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Der Vorstand im Jubiläumsjahr: Dietmar Frei, Heiderose Frei, Claudia Schröck, Mareike Setzer, Marlies Karg, Davy Karg und Udo Seiter (von links) lenken derzeit die Geschicke des OGV Bilfingen. Auf dem Bild fehlen Markus Keller und Frank Zeiher. 

Bilfinger Obst- und Gartenbauverein feiert 100. Geburtstag

Kämpfelbach. Mit Festlichkeiten sorgt er für Geselligkeit, mit Schnittkursen und Vorträgen gibt er Wissen weiter, mit starker Jugendarbeit bezieht er den Nachwuchs ein: Mit seinen zahlreichen Aktivitäten ist der Bilfinger Obst- und Gartenbauverein (OGV) aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken. Dieses Jahr feiert er seinen 100. Geburtstag.

„Wir sind froh und dankbar, dass Ehrenamtliche durch ihr großes Engagement den Verein so lange mit Leben gefüllt haben“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Dieter Karg und erklärt, die Arbeit im OGV bedeute Freiheit, Natur und Gemeinschaft. Wenn er aus dem Schriftführerbuch des Vereins vorliest, dann ist das wie eine Reise in die Vergangenheit. Das braune Büchlein enthält kurze Berichte zu allen Vorstandssitzungen, Hauptversammlungen, Ausflügen und Veranstaltungen von 1922 bis 1977. Dort ist auch vermerkt, wie der Verein einst aus der Taufe gehoben wurde: Nachdem im heute noch existierenden Gasthaus „Zur Krone“ am 10. Februar ein Obstbauinspektor der Versuchsanstalt Augustenberg einen Vortrag über „Pflege, Aufzucht und Schnitt von Obstbäumen“ gehalten hatte, fand dort am 26. Februar 1922 die Gründungsversammlung des Vereins statt. Damals gab er sich eine Satzung, in der als Vereinszweck die „Pflege, Förderung und Ausdehnung des Obst- und Gartenbaus“ genannt wird.

Hatte der Verein bei seiner Gründung noch 24 Mitglieder, waren es einen Monat später schon 62. Schon damals stellte er zahlreiche Schnitt- und Pflegekurse auf die Beine, ermöglichte gemeinsame Obstbaumbestellungen und sorgte für geselliges Beisammensein. Schon ein paar Tage nach der Gründung unternahm er die erste Wanderung in der näheren Umgebung.

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Ein Ehrenvorsitzender und ein „Mann des Jahres“ beim OGV

Ein paar Monate später fand die erste Obstausstellung statt, die den Besuchern den Aufzeichnungen zufolge die Gelegenheit bot, „sich zu überzeugen, dass der deutsche Obstbau durch fleißige Arbeit vom Ausland unabhängig gemacht werden kann“. In den 1930er-Jahren musste sich auch der Bilfinger OGV den neuen, braunen Machthabern unterordnen: Die Mitglieder durften die Verwaltung nicht mehr frei wählen, sondern nur noch den Vorsitzenden, der fortan „Vereinsführer“ heißen musste. Wegen des Zweiten Weltkriegs pausierte das Vereinsleben ab 1940 und wurde erst 1947 wieder aufgenommen, nachdem der Landrat dem Bürgermeister eine entsprechende Aufforderung zukommen ließ. 35 Mitglieder waren nach dem Krieg übriggeblieben, der Rest gefallen oder in Gefangenschaft.

Doch es ging wieder bergauf: Der Verein stellte wieder Veranstaltungen, Pflege- und Schnittkurse auf die Beine. Ende der 1990er-Jahre bekam er einen Raum in der alten Kelter. Als diese umgebaut wurde, zog er ins alte Schulhaus und später ins Haus der Vereine. Seit 2008 hat er im Gewann „Lieben Gott“ ein eigenes Grundstück, auf dem er seinen Vereinsgarten anlegte. Seither findet dort immer im September das Kartoffelfest statt.

Anders als im Supermarkt

Beteiligt hat der Verein sich auch immer am Maibaumstellen. Am zweiten Advent bietet er ein Adventscafé mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen. Und Ende November Gesteck-Kurse für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Auch sonst ist er in der Jugendarbeit sehr aktiv, beteiligt sich am Ferienprogramm und startet weitere Aktionen für den Nachwuchs, auch in Kooperation mit der Grundschule. Ziel sei es, neue Mitglieder zu gewinnen. „Es gibt nichts Nachhaltigeres, als sein eigenes Obst und Gemüse anzubauen“, sagt Karg und erklärt, dadurch wisse man genau, was man auf dem Teller habe und wo es herkomme. „Das schmeckt ganz anders als aus dem Supermarkt.“