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Immer in Aktion sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Remchingen.
28.01.2011

Blaulicht-TV: Ein Leben auf Abruf mit dem Piepser

Silvesternacht, die ganze Region feiert. Bei Heiko Oswald aus Remchingen werden gleich zwei Dinge gefeiert: Das neue Jahr und sein Geburtstag. Eltern und Freunde sind da. Doch plötzlich schrillt der Piepser: Dachstuhlbrand in einem Mehrfamilienhaus in Singen. Das neue Jahr ist gerade einmal eine Stunde alt, als bei der Freiwilligen Feuerwehr in Remchingen Vollalarm ausgelöst wird.

Bildergalerie: Wohnungsbrand: So wird die Freiwillige Feuerwehr in Remchingen alarmiert.

„Meine Familie ist es gewöhnt, dass ich immer wieder alles stehen und liegen lassen muss, wenn es einen Einsatz gibt“, sagt Oswald. Schließlich seien mehrere Familienmitglieder bei der Freiwilligen Feuerwehr. Schwierig ist es für ihn, wenn es tagsüber einen Einsatz gibt. „Ich bin technischer Lehrer in Pforzheim. Da kann ich nur losfahren, wenn wirklich ein größerer Einsatz ist“, sagt er.

Mit Arbeit vereinbar

Die meisten Arbeitgeber haben nach Angaben der Feuerwehrmänner Verständnis für die Arbeit. „Mein Arbeitgeber sagt, er will ja auch, dass die Feuerwehr kommt, wenn er sie einmal braucht“, sagt Florian Becker, Kommandant der Abteilung Nord. Auch ihn hat es schon einmal während seiner Geburtstagsfeier erwischt: „20 Gäste waren bei mir, als ich plötzlich weg musste“, erinnert er sich. Doch seine Familie, die ihn bei seinem Dienst für die Feuerwehr unterstützt, trägt seinen Einsatz mit. „Wenn ich nachts losrenne, macht sie für mich die Türen wieder zu und das Licht wieder aus“, erzählt er. Alle Notrufe über die Nummer 112 sowie die Meldungen der Brandmeldeanlagen laufen in der Einsatzleitstelle der Feuerwehr in Pforzheim ein. Von dort aus werden die Freiwilligen Feuerwehren in einem „stillen Alarm“ angepiepst. „Durch das Stichwort der Alarmierung entscheidet sich, wie viele Feuerwehrleute angepiepst werden“, erklärt Marc Unger, Kommandant der Feuerwehr in Remchingen.

Bei Einsätzen zur Tageszeit werden meistens alle 73 Einsatzkräfte alarmiert, da nicht alle sofort kommen können. „Sonst werden meistens doppelt so viele alarmiert, wie tatsächlich gebraucht werden“, erklärt Unger. Nachts und am Wochenende gibt es laut Unger keine Probleme, genügend Einsatzkräfte zusammenzubekommen. Sollte es tatsächlich einmal passieren, dass zu wenig Feuerwehrleute anrücken, alarmiert die Leitstelle entweder weitere Personen nach oder bittet die Nachbarfeuerwehren um Hilfe.

72 Einsätze hat die Freiwillige Feuerwehr in Remchingen im vergangenen Jahr absolviert. Für die Einsatzkräfte, die schon länger dabei sind, ist es inzwischen Routine geworden, in ständiger Bereitschaft zu leben. „Egal ob in der Badewanne oder im Garten auf der Leiter, wir alle wissen, dass wir jederzeit gerufen werden können“, sagt Roman Roth. „Das kann auch mal passieren, wenn man gerade von der Arbeit heim gekommen ist und sich zum Essen hingesetzt hat“, sagt Agostino Marulli. „Oder wenn man gerade von einer Feier heim gekommen ist und die Nacht sowieso schon sehr kurz ist“, ergänzt Benjamin Wuschkan.

Wie in der Neujahrsnacht 2011. Die Wohnung im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Remchingen-Singen brannte aus. Die Brandursache: Eine verirrte Feuerwerksrakete. Carolin Ulbrich

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