalb er sich bei uns gemeldet hat“, erklärt Sabine Doll, Polizeipressesprecherin in Calw. Aufgrund des Hinweises sei der Händler beziehungsweise Vertreter von der Polizei überprüft worden. „Er hat seinen Wohnsitz in Deutschland, hatte aber keine Reisegewerbekarte“, sagt Doll.

Wenn Annette Klauser Anzeige erstattet, werde die Polizei der Sache weiter nachgehen. Es müsse sich eben jemand betrogen fühlen, so Doll. Die letzten betrügerischen Haustürgeschäfte im Kreis Calw liegen schon eine Weile zurück. „Damals ging es um minderwertige Teppiche, die als Perser ausgegeben wurden“, erinnert sich die Pressesprecherin.

Polizei-Tipps gegen Betrug
  • Bei Haustürgeschäften nie gleich kaufen und sich unter Druck setzen lassen
  • Firmenstempel und Firmenanschrift sowie weitere Daten von dem Verkäufer verlangen
  • Auf einen schriftlichen Vertrag und eine Vertragsdurchschrift bestehen
  • Sich nach Möglichkeit das Auto und das Kennzeichen notieren
  • Bei Unsicherheit oder einem unguten Gefühl die Polizei informieren. Die kann die Personalien des „fliegenden“ Händlers ermitteln
  • Im Fall eines bereits geschehenen Betrugs Anzeige erstatten. Nur so hat die Polizei die Möglichkeit, zu ermitteln.