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Die Flüchtlinge, die auf der Insel Lesbos ankommen, hatten auf der Überfahrt Todesangst. Erlebnisse wie dieses können Traumata auslösen.  Baltagiannis
Die Flüchtlinge, die auf der Insel Lesbos ankommen, hatten auf der Überfahrt Todesangst. Erlebnisse wie dieses können Traumata auslösen. Baltagiannis
25.01.2016

Bisher kaum Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge

Enzkreis. Immer häufiger wird in Informationsveranstaltungen zum Thema Asyl eine Frage gestellt: Wie steht es um die psychischen Leiden der Flüchtlinge? Eine Erhebung zeigt: Die Mehrheit von ihnen hat traumatische Erlebnisse hinter sich. Hilfe von Psychotherapeuten erhalten im Enzkreis trotzdem nur wenige.

Generell sei es „unheimlich schwierig“, Therapieplätze für Asylbewerber zu finden, sagt Katja Kreeb, Sozialdezernentin des Enzkreises. Schließlich müsste schon die Allgemeinbevölkerung oft monatelang auf einen Termin warten.

Dass sich Bürger Sorgen um die geistige Verfassung der Neuankömmlinge machen, zeigte sich auch bei der Bürgerinformation am Donnerstag in Pforzheim. Ein Zuschauer fragte: „Was passiert mit Asylbewerbern mit psychologischen Problemen, die durch Kriege ausgelöst wurden?“ Laut der Psychotherapeutenkammer wurden 70 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge Zeuge von Gewalt, 58 Prozent sahen Leichen. 43 Prozent hätten Alpträume, 75 Prozent seien emotiopnal stark belastet. Brigitte Joggerst, die das Gesundheitsamt Pforzheim Enzkreis leitet, antwortete: „Erst müssen die Grundbedürfnisse abgedeckt werden.“ Danach werde es wohl Therapiegruppen geben.

Ein Stück weiter ist da die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Enzkreis: 20 traumatisierte Flüchtlingskinder sollen über das Angebot „Kinder der Welt integrieren“ betreut werden. „Eine Gruppe in Mühlacker gibt es bereits, eine in Pforzheim startet demnächst“, sagt der Leiter Thomas Gustorff. Damit die Hilfe nicht an der Sprache scheitert, baue man einen Dolmetscherpool auf: Derzeit laufen Gespräche mit 40 Bewerbern, bis März sollen diese dann geschult werden. „Auch Einzeltherapien für Erwachsene laufen bei uns gerade an“, sagt der Diplom-Psychologe Gustorff.

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