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Eines der Bilder von Instagrammer Thilo Axnick aus Wiernsheim.
Eines der Bilder von Instagrammer Thilo Axnick aus Wiernsheim. © Privat
16.07.2017

"Bilder dürfen nicht zu perfekt sein": Instagrammer Thilo Axnick aus Wiernsheim übernimmt PZ-Account

Dank seines Cousins Tom Fechtner kam der Wiernsheimer Thilo Axnick 2016 mit Instagram in Kontakt. Inzwischen bestaunen dort fast 20 000 Menschen seine Natur- und Porträtaufnahmen. Der PZ hat er verraten, weshalb es in der Region so schwer ist, außergewöhnliche Aufnahmen zu machen – und was für den Erfolg auf der Fotoplattform noch wichtiger ist, als schöne Bilder zu knipsen.

PZ: Von 0 auf fast 20 000 Follower in nicht einmal eineinhalb Jahren: Wie geht das?

Thilo Axnick: Die Qualität der Fotos spielt zwar auch eine Rolle, aber die kommt oft auch mit der Zeit. Wichtig ist zunächst einmal etwas anderes: Regelmäßig zu posten – am besten jeden Tag zur gleichen Uhrzeit.

Wann ist das bei dir?

Meistens um 20 Uhr, da sind die meisten Follower aktiv. Freitags und samstags poste ich dagegen fast nichts, weil die Leute da unterwegs sind und keine Zeit haben. Das merkt man an den Likes. Wichtig ist auch, die richtigen Hashtags zu setzen. Zum Beispiel regionale Schlagwörter oder Feature-Seiten wie German Roamers – also erfolgreiche Seiten, die dann wiederum auf den Account verweisen. So werden die Bilder häufiger gefunden und die Zahl der Follower steigt.

Und wie müssen die Bilder aussehen?

Klar, je besser die Fotos, desto mehr Leute sprechen sie an. Aber es müssen bei Landschaftsaufnahmen auch interessante Gegenden sein... Ich gehe nicht nur dort hin, wo jeder hingeht – Allgäu, Zugspitze, Nebelhorn, das sind altbekannte Ziele –, ich entdecke auch gerne Neues. Was bei meinen Fans auffallend gut ankommt, sind Berglandschaften.

Und welche besonderen Fotospots gibt es rund um deine Heimat Wiernsheim?

Zwischen Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe ist es schwierig. Hier ist viel zu viel verbaut, es gibt viel zu viele Menschen. Besondere Ecken muss man da schon suchen – zum Beispiel im Monbachtal oder in der Gegend zwischen Wurmberg und Öschelbronn. Toll sind natürlich auch die Türme mit Aussicht auf den Nordschwarzwald und zum Teil sogar bis in die Vogesen und die Schwäbische Alb. Im Nordschwarzwald fotografiere ich gerne: mit seinen hohen Bäumen, mit seinen über 100 Nebeltagen im Jahr. Da kann man coole Sachen machen.

Was zum Beispiel?

Ich finde es toll, wenn ein Foto dramatisch wirkt – zum Beispiel durch den Nebel, dazu Wasserfälle, der Wald oder auch Berge. Gelungen finde ich ein Bild gerade dann, wenn es nicht so perfekt ist – denn sonst kann auch ein Stillleben seltsam gestellt aussehen.

Anfangs standen auf deinen Fotos die Menschen im Vordergrund, inzwischen rücken sie in den Hintergrund . . .

. . . ja, ich musste meinen Stil erst finden. Deswegen habe ich zunächst mehr Porträts gemacht, weil ich auch nicht so viel rumgekommen bin. Doch mittlerweile fahre ich zum Fotografieren fast jedes Wochenende quer durch Europa, meistens in die Alpen.

Wer sind die Frauen auf den Fotos?

Anfangs waren das noch Freundinnen, die ich zum Beispiel im Monbachtal und vor dem Wasserfall beim Kloster Maulbronn aufgenommen habe. Später kamen dann auch Models dazu. Zurzeit bin ich viel mit meinem Model Alina Jäger (@friederike_brion) unterwegs. Wir gehen zum Beispiel nach Südtirol, machen eine Alpenrundtour und waren schon in einem Hotel im Engadin, mit dem wir ein Sponsoring hatten.

Also lässt sich mit 20 000 Followern bereits Geld verdienen?

Es kommt nicht nur auf die Qualität und auf Followerzahl an, sondern auch darauf, wie engagiert man selbst ist. Ich schreibe zum Beispiel aktiv Firmen oder Hotels an. So kriege ich Unterkünfte und Reisen inzwischen meist finanziert. Nur das Spritgeld muss ich dann zahlen, weil es mit dem Auto-Sponsoring bisher noch nicht so geklappt hat. Aber direkt verdient habe ich mit den Fotos bisher noch nichts.

Bilden deine Bilder denn immer die Wirklichkeit ab?

Das Wichtigste ist, dass die Landschaft auf dem Foto gut aussieht. Manchmal sieht sie auf dem Bild schöner aus als in echt, manchmal ist es aber auch andersrum. Die Bearbeitung ist oft das Entscheidende. Die kann mal fünf Minuten gehen, mal aber auch drei Stunden.

Wie veränderst du deine Bilder?

Ich bewege fast jeden Regler: Die Klarheit stelle ich meist hoch ein, auch Kontraste und Farben verändere ich komplett, dazu ein gewisser Mattlook. Und ich schneide auch mal Dinge aus. So kann ich zum Beispiel den Ast im Vordergrund heller belichten, anschließend den Hintergrund dunkler – und schließlich beides zusammenfügen. Die klassischen Instagram-Filter benutze ich dabei gar nicht mehr. Ich mache alles mit Photoshop und Lightroom.

Thilo Axnick lebt in Wiernsheim, wo er auch seinen Realschulabschluss machte. Heute arbeitet der 20-Jährige im Pforzheimer Mäurach bei der Saacke GmbH als Zerspanungsmechaniker. Das Fotografieren ist – bisher – ein Hobby. Zwar hat Axnick (kein Künstler-, sondern sein realer Name) eine Canon 750D, fotografiert aber meist mit anderen Kameras. Derzeit meist mit einer Canon 6D. Diese leiht ihm das japanische Unternehmen als Sponsoring und zur Eigenwerbung aus. Ab Montag übernimmt Thilo Axnick für eine Woche den Instagram-Account der PZ – somit sind seine Fotos sowohl unter dem Nutzernamen @thiloaxnick als auch unter @pznews zu finden.